
Augusta. (art) Es ist nicht gerade so, dass Golf als jener Sport gilt, der sich am schnellsten den wechselnden Modegeschmäckern anpasst. Doch das 1934 erstmals und ab Donnerstag zum 76. Mal ausgetragene Masters wirkt auch verglichen mit den anderen großen Turnieren als jenes, das den neuesten Trends noch am resistentesten entgegentritt, obwohl es mit Abstand das jüngste der Majors ist.
Ein schmiedeeisernes Tor empfängt die Besucher jährlich im Augusta National Golf Club - das alleine ist schon eine Besonderheit, da die Austragungsorte für die anderen Major-Turniere wechseln -, dahinter offenbart sich eine malerische Parklandschaft mit akkurat geschnittenen Hecken, Magnolien und Pinienwäldern. Alles ist noch eine Spur nobler und elitärer als anderswo.
Von Siegen und Dramen
Die Tradition ist Teil der Turnierpolitik: Teilnehmen dürfen nur Spieler, die Einladungen bekommen, diese werden per Post versandt. Noch immer wurde auf der immer globaleren Landkarte des Golfsports kein Ort gefunden, an dem sich besser Legenden schreiben lassen.
Tiger Woods hatte seine hier vor mittlerweile 15 Jahren mit seinem ersten Sieg bei einem Major begründet, es sollten bis heute insgesamt 13, davon drei beim Masters, dazukommen. Phil Mickelsons Erfolg vor zwei Jahren ist Fans noch in bester Erinnerung, weil es sein erster Major-Erfolg seit der Krebs-Diagnose seiner Frau war, die Bilder der tränenreichen Umarmungen nach dem Triumph gingen um die Welt. Und vor einem Jahr erfuhr nach dem Überraschungssieg Charl Schwartzels jeder, der es wissen wollte oder nicht, dass der Südafrikaner seine mentale Ausgeglichenheit der Arbeit auf der heimatlichen Hühnerfarm verdankt.
Rory McIlroy schrieb zu diesem Zeitpunkt eine andere Geschichte: die des grandiosen Scheiterns. Mit vier Schlägen Vorsprung ist der junge Nordire in den letzten Tag gegangen, nach einer desaströsen Acht-über-Par-Runde beendete er das Turnier nicht in den Top Ten, dafür unter Tränen. "Ich war noch nicht bereit dafür", sagt der 22-Jährige heute. Doch schlecht über den Ort seiner wohl bittersten Niederlage zu reden, das würde auch er sich nicht trauen. Stattdessen räumt er auch dieser ein zentrales Kapitel in seiner Vita ein. Demnach sei Augusta 2011 der Wendepunkt gewesen, der Grund für seinen Sieg bei den US Open nur zwei Monate später und seinen zwischenzeitlichen Aufstieg zur Nummer eins der Welt vor wenigen Wochen.
Erwartetes Duell
"Ich habe viel gelernt und es gut im Training umsetzen können. Ich musste mir definitiv etwas einfallen lassen, um mich mental und einige Aspekte meines Spiels zu verbessern. Das ist mir gelungen", sagt er. Speziell arbeitete er an der Fitness und mit Coach Dave Stockton am Putten, das bis vor kurzem als seine vielleicht einzige Schwäche galt. "Jetzt habe ich viel mehr Gefühl in meinen Schlägen", sagt er. Auch sein Umfeld hat er verändert, sich von seinem Manager Andrew Chandler getrennt und Conor Ridge installiert. Auch das sei ein wesentlicher Aspekt seines Erwachsenwerdens gewesen, sagt er.
Während die US-Medien schon die Tastaturen malträtieren, um das Duell zwischen McIlroy und dem wiedererstarkten Tiger Woods, der sich beim Arnold Palmer Invitational nach fast dreijähriger Sieglosigkeit zurückgemeldet hat, zur Geschichte der 76. Ausgabe zu stilisieren, brodelt es hinter der idyllischen Kulisse. Der nach wie vor von Chandler gemanagte frühere McIlroy-Kumpel Lee Westwood reagiert auf die Fragen nach dem jungen Nordiren und Woods zunehmend genervt. "Wir kennen alle diese Artikel. Aber man wäre naiv zu glauben, dass das eine Zwei-Mann-Show wird. Phil Mickelson könnte ein Wort mitreden. Oder Luke Donald (die Nummer eins der Welt, Anm.). Oder ich." Es wäre auch in der langen und ansonsten erfolgreichen Karriere des Engländers, der auch schon einmal die Nummer eins der Welt war, ein Schritt zum Legendenstatus.