Itajaí. (art) Die Verabschiedung war ein großes Hallo. An die 60.000 Zuschauer waren im Hafen von Alicante dabei, als Spaniens Kronprinz Felipe zuerst jedem einzelnen Teilnehmer des Volvo Ocean Race die Hand schüttelte sowie gute Glückwünsche auf den Weg gab und dann den Startschuss für die härteste Regatta der Welt abgab. Seitdem sind die Segler schon fünf Monate auf hoher See, unterbrochen nur von kurzen Pausen an Land oder am Frachter, weil man den Piraten, die sich an der ostafrikanischen Küste gerne herumtreiben und eine stete Gefahr darstellen, aus dem Weg fahren wollte.
Am Freitag steuerten die Yachten Telefónica und Puma auf das Ziel der mit 6700 Seemeilen (rund 12.000 Kilometern) fünften und längsten Etappe von Auckland ums Kap Hoorn nach Itajaí an der brasilianischen Atlantikküste zu. Die anderen hatten mit Materialschäden zu kämpfen.
Nach dieser Königsetappe und der kommenden Woche beginnenden Fahrt nach Miami sind weitere drei Etappen zu fahren, ehe die Schiffe oder besser die, die noch nicht havariert von den sechs gestarteten übrig bleiben, Mitte Juli im Ziel in Irland erwartet werden. Insgesamt sind mehr als 39.000 Seemeilen zu absolvieren.
Das Volvo Ocean Race, das vor 40 Jahren zum ersten Mal - damals noch als Whitbread Round the World Race - ausgetragen wurde und heuer zum elften Mal stattfindet, ist aber nicht nur lang, es ist vor allem hart; und wenn die Plattitüde vom Kampf auf Leben und Tod auch manchmal martialisch erscheinen mag, trifft sie auf dieses Rennen zu, bei dem schon einige Todesopfer, das bisher letzte 2006, beklagt werden mussten. Und dabei sind die Piraten nur eine von vielen Gefahren, die auf die Segler lauern.
Härteprobe für Mensch
und Material
Enorme Temperaturunterschiede, streng rationiertes und dazu gefriergetrocknetes Essen, Schlafmangel und ständig nasse Beine zehren an der Substanz, dabei muss die Konzentration hochgehalten werden, wenn auf den Hightech-Yachten in atemberaubendem Tempo Eisberge umschifft werden müssen, Wellen im zweistelligen Meterbereich und Wind von bis zu 150 Stundenkilometern standgehalten werden muss. "Zu einem gewissen Zeitpunkt haben wir bei jeder dritten Welle geglaubt, das Schiff bricht, der Mast hat sich gebogen wie nasse Spaghetti", meldete Amory Ross vom Team Puma live von der fünften Etappe. "Es ist die schnellste Segelautobahn der Welt", erzählt der Österreicher Andreas Hanakamp, der bei der vergangenen Auflage für ein russisches Syndikat dabei war.
Für die Segler ist es die ultimative Herausforderung, für die Eigner und Sponsoren, die bis zu 30 Millionen Euro in die Kampagnen investieren, Prestigesache und Werbeplattform. Wer das Ziel in rund drei Monaten einigermaßen unbeschadet erreicht, hat es tatsächlich geschafft. Es werden nicht viele sein.