London. Cambridge hat am Samstag die 158. Ruderregatta auf der Londoner Themse gegen Oxford gewonnen. Ein Schwimmer sorgte allerdings für einen nicht reibungslosen Verlauf des legendären Rennens der Elite-Universitäten. Etwa auf der Hälfte der 6,8-Kilometer-Strecke zwischen Putney und Mortlake tauchte der Kopf des Mannes urplötzlich im Wasser vor den Booten auf und wurde beinahe von einem Ruder getroffen. Bei dem Störenfried handelte es sich laut englischen Medienberichten um einen 35-jährigen Londoner, der seine Aktion gegen Elitedenken richtete. Er wurde von der Polizei an Land festgenommen.
Kurz nach dem Rennen am Samstag wurde im Internet ein Blog veröffentlicht, das dem 35-jährigen Mann - einem ehemaligen Studenten der renommierten London School of Economics - zugeschrieben wurde. Darin wird das Elitedenken kritisiert, das die Ruder-Teams der beiden britischen Vorzeige-Universitäten verkörperten. "Ich werde zwischen die Boote schwimmen in der Hoffnung, dass ich sie davon abhalten kann, das Rennen zu beenden", heißt es in dem Blog. Der Präsident des Oxforder Rudervereins twitterte nach dem Rennen eine Botschaft an den Demonstranten: "Mein Team ist sieben Monate lang durch die Hölle gegangen und das war die Krönung", schrieb er.
Das "Boat Race" vor 250.000 Zuschauern wurde für rund dreißig Minuten unterbrochen, ehe die Boote auf dieser Höhe der Strecke nach einem Neustart das Kräftemessen fortsetzten. Die bei den Buchmachern als Außenseiter gehandelten Hellblauen aus Cambridge siegten schließlich ungefährdet. Nach dem Neustart waren die Ruderblätter der beiden Teams aneinandergeraten, dabei war eines der Oxford-Blätter kaputt gegangen. In der Gesamtbilanz der Regatta führt Cambridge mit 81:76 Siegen.
Oxford-Ruderer nach Kollaps im Krankenhaus
Nach dem turbulenten Rennen gab es außerdem keine Siegerehrung. Denn Alexander Woods vom dunkelblauen Oxford-Achter war im Ziel zusammengebrochen. "Er wurde sofort ins Krankenhaus gebracht, sein Zustand ist stabil", hieß es vom Veranstalter.
Die 158. Auflage des Ruder-Wettstreits zwischen den beiden Universitäten wurde von zahllosen Schaulustigen in London verfolgt und weltweit im Fernsehen übertragen. Die Regatta ist reich an dramatischen Ereignissen: 1912 gingen beide Boote unter. Das bislang letzte Mal, dass sie neu gestartet werden musste, war vor elf Jahren. 2001 verhakten sich die Ruder beider Boote bereits nach einer Minute, weswegen das Rennen gestoppt wurde. Mit dem Ausgang am Samstag hat Cambridge seinen Gesamtvorsprung auf 81 Siege ausgebaut und liegt damit fünf Trophäen vor den Konkurrenten. Bisher gab es nur ein einziges Mal ein Unentschieden.