Oropesa del Mar. (art/apa) Vielleicht wäre alles ein bisschen anders, wäre man Serbien und also Daviscup-Sieger 2010. Oder Frankreich und Finalist im selben Jahr. Beide Mannschaften werden das Halbfinale diesmal nach Niederlagen gegen Tschechien beziehungsweise die USA nur als Zuschauer erleben und leisten Österreich damit beste Gesellschaft. Doch anders als bei diesen beiden Mannschaften hielt sich die Enttäuschung bei den Österreichern nach der 1:4-Niederlage in Spanien in Grenzen, vielmehr wurde schon das Dabeisein unter den besten acht Tennisnationen als Erfolg gewertet.

"Es war eine Riesenerfahrung für uns", meinte Daviscup-Kapitän Clemens Trimmel, "wir haben von vornherein gewusst, dass die Chancen eher gering sind. Aber das Team hat sich professionell vorbereitet und verkauft", urteilte er nach seinem zweiten Einsatz als Kapitän, der von Beginn an unter keinem allzu guten Stern stand: Der tiefe Sandplatz in der Ferienanlage Oropesa del Mar, deren Stadion mit knapp 12.000 Plätzen mehr Menschen Platz bietet, als der Ort Einwohner hat, sprach nicht unbedingt für Jürgen Melzer und noch weniger für Andreas Haider-Maurer; der war zudem nach einer Bänderverletzung angeschlagen und ging nach der Auftaktniederlage Melzers gegen Nicolas Almagro mit einer schweren Hypothek in sein Einzel. Nach dem Punkt im Doppel, in dem Oliver Marach und Alexander Peya der spanischen Paarung Granollers/Lopez einen epischen Kampf lieferten und in vier Sätzen gewannen, und Melzers Niederlage gegen Ferrer wurde Haider-Maurer im bedeutungslosen Schlusseinzel geschont und stattdessen der jenseits der Top 700 rangierende Peya aufgestellt. "Ich habe es trotzdem genossen, auch wenn wir schon verloren haben", meinte er nach seiner Dreisatzniederlage gegen Almagro.
Damit fasste der Wiener die Grundstimmung im Team zusammen, auch wenn man sich schon ein bisschen mehr erträumt hatte und Neo-Verbandspräsident Ronnie Leitgeb die Tatsache, dass Österreich im 21. Weltgruppenspiel im Einzel erstmals ohne Satzgewinn blieb, "etwas deprimierend" fand. "Wir werden das jetzt analysieren und an den Strukturen arbeiten. Der Daviscup ist nicht nach dem letzten Ballwechsel vorbei", erklärte Trimmel.
Mehr als die Situation des aktuellen Teams bereitet ihm ein Blick in die Zukunft Sorgen. Außer Melzer und Haider-Maurer drängt sich derzeit keiner fürs Einzel auf, "wir sind sehr dünn besetzt", meinte Trimmel. Und abgesehen vom 25-jährigen Haider-Maurer haben die Kaderspieler den 30er allesamt schon hinter sich. Immerhin hat man mit dem Viertelfinale den Weltgruppenplatz für 2013 abgesichert und sich damit ein bisschen Zeit für die Zukunft erarbeitet. Mehr haben auch Serbien und Frankreich nicht geschafft. "Aber langweilig wird mir als Sportdirektor nicht", befand Trimmel.