Wien.

Seit der einstige Wandervogel, der auch als bunter Hund verschrien war, was nicht immer nur positiv gemeint war, vor mittlerweile zweieinhalb Jahren nach Wien zurückgekommen ist, ist er in beinahe missionarischem Eifer bemüht, den Sport in der Bundeshauptstadt heimisch zu machen; PR-Termine und Benefizaktionen stehen an der Tagesordnung, im Herbst wurde ein Pensionistenheim besucht. "Die Popularität ist da, aber die muss man auch nützen", sagt er. "Wir wollen in Wien einen Basketball-Boom entstehen lassen." Wir, das sind vor allem Stjepan Stazic, das aktive Aushängeschild des BC Vienna, und sein Bruder Petar Stazic Strbac, der Manager. Nachdem der Zweitligist Basket 2000, der als Projekt ambitionierter Hobby-Spieler mit vorwiegend migrantischem Hintergrund gegründet worden war, im Jahr 2010 aus Geld- und Ressourcengründen mit dem Bundesligisten Basket Clubs zum BC Vienna fusioniert hatte, übernahmen die Stazics die Geschicke des Vereins.
Keine Lobby
Der Anfang gestaltete sich schwierig: Basketball hatte in Wien keine Lobby und sich in den Jahren davor in die Provinz verlagert, wo regionale Sponsoren leichter zu finden sind, die Konkurrenz durch andere Sportangebote geringer und der Lokalpatriotismus größer ist. Der neue Verein hatte keine fixe Trainings- und Spielstätte und noch weniger ein Budget, das mit den Großen mithalten konnte. Das hat sich bis heute nicht geändert, der BC Vienna muss mit etwa einem Drittel von Gmunden und Co. auskommen.
Sportlich allerdings hat sich zumindest eine der Visionen Stazics erfüllt: Erstmals in der Vereinsgeschichte steht der Klub im Viertelfinal-Play-off der obersten Herren-Liga, im ersten Spiel der Best-of-Five-Serie konnte man Gmunden, die dominierende Mannschaft des vergangenen Jahrzehnts, auswärts nach klarem Rückstand quasi in letzter Sekunde mit 77:76 bezwingen. Und während beim vierfachen Meister und sechsfachen Cupsieger aus Oberösterreich Nervosität einkehrte, spürte der Kapitän der Wiener "erstmals eine richtige Basketball-Stimmung". Vor der zweiten Partie am Donnerstag in Gmunden (19.30 Uhr) hält er nun sogar "das Unmögliche für möglich", wie er sagt.
Zukunftsträume
Doch die Saison ist so oder so schon ein Erfolg. Wäre eine Teilnahme am Play-off in der österreichischen Liga vor einigen Jahren noch kein besonderer Anlass für Euphorie bei Stazic gewesen, scheint das jetzt schon fast wichtiger als irgendein Titel. "Es sind genau diese Momente, die mich an dem Projekt faszinieren: Nach dem Spiel hat das Telefon nicht aufgehört zu läuten, es sind hunderte Glückwünsche als SMS, Mail oder Facebook-Postings gekommen", erzählt er. "Da sieht man, was man hier bewegen kann. Darauf müssen wir jetzt aufbauen."
Der sportliche Erfolg ist dabei zwar als Motor wichtig, aber nicht alleine entscheidend. Mit dem Bezug der Stadthalle als Heimstätte und der Eröffnung einer privaten Basketball-Halle im 16. Bezirk als Trainingsstätte hat sich auch die infrastrukturelle Situation gebessert. In Zukunft werden dort Kinder-Camps abgehalten, dazu kooperiert der BC Vienna mit der Wiener Käfigmeisterschaft, aus der die größten Talente zum Schnuppern bei den Trainings der Profis eingeladen werden.
Denn das Potenzial für den Boom, von dem Stazic noch etwas visionär spricht, sei da - auch, weil man sich als Verein mit starkem migrantischen Bezug deklariert und so ein Auffangnetz für Sportbegeisterte mit nicht-österreichischer Herkunft darstellt, die sich anderswo nicht so schnell zugehörig fühlen.
"Es geht darum, zu zeigen, was man alles erreichen kann, egal, woher man kommt. Die Leute sollen sich denken: Was die Stazic-Brüder können, können wir auch", sagt der langjährige österreichische Nationalspieler, der selbst Anfang der 90er von Zagreb nach Wien gekommen war. Für heuer zumindest haben er und der BC Vienna schon ziemlich viel erreicht.