Wien. (art) Es war als einfache Einstiegsfrage gedacht, doch auch solche können manchmal ganz schön knifflig sein. Wie seine Bilanz am Tag nach dem Vienna City Marathon ausfalle, wollte der Moderator der Veranstaltung, die sich nicht sehr sexy Nachbetrachtungspressekonferenz nennt, von Organisator Wolfgang Konrad wissen. Bei der Beantwortung kam der dann zwar nicht so ins Schwitzen wie die knapp 6000 Teilnehmer, die über die 42,195 Kilometer für einen Finisher-Rekord im Marathon in Wien gesorgt haben, doch er musste schon ein bisschen nachdenken.

"Im Prinzip extrem gut", sagte Konrad dann, ehe er die aus seiner Sicht gelungenen Aspekte aufzählte: Da war der Streckenrekord des Kenianers Henry Sugut, der in 2:06,58 Stunden ein Spitzenfeld anführte, da war die Begeisterung rund um Paula Radcliffe und Haile Gebrselassie, die einander ein Verfolgungsrennen im Halbmarathon lieferten, das der Äthiopier gegen die von einer Bronchitis geschwächte Radcliffe gewann, da war das Rekordfeld von 36.157 Läufern in allen Bewerben - davon rund 8000 im Marathon -, und da waren "berührende Momente der Menschlichkeit", die ihn noch immer bewegen würden. Fazit: "Wir können stolz sein, wieder so eine Veranstaltung auf die Beine gestellt zu haben", meinte Konrad.
Sekunden der Konfusion
Und doch haftete all dem ein "Aber" an, musste auch der Organisator Fehler eingestehen, die es hinsichtlich des 30-Jahr-Jubiläums im kommenden Jahr zu beheben gelte. Konrad ist sich bewusst, dass der Vienna City Marathon dann noch mehr in der Auslage stehen wird. "Kein Mensch weiß, warum, aber Jubiläen ziehen einfach", sagt er. Und Patzer wie jene am Sonntag, an dem es Probleme mit App und Homepage gab, am Begleitauto von Gebrselassie keine Zeit aufschien und vor allem die Uhr beim Zieleinlauf eine falsche Zeit anzeigte, will man sich nicht mehr leisten. "Das haben wir verbockt. Das wollen und werden wir besser machen", sagt Konrad. Konkret war das Problem aufgetreten, weil die Eliteläufer erst 17 Sekunden später als ursprünglich geplant ins Rennen geschickt werden konnten - die Zuschauer bei Gebrselassies Start wären ihnen sonst im Weg gestanden -, diese Verzögerung wurde aber bei der Anzeige auf dem Heldenplatz nicht berücksichtigt, weswegen zunächst Konfusion über die tatsächliche Siegerzeit herrschte.
Kapazitäts-Grenzen erreicht
Um solche Pannen in Zukunft zu vermeiden, wird auch die Organisation im kommenden Jahr auf eine breitere Basis gestellt, außerdem will man wieder verstärkt den klassischen Marathon ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken. Die Halbmarathon-Starts von Gebrselassie im Vorjahr und ihm und Radcliffe heuer haben zwar für weltweite Schlagzeilen gesorgt, "aber wenn man das zu oft macht, wirds zur Gewohnheit, dann ist es nichts Besonderes mehr", glaubt Konrad.
Generell müsse man sich nun überlegen, in welche Richtung man mit dem Wien-Marathon wolle, auch seitens der Stadt. Ein neuer Teilnehmerrekord könne nur verwirklicht werden, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern, erklärt Konrad. Da man die Straßen ja nicht verbreitern könne, gibt es nur die Möglichkeit, das Feld zu verlängern und in Blocks starten zu lassen. Das scheitert an den Sperrzeiten für die Straßen, die derzeit auf sechs Stunden begrenzt sind. Die Möglichkeit, die Kinderbewerbe auf Samstag vorzuverlegen, sei schon mit Stadtvertretern diskutiert, von diesen aber abgelehnt worden. "Aber wir werden das weiter forcieren", sagt Konrad. "Denn wir haben erkannt, dass wir an unsere Grenzen stoßen". Auch das war ein kleines "Aber".