Wien.

Fünf der acht Halbfinalisten der beiden europäischen Bewerbe sind spanische Klubs. Der FC Sevilla ist zwar schon im Play-off an Hannover gescheitert, und Villarreal versagte in der Champions League komplett, alle übrigen Mannschaften sind aber noch immer dabei. Und sie haben bis Dienstag (das Spiel Chelsea-Barcelona endete nach Redaktionsschluss) 41 Partien gewonnen und nur 13 verloren. Daheim ist die Bilanz makellos.
Klubs haben insgesamt 3,5 Milliarden Euro Schulden
Die spanische Dominanz ist geradezu unheimlich. PSV und Alkmar wurden in Valencia mit jeweils vier Gegentoren bedient, Halbfinal-Gegner Atlético hatte gegen Besiktas und Hannover keinerlei Probleme, und Bilbao gab Manchester United und danach Schalke Lehrstunden. Gut möglich, dass Europa im Mai zwei spanische Endspiele erleben wird. Es wäre eine Premiere. Noch nie hat ein Land den Europacup derart dominiert, zumal Spanien außerdem ja derzeit auch Welt- und Europameister ist.
Die spanische Fußballwelt wäre wahrlich zuckerlrosa, wenn da nicht diese tiefroten Zahlen wären, die die Vereine seit Jahren schreiben. Kumuliert beträgt der Schuldenstand der Profiklubs rund 3,5 Milliarden Euro, wovon allein ein Viertel Steuerschulden sind. Als jüngst das Gerücht aufkam, dass die spanische Regierung daran denke, den Vereinen ihre Steuerverbindlichkeiten zu erlassen, ging Uli Hoeneß ähnlich in die Luft wie beim 2:1.
"Da zahlen wir denen Hunderte von Millionen, damit sie aus der Scheiße kommen und dann sollen die Vereine die Schulden erlassen kriegen? Das kanns ja wohl nicht sein, das haut ja dem Fass den Boden raus", sagte der Bayern-Chef, wobei Spanien bisher natürlich keine Milliarden aus den Rettungstöpfen der EU bekommen hat. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden.
Die spanische Dominanz im europäischen Fußball lässt sich aber nicht einfach mit der Schuldenpolitik der Klubs erklären. Vielmehr leiden die Vereine selbst unter der Krise, insgesamt zwölf Klubs der ersten und zweiten Liga befinden sich in Konkursverfahren, bis auf Barcelona und Real müssen alle Vereine sparen. Aber vielleicht liegt gerade darin der Schlüssel.
Elf U21-Europameister im Halbfinale mit dabei
In den vergangenen Jahren war die englische Premier League noch die klare Nummer eins im Europacup, was angesichts der dort bewegten Summen logisch erscheint. Auch die spanischen Klubs machten beim Fernduell des Geldausgebens eifrig mit - allerdings bei weitaus geringeren Einnahmen. In diesem Duell waren sie chancenlos. Sieht man einmal von Real und Barcelona sowie vom FC Malaga ab, der aus Katar mit Geld gespeist wird, haben die spanischen Klubs in den vergangenen drei Jahren zusammen 118 Millionen Euro aus Transfergeschäften erlöst. Auch Valencia und Atlético, die einst Großausgeber waren, haben umgedacht.
Statt teurer Stars spielen nun wieder mehr Spanier. Scheinbar schadet das den Klubs aber nicht. Warum auch? Spanien ist ja nicht nur Welt- und Europameister, sondern wurde im Vorjahr auch U21-Europameister.
Unglaubliche elf von vierzehn Spielern, die im Finale die Schweiz mit 2:0 bezwangen, stehen nun im Europacup-Halbfinale, bei Barcelona, Chelsea, Bilbao, Atlético und auch Sporting Lissabon. Und sie spielen auch. Der Torhüter nicht. Es ist David de Gea, die Nummer eins von Manchester United. Wenn Uli Hoeneß wüsste, was da nachkommt, würde ihm mulmig werden.