Tscheljabinsk. Für die einen ist es die letzte Chance, sich für die Olympischen Spiele in London zu qualifizieren, für die anderen ein wichtiger Test. Österreichs Judoka gehen mit unterschiedlichen Vorgaben in die Europameisterschaften. Die beiden Aushängeschilder des Verbandes, Sabrina Filzmoser und Ludwig Paischer, stehen schon zum Auftakt am Donnerstag auf der Matte, und obwohl sie die Qualifikation für London schon fix in der Tasche haben, sagt Nationaltrainer Udo Quellmalz: "Beide sind solche Wettkampftypen, wenn sie starten, wollen sie nicht nur mitmachen."

Dass die bisherige Saison nicht ganz nach Wunsch verlaufen ist, dürfe man nicht überbewerten. "Sie sind so lange dabei, da kann man nicht zehn Stockerlplätze pro Saison erwarten. Wenn man so lange dabei ist, wird das Training nicht leichter, man muss sich immer wieder überwinden. Bei mir hat das auch funktioniert, ich bin am Ende meiner Karriere auch noch Olympiasieger geworden."
Knapp dran war Paischer ja auch schon einmal, vor vier Jahren gewann der Salzburger als amtierender Europameister Silber in Peking. Zuletzt aber hatte sich eine hartnäckige Formkrise bemerkbar gemacht, bei den beiden einzigen Turnieren, die er heuer bestritt, schied er jeweils früh aus. Dennoch sagt der zweifache Europameister und zehnfache Medaillengewinner bei Großereignissen, der in der Klasse bis 60 Kilogramm antritt: "Entweder ich kämpfe bei einer EM um eine Medaille, oder ich lasse es bleiben. Jeder Sieg ist wichtig, aber die EM ist ein Titelkampf, das ist in einem Lebenslauf nicht uninteressant." Durch den Modus nach Wegfallen der Trostrunde sei es aber schwieriger geworden. "Wenn du einen Fehler machst, bist du weg."
Filzmoser, die in der Klasse bis 57 Kilogramm ihren Titel verteidigt, macht sich bewusst keinen Druck. "Eine Medaille wäre natürlich super, aber die Olympia-Qualifikation habe ich ja schon." Vielmehr will sie nach ihrem im Herbst erlittenen Knöchelbruch jeden Wettkampf nützen, um für Olympia in Topform zu kommen. Die Marschroute dahin stimme, wie sie sagt. "Ich bin fit, mein Körper ist fit. Und auch mein Gefühl sagt mir, dass es wieder funktionieren kann. Aber ich werde nicht alles umschmeißen, wenn es nichts mit der Medaille wird. Ich vertraue auf meine Vorbereitung, es hängt nur von mir ab, ob ich das im Wettkampf abrufen kann."
Für Hilde Drexler, Peter Scharinger und Max Schirnhofer geht es dagegen noch um die letzte Chance auf die Tickets für London. Am aussichtsreichsten ist Drexler, die ihren Wettkampf in der Klasse bis 63 Kilogramm am Freitag bestreitet. Kann sie nach überstandenem Seitenbandriss im Knie, der ihr im Kampf um die Qualifikation einen Rückschlag beschert hat, ihren Vorjahrescoup, als sie Bronze gewann, wiederholen, wäre sie wohl in London dabei.