Herning. (man) Es kann eigentlich nur besser werden. Unter diesen Vorzeichen startet am Samstag (15.30 Uhr/live Eurosport) der 95. Giro dItalia mit dem Prolog in der dänischen Stadt Herning. Das klingt nach dem vermeintlich spektakulärsten Giro aller Zeiten, unter welchen Vorzeichen die Italien-Rundfahrt vor einem Jahr ins Rennen ging, wenig erbaulich. Es sorgt aber für realistischere Erwartungen an die erste der großen Landesrundfahrten.
Nachdem Alberto Contador sein letztjähriger Sieg vom internationalen Sportgerichtshof wegen Dopings aberkannt wurde, geht die Rundfahrt ohne Titelverteidiger in Szene, hat aber auch sonst viel gutzumachen. Denn Contadors Triumph ging vor einem Jahr weitgehend in Sicherheitsdiskussionen wegen gefährlicher Streckenführung unter, die zur Streichung einer Abfahrt führten und im Unfalltod des Belgiers Wouter Weylandt ihre tragische Bestätigung fanden.
Zumindest ihren Titelverteidiger will sich die Giro-Führung aber nicht so einfach wegnehmen lassen. "Wenn man einen Rechtsstreit verliert, kann es sein, dass das sportliche Ergebnis aberkannt wird. Im Rennen war Contador der Stärkste. Er ist großartig gefahren und daher ist er für uns auch der Sieger", sagt der Renndirektor Michele Acquarone zur deutschen Nachrichtenagentur "dapd".
Die Streckenführung wurde dagegen deutlich entschärft. Nachdem die vergangene Ausgabe nur so gespickt mit langen Etappen und Bergankünften war, geht es in diesem Jahr erst in der letzten Woche ins Hochgebirge. "Der letzte Giro war auch für die Top-Fahrer zu anstrengend", erklärt Acquarone, "doch der Giro ist immer ein schwieriges Rennen, er braucht nicht extra schwierig zu werden, um interessant zu sein." So wurde der Etappenplan heuer so gelegt, dass die Entscheidung erst in den letzten Tagen fallen soll.
Die heißesten Sieganwärter sind die Italiener Michele Scarponi, der den letztjährigen Sieg von Contador erbte, Damiano Cunego und Ivan Basso. Auch der Tscheche Roman Kreuziger und der Luxemburger Fränk Schleck zählen zum Favoritenkreis. Aus Österreich geht die Rekordzahl von fünf Startern ins Rennen, um den Gesamtsieg wird wohl niemand mitfahren können. In der Gesamtwertung hätte Thomas Rohregger die größten Chancen, er ist mit Knöchelproblemen nach einem Treppensturz zu Wochenbeginn aber leicht angeschlagen. Im Radioshack-Team soll er Mitfavorit Schleck vor allem in den Bergen helfen. Auch Österreichs Nummer eins, Bernhard Eisel, ist am Start. Er führt das Sky-Team als Kapitän an und soll Sprintstar Mark Cavendish auf den flachen Abschnitten zu Etappensiegen verhelfen. Stefan Denifl im Team Vacansoleil und Daniel Schorn vom deutschen NetApp-Team geben ihr Giro-Debüt. Schorn ist ein Sprint-Spezialist, Denifl wird sich als Allrounder auf einzelne Etappen konzentrieren. Auch Schorns Teamkollege Matthias Brändle wird sich - aufgrund seiner Qualitäten eher in den Bergen - auf Einzeletappen konzentrieren.