Atzenbrugg. "Es ist höchste Zeit", findet Markus Brier. Höchste Zeit für ihn selbst, nach sechs verpassten Cuts wieder einmal zur Form zu finden, und höchste Zeit, dass der Sieg bei den Austrian Golf Open an einen Österreicher geht. Brier hat das bisher als Einziger geschafft, der letzte seiner insgesamt drei Siege beim Heimturnier datiert aber auch schon aus dem Jahr 2006 und wurde noch auf einem anderen Platz geholt. Der Wiener war als erster Österreicher auf der European Tour auch so etwas wie ein Pionier in Sachen rot-weiß-roter Golfsport. In seinem Sog entwickelten sich Martin Wiegele und Bernd Wiesberger zu Spitzenspielern, auch aus dem Amateurbereich gab es in den vergangenen eineinhalb Jahren durchaus positive Meldungen.

Während Wiegele wegen zweier Hüftoperationen diesmal nicht am Heimturnier, das am Mittwoch im Diamond Country Club von Atzenbrugg im Tullnerfeld beginnt, teilnehmen kann, wird vor allem von Wiesberger einiges erwartet. Der 26-jährige Burgenländer, der im Vorjahr schon Fünfter war, schaffte heuer mit seinem Premierensieg in Südkorea den Durchbruch und schlägt sich bei dem mit einer Million Euro dotierten Turnier für das Bridgestone International in Ohio auf der US-Tour ein.
Gastspiel von Kafelnikow
Nach der verpassten Qualifikation für die British Open in der Vorwoche nützte er die freien Tage zu einer Proberunde auf dem Platz, der heuer zum dritten Mal bespielt wird. "Die Grüns sind nach dem vielen Regen etwas weich, aber für mich als Longhitter sollte das kein Nachteil sein", sagt er. Die Daumen hält auch Veteran Brier. Es sei vor allem wichtig, dass "ein Österreicher vorne mitspielt, egal wer. Das hebt die Stimmung und macht das Turnier auch für Nicht-Golfer interessanter", sagt er. Die Konkurrenz ist freilich hart, erste Sieganwärter sind der Franzose Thomas Levet, sechsfacher Sieger auf der European Tour, sowie der 22-jährige Däne Thorbjørn Olesen, der im April in Sizilien gewonnen und zuletzt die British Open als Neunter beendet hat.
Von der Verpflichtung alternder Ex-Stars hat man diesmal im Gegensatz zur Vergangenheit bewusst abgesehen, auf prominente Namen müssen die Zuschauer im Diamond Country Club allerdings auch heuer nicht verzichten. So wurde der Russe Jewgenij Kafelnikow, der Ende der 90er Jahre Nummer eins der Tennis-Weltrangliste war und nach seinem Rücktritt im Jahr 2003 vor allem dem Poker und dem Golfsport frönte, mit einer Einladung ausgestattet. Im Spitzenfeld wird er freilich nicht erwartet. Aber dort sollen ohnehin die Österreicher für Stimmung und einen Publikumsansturm sorgen. "Es ist höchste Zeit", würde Markus Brier sagen.