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Update: 27.07.2012, 10:01 Uhr
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London versucht sich als würdige Olympia-Austragungsstätte zu präsentieren

Die Welt zu Gast - bei sich selbst


Von WZ-Korrespondent Peter Nonnenmacher

  • Großbritanniens Hauptstadt hat sich für die Spiele herausgeputzt - nicht zur Freude aller.

London ist bereit für die Spiele. So ruhig wie hier an der Themse wird es dabei nicht zugehen. - APAweb/epa/Rainer Jensen

London ist bereit für die Spiele. So ruhig wie hier an der Themse wird es dabei nicht zugehen. APAweb/epa/Rainer Jensen

London. Noch ist ja gar kein Porzellan zu Bruch gegangen. Noch haben sich die düsteren Voraussagen nicht erfüllt. Rissige Viadukte sind in letzter Minute repariert, 300 zusätzliche Grenzbeamte für den Flughafen London-Heathrow abgestellt worden. Truppennachschub in tausendfacher Stärke ist aufgezogen, damit Londons Olympische Spiele, die heute, Freitag, um 22 Uhr (MESZ) eröffnet werden, reibungslos über die Bühne gehen können.

Sogar der Sommer ist in dieser Woche endlich eingetroffen. Nach monatelangen Regengüssen präsentiert sich die Stadt an der Themse sonnig und aufgeräumt. Die Sorge, dass am Ende doch noch etwas schiefgehen könnte, hält sich zwar hartnäckig in Londoner Hinterköpfen. Aber auch Skeptiker haben sich jetzt, nach all den Querelen der vergangenen sieben Jahre, Schweigen auferlegt. Als Spielverderber mag ja keiner gelten. "London 2012" ist da. Die Spiele können beginnen.

Man müsse "endlich mit dem Gebrummel aufhören", hat Bürgermeister Boris Johnson erklärt. Warum sollte die britische Metropole ihren Gästen und den Sportbegeisterten in aller Welt nicht ein vorzügliches Spektakel bieten? Kürzlich, beim diamantenen Jubiläum der Königin, lief ja auch alles wie am Schnürchen. Auf Zeremonien, Staatsakte und spannende Fernsehübertragungen versteht man sich auf der Insel. Und auf Krisenmanagement auch.

Und wenn in Paris oder New York über Organisationsmängel in London gelästert wird, weiß man ja, was man davon zu halten hat. Waren nicht beide Großstadt-Rivalinnen den Briten 2005 bei der Bewerbung um die Spiele unterlegen? Nicht viel anders werden Mitt Romneys jüngste Aussagen, wonach London aufgrund der Sicherheitsdebatte sowie der angedrohten Streiks nicht bereit für die Spiele sei, bewertet. Immerhin prahlt der US-Präsidentschaftskandidat bei jeder Gelegenheit damit, die Winterspiele 2002 in Salt Lake City gerettet zu haben.

Davon, dass es einiges mehr zu bieten hat als andere Städte, ist London übrigens schon immer überzeugt gewesen. Seine reiche Geschichte, seine urbane Vielfalt und vor allem die magischen Kräfte der City - seiner Geldvermehrungszauberkiste - tragen zu diesem Selbstgefühl wesentlich bei.

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Stadt im Wandel
Als Finanzplatz Nummer eins in der Welt hat sich London seit langem begriffen. Um diesen Platz zu verteidigen, ist die Themsestadt zu fast allem bereit. Mit ihrem ethnischen Gemenge steht sie außerdem diesseits des Atlantiks ziemlich einsam da. Ein Drittel der Londoner ist gar nicht in London geboren. Bis heute hat sich kein Austragungsort Olympischer Spiele rühmen können, in den eigenen Mauern ebensoviele Kulturen und Nationalitäten zu beherbergen, wie sie die teilnehmenden Sportnationen auf die Beine bringen. In London ist die Welt, so gesehen, bei sich selbst zu Gast.

Und haben Touristen aus allen Ländern London nicht schon immer zu schätzen gewusst? Mit seinen Royals, seinen Pubs, seinen Parks, seinem historischen Erbe, all seinen Eigentümlichkeiten? Mögen auch viele Pubs mittlerweile im Sterben liegen. Mag sich das Königshaus immer mehr in eine Seifenoper verwandelt haben. Der Reiz hält an. Reminiszenzen und liebevolle Inszenierungen mildern das Gefühl des Verlustes. Neue Angebote an Kunst und innovativer Architektur gleichen manches aus. Einen Trip an die Themse ist das noch immer wert.

Anderseits haben viele Eingeborene, die London lieben, ihre Stadt in jüngsten Jahren auf ungute Weise verändert gefunden. "Von einem leicht verwahrlosten, liebenswert-schäbigen Ort" hat London sich, dem Autor Harry Mount zufolge, "in eine glatte, gleißende, vergoldete Metropolis" verwandelt. "Regelrechte Wogen internationalen Geldes sind über unsere Stadt hereingestürzt", meint Mount. "Sie haben die Vergangenheit einfach weggeschwemmt. Und haben Londons beste Ressourcen für die meisten Londoner unerreichbar gemacht."

Globales Kapital hat sich in der Metropolis festgesetzt, hat Hauspreise hochgetrieben, die Mittellosen ins Abseits abgedrängt. Jedes zweite Wohnhaus in London im Wert von mehr als 1 Million Pfund (1,3 Millionen Euro) wird heute von einem Ausländer mit tiefen Taschen aufgeschnappt. Araber, Russen, Osteuropäer, wohlhabende Griechen suchen ihr Geld im als vergleichsweise sicher geltenden London anzulegen. Politische Stabilität, gemäßigtes Klima, Weltsprache, Steuervorteile, käufliche Top-Bildung sind Teil der Attraktion. London, so vermeldete jüngst ein Bericht in der "Financial Times", sei zu einer "Investment-Lagune in einer von ökonomischen und politischen Stürmen bedrängten Welt" geworden.

Große soziale Kluft
Derweil bekommen junge Londoner, die ihre erste eigene Behausung suchen, schon keinen Fuß mehr auf die Hypotheken-Leiter. Und Einschnitte beim staatlichen Wohngeld haben dafür gesorgt, dass viele Wohlfahrtsempfänger sich keine Mieten in der Stadt mehr leisten können. Mehrere Londoner Gemeinden haben ihren Bedürftigen bereits bedeutet, dass sie gefälligst nach Nordengland, in billigere Quartiere, abhauen sollen - auch solche, die seit Ewigkeiten in London gelebt und dort Familie, Freunde, ihr ganzes soziales Umfeld haben.






Schlagwörter

London 2012, Olympia

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-26 17:38:09
Letzte Änderung am 2012-07-27 10:01:33


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