• vom 10.08.2012, 21:00 Uhr

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Das Turmspringen mit Tom Daley wird für die Briten der letzte Höhepunkt der Spiele

Der Herr der Saltos


Von Simon Rosner

  • Mit seinen 18 Jahren ist Daley schon Weltmeister, Buchautor und Idol.

Tom Daley war der erste Sprung ins Olympiabecken vorbehalten, er will auch den letzten machen. - © AFP

Tom Daley war der erste Sprung ins Olympiabecken vorbehalten, er will auch den letzten machen. © AFP

London. Das Buch umfasst 288 Seiten. Es heißt "My Story" und ist die Autobiografie des britischen Wasserspringers Tom Daley. Rechtzeitig vor den Olympischen Spielen, im Mai, ist das Buch erschienen. Am Ende einer Karriere lassen sich Sportler gerne in Buchform verewigen, das ist nichts Besonderes. Doch Daley ist erst 18 Jahre alt. Da hat man die Karriere noch vor sich.

Doch Thomas Robert Daley hat eben schon viel zu erzählen, viel erlebt. London 2012 sind bereits seine zweiten Spiele, vor vier Jahren war er in Peking dabei und erreichte im Einzelbewerb vom 10-Meter-Turm Rang sieben. Nicht schlecht für eine olympische Premiere. Und jedem war klar, dass dieser Knirps, der er damals war, in vier Jahren eine der Goldhoffnungen der Briten sein wird, vielleicht sogar ein Star, denn nach seinem Auftritt in Peking regnete es Anfragen von Journalisten und Sponsoren.

In einem Sport, in dem Großbritannien kaum Tradition hat, tauchte plötzlich eine Verheißung auf, ein hochbegabtes Kind, das es irgendwann mit den dominierenden Chinesen alleine aufnehmen könnte. Und irgendwann war schon ein Jahr später. Mit nur 15 Jahren war Tom Daley Weltmeister. Die Favoriten zeigten Sprünge mit Schwierigkeitsgraden, die Daley noch nicht im Programm hatte, doch sie machten Fehler. Daley dagegen zeigte Perfektion. Neunmal erhielt er die Traumnote 10.

Seit diesem Titel ist der junge Brite endgültig zu einer öffentlichen Person geworden. Die BBC berichtet regelmäßig über sein Leben, sein Heranwachsen und über die familiäre Tragödie, als bei Daleys Vater ein bösartiger Gehirntumor wiederkehrte.

Der interessierten Öffentlichkeit bot Daley das ganze Programm. Große Siege, wie jene bei den Commonwealth Games im Jahr 2010, Konflikte und schließlich die Trennung von seinem ehemaligen Sprungpartner im Synchronbewerb, Blake Aldridge. Daley erschien mit Model Kate Moss auf dem Cover der "Vogue", dazwischen schloss er die Schule mit Bestnoten ab, und vor einem Jahr markierte ein Sprung von ihm im neuen Aquatics Center den Startschuss zum Countdown für die Spiele. Das Fernsehen war wieder live dabei.

Wer allgegenwärtig ist und so viel von sich preisgibt, dem widerfährt nicht nur Wertschätzung. So manchen Briten ging die Überdosis Daley auf die Nerven, und selbst in seinem unmittelbaren Umfeld, in der Schule, war der Turmspringer bald ein Außenseiter, der sich massivem Mobbing durch Mitschüler ausgesetzt sah. Daley hielt es aus, er hatte Größeres im Sinn: Olympia. "Das war immer ein Traum von mir und meinem Vater, seit ich noch sehr jung war", sagte Daley. Sein Vater war sein Förderer, engster Betreuer und Manager. Robert Daley ordnete alles der Karriere seines Sohnes unter, vielleicht auch seine Gesundheit. Vor einem Jahr erlag Daleys Vater dem Krebs.

Enttäuschung zum Auftakt
Als Tom Daley bei seinem ersten Auftritt in London, gleich zu Beginn der Spiele, mit seinem neuen Partner Peter Waterfield im Synchronbewerb nach drei Sprüngen auf Platz eins lag, sah es schon nach einem idealen Start für die Briten aus. Doch nach dem vierten Sprung stieg Waterfield aus dem Wasser, drehte sich zu Daley und sagte nur: "Sorry." Und der antwortete: "Ebenfalls." Beide hatten ihren Sprung verhaut, am Ende wurden sie Vierte.

Der Enttäuschung folgte die Häme, die derart exponierte Athleten nun einmal auf sich ziehen. Via Twitter - als öffentliche Person ist Daley natürlich auch auf der Social-Media-Plattform sehr aktiv - teilte ihm ein Zuschauer mit, dass er "seinen Vater enttäuscht habe". Ein medialer Aufschrei war die Folge, der Absender, ein 17-Jähriger, wurde ausgeforscht und vorübergehend sogar festgenommen.

Obwohl es erst am fünften Wettkampftag den ersten Olympiasieg für das Gastgeberland gab, liegt Großbritannien seither im Goldrausch. Das Finale im Turmspringen am späten Samstagabend wird für die Briten der große Abschluss sein, vielleicht sogar die letzte Goldchance. Allein von diesen paar Tagen seit seinem Olympiastart wird Daley ein zweites Buch schreiben können. Der Titel des Werkes wird sich am Samstag entscheiden.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-10 15:23:09
Letzte Änderung am 2012-08-10 16:36:54


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