New York. (rie) Zuletzt lief es so prächtig für Roger Federer. Die 31-jährige Tennis-Allzeitgröße gewann heuer in Wimbledon, holte Silber bei den Olympischen Spielen und eroberte die Nummer-eins-Position in der Weltrangliste zurück. Kein Wunder, dass der Schweizer auch der erste Anwärter auf den Titel beim letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres, den US Open, war. Doch schon im Viertelfinale kam der Dämpfer. Federer musste sich Tomas Berdych in vier Sätzen geschlagen geben. Der Tscheche bekommt es im Halbfinale mit dem Briten Andy Murray zu tun.
Berdych war über lange Zeit des Matches der bessere Spieler. Federer riskierte viel, agierte dabei aber zu fehlerhaft, fabrizierte satte 40 Fehler ohne Not. Mit einer 2:0-Satzführung und einem Break Vorsprung im dritten Durchgang schien Berdychs Erfolg schon so gut wie sicher, doch Federer kämpfte sich noch einmal zurück, gewann den dritten Satz. Die erfolgreiche Wende, wie sie dem Schweizer nach 0:2-Satzrückstand schon achtmal in seiner Karriere gelang - einmal auch gegen Berdych (bei den Australian Open 2009) - schien möglich. Doch der Tscheche schaffte unvermutet das Break zum 5:3 im vierten Durchgang, zu einem Zeitpunkt als das Momentum auf Seiten Federers zu sein schien, und gab sich dann bei eigenem Aufschlag keine Blöße mehr. Nach 2 Stunden 42 Minuten war der 7:6 (1), 6:4, 3:6, 6:3-Erfolg perfekt. "Es gibt keinen besseren Moment als diesen", sagte die Nummer sechs des Turniers nach ihrem erstmaligen Halbfinal-Einzug in Flushing Meadows.
Federer hingegen verpasste erstmals nach neun Jahren wieder das Semifinale bei den US Open und musste sich nach 23 Siegen unter Flutlicht erstmals in der Night Session in New York geschlagen geben. Entsprechend enttäuscht gab sich der 17-fache Grand-Slam-Titelträger: "In so vielen Momenten habe ich mir gedacht, 'Mensch, es läuft einfach nicht für mich'. Es war ein sehr enttäuschendes Match."
Murray dreht Match gegen Cilic
Mit dem Rücken zur Wand stand auch Olympiasieger Andy Murray in seiner Viertelfinal-Partie. Des Schotten Comeback nach 3:6, 1:5-Rückstand gegen den Kroaten Marin Cilic fiel allerdings erfolgreich aus. Am Ende setzte er sich noch deutlich mit 3:6, 7:6 (4), 6:2, 6:0 durch. Murrays Chancen auf seinen ersten Grand-Slam-Titel haben sich nach dem Federer-Aus gegen Berdych, auf den er nun trifft, wohl erhöht.
Erst ihre Achtelfinal-Partien zu Ende spielen mussten Novak Djokovic, Janko Tipsarevic und Juan Martin del Potro. Sie taten dies erfolgreich. Der Schweizer Stanislas Wawrinka musste beim Stand von 4:6, 1:6, 1:3 gegen Djokovic aufgeben. Tipsarevic hielt den Deutschen Philipp Kohlschreiber mit 6:3, 7:6 (5), 6:2 in Schach. Und Del Potro beendete die Karriere von US-Boy Andy Roddick mit 6:7 (1), 7:6 (4), 6:2, 6:4. Roddick hatte erst vergangene Woche bekanntgegeben, dass er seinen Tennisschläger nach dem Turnier an den Nagel hängen werde.
Favoritensiege gab es bei den Damen. Maria Scharapowa bezwang die Französin Marion Bartoli nach hartem Kampf mit 3:6, 6:3, 6:4. Die Russin bekommt es im Semifinale mit der weißrussischen Weltranglisten-Ersten Viktoria Asarenka, am Vortag Siegerin über Titelverteidigerin Samantha Stosur, zu tun.
Serena Williams hatte kein Mühe, Ana Ivanovic mit 6:1, 6:3 besiegen. Die US-Amerikanerin, die in New York ihren 15. Major-Titel anstrebt, trifft in der Vorschlussrunde auf Sara Errani, die sich mit 6:2, 6:4 gegen ihre italienische Landsfrau Roberta Vinci durchsetzte.