• vom 01.10.2012, 16:23 Uhr

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Update: 02.10.2012, 13:16 Uhr
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Europas Golfer gewinnen Ryder Cup nach historischer Aufholjagd

Gegen jede Undenkbarkeit



  • USA verlieren nach 10:6 - obwohl George Bush nur Zuschauer war.

Medinah. (art) Gene Wojciechowski ist nicht unbedingt ein Name, den man sich leicht merkt. Doch seit Sonntag hat es Wojciechowski zu beträchtlicher Berühmtheit geschafft. Der Mann arbeitet als Journalist beim Internet-Portal des amerikanischen Sportsenders espn.com und coverte die vergangenen Tage den Golf-Ryder-Cup in Medinah. Am Samstag noch verfasste er einen Blog über die Chancen Europas, den prestigeträchtigen Kontinentalvergleich mit den USA noch zu gewinnen. Die seien durchaus intakt, schrieb er - wenn etwa US-Golfer Keegan Bradley entführt würde oder dessen Kapitän Davis Love anstelle der besten Golfer, die die USA zu bieten haben, die Zuschauer Michael Jordan oder Ex-Präsident George Bush aufstellen würde. Man kann Wojciechowskis Sarkasmus ja auch irgendwie verstehen: Die Europäer hatten vor dem Schlusstag wie die Schatten ihrer selbst gewirkt, lagen am Samstag schon mit 6:10 zurück. Wie sollte man eine Aufholjagd, die mit der erfolgreichen Titelverteidigung einhergehen würde, unter diesen Umständen auch für möglich halten?

Die Niederlage vor Augen entrissen die Europäer (hier Ian Poulter) den USA den sicher scheinenden Ryder-Cup-Sieg.

Die Niederlage vor Augen entrissen die Europäer (hier Ian Poulter) den USA den sicher scheinenden Ryder-Cup-Sieg.© REUTERS Die Niederlage vor Augen entrissen die Europäer (hier Ian Poulter) den USA den sicher scheinenden Ryder-Cup-Sieg.© REUTERS

Es war möglich. Nach einer sensationellen Aufholjagd sorgte Martin Kaymer schließlich für den entscheidenden 14. Punkt, am Ende hieß es 14,5:13,5 für das europäische Team, das sich danach freudentaumelnd in die Arme fiel, während bei den Amerikanern Fassungslosigkeit regierte. "Ich kann noch gar nichts dazu sagen. Wir sind alle sprachlos", meinte etwa Kapitän Davis Love III. "Es ist ein echter Schock für uns." Man kann auch die Gefühle Loves nachvollziehen. In der langen Geschichte des Ryder Cups, der seit 1927 alle zwei Jahre vergeben wird, hat erst einmal eine Mannschaft einen Vier-Punkte-Rückstand am Schlusstag noch in einen Sieg umgewandelt, 1999 war das dem US-Team gelungen. Dieses Ereignis diente auch den Europäern diesmal als Strohhalm, wenn man schon nicht davon ausgehen konnte, dass die von Wojciechowski beschriebenen Dinge eintreten würden. "Es ist schon einmal passiert. Es kann wieder passieren", sagte Poulter vor der letzten Runde. "Das ist alles, worauf wir hoffen können." Der Engländer war mit Siegen in allen Partien die prägende Partie dieses Ryder Cups. Doch auch Kaymer durfte sich feiern lassen. "Das sind Gefühle, wie ich sie noch nie erlebt habe", stammelte der 27-Jährige.

Dass ausgerechnet er den Sieg fixierte, ist nur eine weitere Randnote dieses historischen Erfolgs. War der Deutsche im vergangenen Jahr noch als zwischenzeitlicher Weltranglistenerster gefeiert worden, war seine bisherige Saison eher durchwachsen. Entsprechend groß war das Fragezeichen hinter seinem aktuellen Leistungsvermögen - auch bei ihm selbst, wie er danach zugab. "Ich war extrem nervös auf den letzten Löchern. Aber jetzt weiß ich, wie es sich anfühlt, den Ryder Cup zu gewinnen. Es ist einfach das Größte."

Drehbuch à la Ballesteros
Und für die Europäer, die in den vergangenen Jahrzehnten ohnehin gehörig aufgeholt haben auf die einstigen Allesgewinner aus den USA, war es diesmal vielleicht noch ein bisschen spezieller. Das Turnier stand für die Mannschaft von Kapitän José Maria Olazabál unter dem Motto "Gedenken an Seve Ballesteros". Der Spanier, der dem Spiel eine noch nie dagewesene Ästhetik verliehen hatte und als Pionier des europäischen Aufstiegs gilt, ist im Vorjahr an Krebs verstorben, um seiner würdig zu gedenken, hatten sich die Europäer ein Bild von ihm auf die Taschen drucken lassen. Die Schlussrunde absolvierten sie in weißen Shirts und blauen Hosen - so wie Ballesteros sich für seine Schlussrunden zu kleiden pflegte. Er sei während des gesamten Turniers präsent gewesen, meinte Olazabál. Und Graeme McDowell meinte: "Wenn Seve das Drehbuch für diesen Ryder Cup geschrieben hätte, hätte es genau so ausgesehen."

Es war eine Inszenierung, wie sie niemand hatte für möglich gehalten - und wie sie letztlich auch Gene Wojciechowski imponierte. Am Tag nach seinem Schmäh-Blog waren nur wenige, dafür aber prägnante Worte auf seinem Twitter-Account zu lesen: "Congrats to Team Europe. Wow."




Schlagwörter

Ryder Cup, Golf

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-01 16:29:08
Letzte Änderung am 2012-10-02 13:16:37


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