Graz/Innsbruck/Wien.

"PR-Erfolg schon erreicht"
So sieht es zumindest Graz-Präsident Jochen Pildner-Steinburg: "Es wird weder ein riesiges Geschäft für uns, noch gibt es ein großes Risiko. Diese Verbindung ist für beide Seiten von Nutzen." Nachsatz: "Wenn alles gut läuft, können wir durchaus einen wirtschaftlichen Erfolg erzielen. Einen PR-Erfolg haben wir ja schon erreicht."
Der Coup mit dem 28-jährigen Sabres-Stürmer hat dem derzeitigen Liga-Vierten tatsächlich schon einen kräftigen Impuls beschert, noch bevor Vanek überhaupt das Eis betreten hat. "Für die nächsten drei Heimspiele ist das Stadion bereits ausverkauft. Auch das Merchandising läuft hervorragend. Und da wir mit Vanek eine Vereinbarung getroffen haben, haben wir auch die Möglichkeit, zu verdienen", berichtet der Graz-Präsident. So laufe vor allem der Verkauf des 20er-Leiberls - mit dieser Rückennummer spielte Vanek in seiner Grazer Jugendzeit - "wie geschmiert": "Wir haben schon Hunderte Bestellungen. Ein Leiberl kostet rund 75Euro", so Pildner-Steinburg.
Auf der anderen Seite würden die Aufwendungen für Vanek von einem privaten Sponsor getragen; sein Salär wiederum sei durch seine private Gehaltsversicherung gedeckt; verletzt sich der Buffalo-Crack, kommt eine von Graz bezahlte Versicherung auf. Schlafen soll Vanek, der heute, Donnerstag, bei seinem Sponsor Jerich International in Gleisdorf vorgestellt werden soll, bei seinen Eltern, die in der steirischen Landeshauptstadt wohnen.
"Natürlich ist es schön, in seiner Heimatstadt während des Lockouts Eishockey zu spielen. Der Verein hat sich in den letzten beiden Jahren sehr gut stabilisiert und geht den richtigen Weg. Ich möchte helfen, dass Graz wieder zur Hockeytown wird", sagte Vanek jüngst laut seiner Homepage.
Pildner-Steinburg erwartet durch den prominenten Gastspieler aber auch einen nachhaltigen Effekt für die Jugend - unter den 300 zu betreuenden Grazer Hockeyspielern sei durch Vaneks Verpflichtung schon "ein richtiger Hype" ausgebrochen. "Es könnte einen wesentlichen Impuls für das Grazer, aber auch für das gesamte österreichische Eishockey geben", sagt der Graz-Präsident.
Der größer wird, je länger Vanek in seiner alten Heimat aufläuft: Zum einen gibt es eine Ausstiegsklausel, falls die NHL wider Erwarten vor dem 4. November angepfiffen wird; zum anderen wurde vereinbart, dass Vanek bei einem längeren Lockout den Grazern weiter zur Verfügung steht. Über Meldungen von Liga-Konkurrent Vienna Capitals, wonach Vanek dort das Mannschaftsgefüge gesprengt hätte, kann Pildner-Steinburg nur lachen. "Vanek will bei uns Mannschafts-dienlich spielen und keinesfalls den großen Star heraushängen." Die Capitals haben übrigens mit Edmonton-Oilers-Verteidiger Corey Potter ebenso einen NHL-Profi verpflichtet.
Vorrang für NHL-Österreicher
Ein solch "gewöhnlicher" NHL-Profi wäre für Innsbruck nicht in Frage gekommen - wenn, dann sollte es ein Österreicher sein. "Jeder normale Spieler wäre gegenüber einem Andreas Nödl schlicht untergegangen. Denn es gibt eben nur drei NHL-Spieler aus Österreich", berichtet Innsbruck-Sprecher Robert Lercher. So ist dem Tabellenletzten im Sog des Vanek-Coups ebenfalls ein PR-Erfolg gelungen, der sich laut Lercher schon positiv bemerkbar mache. "Mit der Nachricht seiner Verpflichtung ist ein Schub durch die Mannschaft gegangen." Und auch die Jugend soll - nicht zuletzt durch gemeinsame Trainings mit dem 25-jährigen Hurricanes-Stürmer - beflügelt werden.
Wie in Graz soll der Verkauf des 29er-Trikots von Nödl Geld in den Kassen spülen, auch der Kartenverkauf für die vier Heimspiele mit dem NHL-Crack habe "einen Turbo" hingelegt, so Lercher. Kosten fallen für die Haie keine an, diese würden ausschließlich von Vereinssponsor "Kaltschmid Hotels" getragen.
Am Sonntag (17.30 Uhr Servus TV) kommt es bereits zum ersten Duell der beiden NHL-Spieler in der alten Heimat, wenn die 99ers die Haie empfangen.