Wien. "Ich freue mich darauf, dass es nächstes Jahr besser wird", sagt Jürgen Melzer. Eh, würden manche sagen: Viel schlechter kanns ja nicht mehr werden. Mit der Achtelfinal-Niederlage gegen den Luxemburger Gilles Muller in Wien, womit erstmals nach 2004 sein erstes Match in der Stadthalle auch gleichzeitig sein letztes war, hat sich Österreichs Nummer eins gedanklich von der Saison 2012 verabschiedet und den Countdown für das kommende Jahr begonnen. Zwar spielt er in den kommenden Wochen noch die Turniere in Valencia und Paris, nach zwei Wochen Urlaub beginnt aber die Vorbereitung auf 2013.

"Ich werde noch einmal einen vollen Aufbau hinlegen", sagt der Niederösterreicher, der bis zu den Australian Open wieder Fünfsatzreife erlangen will. "Nicht für ein Match, sondern für zwei-, dreimal hintereinander", wie er sagt. Denn die mangelnde Konstanz sei momentan, auch resultierend aus gesundheitlichen Rückschlägen, sein größtes Problem. "An einzelnen Tagen kann ich oben mitspielen, für mehr brauche ich aber noch eine Basis. Die will ich mir jetzt erarbeiten."
Sowohl bei den French Open, zu denen er allerdings gesundheitlich angeschlagen gereist war, als auch in Wimbledon und bei den US Open ist er zum Auftakt in fünf Sätzen gegen bezwingbare Gegner ausgeschieden. Vor allem an der unnötigen Niederlage gegen den weitgehend unbekannten Qualifikanten Bradley Klahn in New York hatte Melzer lange zu knabbern. "So eine Leistung ist zu kritisieren", sagt er.
Kaum Punkte zu verteidigen
Überhaupt geht er mittlerweile mit Kritik anders um als früher, als er des Öfteren gereizt reagierte. Er verstehe, dass die Erwartungshaltung hoch ist - "und wenn ich es dann nicht bringe, ist es von außen aus auch egal, warum". Was ihn allerdings stört, sei, wenn ihm mangelnder Einsatz und mangelnde Trainingsbereitschaft nachgesagt werde. "Wie viele Leute haben mich denn schon trainieren gesehen?", sagt er. "Ich arbeite wirklich hart."
An der Umsetzung im Spiel hapert es allerdings derzeit, vor allem in engen Partien werden mitunter die falschen Entscheidungen getroffen, weil die Automatismen derzeit nicht so reibungslos funktionieren wie etwa in seinem Traumjahr 2010, als er bei den French Open ins Halbfinale und im Frühjahr darauf in der Weltrangliste auf Platz acht vorgestoßen ist.
Andererseits glaubt er weiterhin, das Potenzial zu haben, um wieder auf diesem Niveau spielen zu können. Eine konkrete Weltranglistenplatzierung nennt Melzer, aktuell die Nummer 37, nicht als Ziel. "Aber ich weiß, dass ich noch genügend gutes Tennis und Siege in mir habe", sagt er.
Und wenn die kommen, ist auch in der Weltrangliste noch Luft nach oben: Abgesehen von jenen Punkten in Memphis, als er trotz eines Zehenbruchs überraschend den Turniersieg und gleichzeitig den größten Erfolg seiner Karriere feierte, hat der 31-Jährige im kommenden halben Jahr kaum Punkte zu verteidigen. Es kann also tatsächlich noch besser werden.