• vom 06.05.2010, 18:58 Uhr

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Update: 06.05.2010, 18:59 Uhr
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Verschwundene Millionen



  • ÖOC-Affäre: 4,5 Millionen für private Zwecke.
  • Abschlussbericht wurde präsentiert.
  • Wien. (sir) Wie passt ein Rasentraktor zu Olympischen Spielen? Wie das Fein tuning eines Porsches? Die Anschaffung eines VW Busses in der Luxusausführung? Oder auch ein riesiges Werkzeug-Set im Wert von mehr als 12.000 Euro?

Karl Stoss zur Olympia-Affäre: "Ich bin wütend und entsetzt." Foto: apa/Fohrunger

Karl Stoss zur Olympia-Affäre: "Ich bin wütend und entsetzt." Foto: apa/Fohrunger Karl Stoss zur Olympia-Affäre: "Ich bin wütend und entsetzt." Foto: apa/Fohrunger

Die Vermutung ist also naheliegend, dass in der Vergangenheit enorme, dem Österreichischen Olympischen Comité (ÖOC) zustehende Summen von Personen, die jahrelang im Zeichen der fünf Ringe gearbeitet haben, zweckwidrig verwendet worden sind. "Der Sport ist mit Füßen getreten worden. Ich bin wütend und wirklich entsetzt", sagt Karl Stoss, der im Oktober zum Präsidenten des ÖOC gekürt worden war.

Der Casinos-Chef war es auch, der eine externe Untersuchungskommission damit beauftragt hat, die Finanzen zwischen 2003 und 2009 zu prüfen. Obwohl Belege in Österreich sieben Jahre lang archiviert werden müssen, gestaltete sich die Arbeit der Kommission unter Universitätsprofessor Franz Marhold schwierig. Zum großen Teil fehlten die Rechnungen.

"Es war detektivische Kleinarbeit", erzählt Stoss. Fünf Monate lang wurde geprüft, gemeinsam mit Banken versucht, Geldflüsse vom regulären ÖOC-Konto, einem Sparbuch sowie einem geheimen Verrechnungskonto nachzuvollziehen. Insgesamt etwas mehr als 4,5 Millionen Euro sind "aufklärungsbedürftig", wie es Stoss formuliert. Es fanden sich Zahlungen wie eben jene für einen Rasentraktor, für Reitstunden oder einen VW-Bus.

Gerichte sind am Zug

"Die Devise bei meinem Amtsantritt war: aufräumen. Das haben wir getan", sagt Stoss, der den Abschlussbericht der Kommission an die Staatsanwaltschaft Salzburg weiterleiten wird. Dort wird gerade das Thema ÖOC, vor allem im Zuge der Olympia-Bewerbung, eingehend untersucht.

"Für uns ist das abgeschlossen, wir haben getan, was wir tun konnten." Privatpersonen kann das ÖOC nicht befragen, wenn diese das nicht wollen, das können nur Gerichte tun. "Die sind jetzt am Zug", meint Stoss. Er kündigte an, dass sich das Comité im Fall einer Anklage an das Verfahren anhängen wird. "Wir wollen jeden Cent zurück."

Im Zentrum des Verdachts steht der langjährige Generalsekretär Heinz Jungwirth sowie dessen engste Mitarbeiterin, beide traten bereits zurück oder wurden entlassen.

Öffentliche Gelder dürften laut einer vorangegangenen Untersuchung nicht zweckentfremdet verwendet worden sein, nur private, von Sponsoren lukrierte Einnahmen. Die Summen der Entnahmen sind mit der Zeit immer größer geworden. "Da gab es dann offenbar keinen Genierer mehr", meint Stoss.

Mit der externen Vergabe der Buchhaltung und Lohnverrechnung sowie der Formulierung eines Verhaltenskodex will Stoss künftige Malversationen verhindern. "Aber vor krimineller Energie ist man eben nie gefeit", sagt er.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2010-05-06 18:58:35
Letzte Änderung am 2010-05-06 18:59:00

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