• vom 08.04.2015, 21:00 Uhr

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Update: 09.04.2015, 11:28 Uhr

Masters

Ein bisschen viel der Nostalgie




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  • Das Getöse um Tiger Woods in Augusta offenbart auch die Sehnsucht nach der Vergangenheit im Golfsport.

Rückkehrer im Nebel: Bei Tiger Woods’ Comeback sind viele Fragen offen. Reuters/Mark Blinch

Rückkehrer im Nebel: Bei Tiger Woods’ Comeback sind viele Fragen offen. Reuters/Mark Blinch

Augusta. (art) Augusta, der Begriff steht im Golfsport für das prestigeträchtigste aller Major-Turniere, und wenngleich es, erstmals 1934 ausgetragen, deren jüngstes ist, offenbart es stets auch einen Blick in die Vergangenheit. Hinter dem imposanten Tor und den Magnolien, die der Zufahrt zum Klubhaus ihren Namen gaben, verbirgt sich eine Märchenwelt; eine Welt, in der Sportler noch gefälligst Gentlemen zu sein haben, in der Mobiltelefone verpönt sind, in der Einladungen noch per Post verschickt werden, allem das Nostalgische anhaftet und - das ist freilich die andere Seite der Medaille - erst seit 1990 Afroamerikaner und erst seit 2012 Frauen als Mitglieder akzeptiert werden.

Doch der Golfsport hat sich verändert in den vergangenen Jahren, unter nicht unwesentlicher Mittäterschaft von Tiger Woods. Der heute 39-Jährige hat den Sport auf eine neue Ebene gehievt, spielerisch wie in der öffentlichen Wahrnehmung: Seine Protagonisten sind heute weltweit bekannte und vermarktete Superstars mit Millionenverdiensten; nicht umsonst wird Woods als erster Sport-Dollar-Milliardär geführt. Und doch galt auch er, der 14 Major-Turniere gewonnen und die Weltrangliste 683 Wochen lang angeführt hat, zuletzt als Gewesener. Und so offenbart auch das Getöse, das schon beim ersten öffentlichen Training um ihn herrschte, gewissermaßen die Sehnsucht nach der Vergangenheit. Als er am Dienstag elf Löcher spielte, begleiteten ihn mehrere Tausend Zuschauer auf Schritt und Tritt, kaum ein Schlag, der nicht mit einem Ah oder einem Oh quittiert wurde.

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Sportlich nur Außenseiter
Tiger Woods ist zurück, nach neun Wochen Pause bestreitet er beim Masters ab Donnerstag, an dem in Bernd Wiesberger erstmals auch ein Österreicher teilnimmt, wieder einen Wettkampf. Für das Turnier, das sich mit rund 50.000 Zuschauern pro Tag ohnehin nicht über mangelndes Interesse beklagen kann, bedeute das Comeback seines vierfachen Siegers "enorm viel", meinte Wiesberger, der sich wie die meisten seiner Kollegen daher nur positiv über den prominenten Rückkehrer äußerte.

Dabei ist Woods bei seiner 20. Teilnahme am Masters sportlich gesehen für die meisten nur ein Außenseiter; zu viele Fragen stehen hinter der Leistungsfähigkeit jenes Mannes, der hier in Augusta vor genau zehn Jahren mit seinem Fabelchip ins 16. Loch einen Schlag hingezaubert hatte, von dem sie heute noch sprechen. Seit Woods’ bisher letztem Major-Sieg sind fast fünf Jahre vergangen, anstatt mit sportlichen Höchstleistungen stand er seitdem mit privaten Turbulenzen und Verletzungen in den Schlagzeilen.

"Wie ein Verrückter"
Zwar gelang ihm zwischenzeitlich die Rückkehr an die Spitzenposition, weil eine Zeit lang niemand das nach ihm entstandene Vakuum so richtig auszufüllen vermochte; seit dem vergangenen Jahr ging es aber stetig bergab. 2014 war er oft verletzt und bestritt nur sieben Turniere, im Jänner gab er bei einem Wettkampf auf, im Februar verkündete er eine Pause auf unbestimmte Zeit, um sein Spiel wieder konkurrenzfähig zu machen. Und schnell kamen Spekulationen auf, er leide an Yips, einem unter Golfern gefürchteten Muskelzucken, das seine Karriere beenden könne. Beim Masters will Woods nun alle Gerüchte über einen möglicherweise nahenden (Zwangs-)Rücktritt beenden. Er habe "gearbeitet wie ein Verrückter", um wieder konkurrenzfähig zu werden, verkündete er in Augusta. Denn nur Dabeisein ist einem Tiger Woods längst zu wenig, auch beim Masters. "Ich wollte, dass mein Spiel wieder auf dem Niveau ist, dass ich um Turniersiege mitspielen kann. Und ich denke, das ist es jetzt."

Doch die Favoriten sind andere: Der Weltranglistenerste Rory McIlroy etwa, der um seinen ersten Masters- beziehungsweise den Karriere-Grand-Slam kämpft, Bubba Watson, der als Zweifach-Sieger und Titelverteidiger ein Faible für den Kurs hat, aber auch Jordan Spieth, einer der neuen Generation, gehören zu den meistgenannten Anwärtern. Sollte Woods sie alle tatsächlich bei seiner Rückkehr noch einmal schlagen, sollte er sich zehn Jahre nach seinem bisher letzten Masters-Sieg wieder das Green Jacket überstreifen können, es wäre fast ein bisschen viel der Nostalgie.




Schlagwörter

Masters, Golf

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Dokument erstellt am 2015-04-08 16:38:05
Letzte ─nderung am 2015-04-09 11:28:00



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