• vom 03.02.2016, 16:25 Uhr

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Update: 03.02.2016, 16:45 Uhr

Olympia 1976

"Oder es haut mi’ auf die Gosch’n"




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  • Franz Klammer erinnert sich an seinen Husarenritt zu Olympia-Gold 1976 in Innsbruck.

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Innsbruck/Wien. (apa/art) Es war der 5. Februar 1976, als die stolze Skination Österreich den Atem anhielt. Olympia-Abfahrt in Innsbruck, am Start Franz Klammer als haushoher Favorit. Erstmals seit Egon Zimmermann, der exakt zehn Jahre davor und an selber Stelle als bisher letzter Österreicher Gold geholt hatte, sollte es wieder klappen mit dem Titel in der Königsdisziplin. Klammer brachte die Voraussetzungen mit: Im Weltcup hatte der 22-jährige Bergbauernbub aus Mooswald in Kärnten seit 1974 dominiert, von den jüngsten 13 Abfahrten nicht weniger als zehn gewonnen. Und Klammer hielt dem Druck stand, legte einen riskanten (und auch nicht fehlerfreien) Husarenritt hin - und nach einer Aufholjagd im unteren Streckenteil eine Bestzeit von 1:45,73 Minuten vor Titelverteidiger Bernhard Russi. "Das ist der schönste Tag in meinem Leben", sollte er im Ziel sagen. Am Freitag jährt sich dieser Tag zum 40. Mal - und auch heute noch ist er präsent, "als ob es gestern gewesen wäre", wie Klammer im Interview mit der Austria Presse Agentur sagt.

Noch heute erinnert er sich an die schwierigen Momente vor dem Start, an die hohe Erwartungshaltung, die ihn nur noch mehr angespornt habe, ebenso wie an den Zwist mit der Ausrüsterfirma Fischer, die ihn überreden wollte, den neuen Lochski zu fahren. "Sie wollten mich dazu zwingen. Aber man kann nicht vor dem wichtigsten Rennen im Leben einen neuen Ski nehmen. Ich habe also gesagt: ,Ihr könnt’s mich gernhaben, ich fahr’ den Ski, der mir passt‘. Ich bin zum Servicemann gegangen und habe gesagt: ,Gib mir den Ski, ich nehme ihn mit ins Olympische Dorf, weil sonst ist er gleich weg.‘ Da hätte der Pepi Fischer auf und ab hüpfen können", erzählt er. Franz Klammer, das war eben auch schon immer einer, der seine Meinung gerne mit Nachdruck kundtat. Doch er sollte recht behalten - wie auch, was seine Gedanken unmittelbar vor dem Start mit Nummer 15, als die Piste von Fahrer zu Fahrer schlagiger geworden war, betraf. Den Druck habe er in diesem Moment gut wegblenden können, sagt er, "es ist nur darum gegangen, schnell Ski zu fahren und den Berg zu bezwingen. Wenn ich das so gut mache, wie ich kann, habe ich eine Chance zu gewinnen, das waren meine Gedanken. Oder besser gesagt: Ich habe gewusst, dass ich gewinnen werde - oder es haut mich auf die Gosch’n."


Auch das hätte leicht eintreten können, seine Fahrt glich schließlich einem Tanz auf der Rasierklinge. Bei der Zwischenzeit lag er auf Rang drei, 19 Hundertstel hinter Russi und hinter dem Südtiroler Max Plank. Klammer spürte, dass seine Fahrt bis dahin nicht optimal gewesen war, "ich habe gewusst, dass ich was machen muss, sonst werde ich das Rennen nicht gewinnen". Der Kärntner stürzte sich waghalsig in die letzten Kurven, vollzog eine permanente Gratwanderung. Im schräg weghängenden Bäreneck verließ er meterweit die zuvor besichtigte Linie - und war schneller als alle anderen. "Das war wahrscheinlich die beste Kurve, die ich jemals gefahren bin." Dem Rivalen Russi nahm er auf den finalen 30 Fahrsekunden fünf Zehntel ab.

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Dokument erstellt am 2016-02-03 16:29:06
Letzte ─nderung am 2016-02-03 16:45:00



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