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Update: 01.12.2016, 11:05 Uhr

Schach

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Von Matthias Van Baaren

  • Die Schach-WM zwischen Magnus Carlsen und Sergej Karjakin geht in den Stichkampf - Wenn die Boa Constrictor mit dem Zitteraal kämpft.

Magnus Carlsen (l.) agierte fehleranfällig. Im Tie-Break ist er aber Favorit gegen Karjakin.

Magnus Carlsen (l.) agierte fehleranfällig. Im Tie-Break ist er aber Favorit gegen Karjakin.© Reuters/Stapleton Magnus Carlsen (l.) agierte fehleranfällig. Im Tie-Break ist er aber Favorit gegen Karjakin.© Reuters/Stapleton

New York. Als "Wiener Operation" oder landläufig auch als "Schlacht um Wien" werden die Kämpfe zwischen der Roten Armee und der Wehrmacht im April 1945 in und um Wien bezeichnet. Im Zuge dieser wurde neben vielen anderen auch die Häuserfront zwischen Laurenzerberg und Rotenturmstraße im Artillerieduell so stark zerstört, dass man sich entschied, diesen Häuserblock nicht wieder aufzubauen. Das dadurch brachliegende Areal wurde schließlich zu dem, was man heute als "Schwedenplatz" kennt, umgestaltet. Dort wo sich die Nachtschwärmer treffen und die Tauben um die Hot-Dog-Reste streiten, dort, wo der Wiener und die Wienerin das angeblich beste Eis der Stadt bekommt, standen bis 1945 wundervolle Gründerzeitgebäude, von denen eines das Café "zur Marienbrücke" beherbergte: ein schachhistorischer Platz. Denn am Montag, 24. Jänner 1910, wurde in jenem Café nicht nur die bisher letzte Schachweltmeisterschaftspartie auf österreichischem Boden gespielt, an jenem Tag gewann auch zum bisher letzten Mal ein Österreicher - der Wiener Großmeister Carl Schlechter - eine WM-Partie.

Er ging damals als krasser Außenseiter gegen den amtierenden Weltmeister, den deutschen Emanuel Lasker in Führung. Schlechter hielt jenen Vorsprung bis zur letzten Partie, ein Remis hätte ihm gereicht, um Weltmeister zu werden, doch ausgerechnet im letzten Spiel verlor er. So blieb Lasker, den damaligen Regeln nach, Weltmeister. Seit 1886, seit man um den Weltmeistertitel im Schach kämpft, gab es erst drei Duelle, zu deren Ende lediglich zwei entschiedene Partien zu Buche standen. Eben 1910, dann 2000 und schließlich 2012. Und nun haben es wieder zwei Schachspieler geschafft, "lediglich" jeweils eine Partie zu gewinnen. Der diesjährige WM-Kampf zwischen dem norwegischen Superstar Magnus Carlsen und seinem russischen Herausforderer Sergej Karjakin in New York steht nach der Beendigung der letzten regulären Partie 6:6. Anders als 1910 reicht Carlsen dieses Unentschieden nicht, um seinen Titel zu verteidigen. Seit 2006 will man auch im Schach "Blut sehen" - seither gilt: Sollte der Wettkampf mit einem Punktegleichstand enden, wird so lange im Tie-Break gekämpft, bis ein Sieger feststeht. Eines haben die drei Matches, das von 1910, 2012 und das aktuelle, gemeinsam, nämlich dass beide Spieler je eine Partie gewinnen konnten und die restlichen Spiele Remis ausgingen. Bei all diesen Kämpfen waren die Herausforderer klare Außenseiter, immer gingen diese Außenseiter in Führung, und jedes Mal, zumindest 1910 und 2012, gewann schließlich der Titelverteidiger - wenn auch unter Aufbietung seines letzten Könnens und mit einer großen Portion Glück.

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Dokument erstellt am 2016-11-29 15:53:06
Letzte ńnderung am 2016-12-01 11:05:05



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