• vom 17.05.2017, 20:00 Uhr

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Die Hoffnung, die man sich macht




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  • Die Schweiz will an alte Heldentaten anschließen - im WM-Viertelfinale wartet aber ein harter Gegner.

Gemeinsamer Blick nach vorne: Bisher gelang das den Schweizern ganz gut.

Gemeinsamer Blick nach vorne: Bisher gelang das den Schweizern ganz gut.© Grigory Dukor/Reuters Gemeinsamer Blick nach vorne: Bisher gelang das den Schweizern ganz gut.© Grigory Dukor/Reuters

Paris. (art) Vielleicht sollten sie den "Geist der WM 2013", den sie in der Schweiz jetzt alle beschwören, doch lieber in der Flasche lassen. Vor vier Jahren hatte das eidgenössische Eishockey-Team zwar einen fulminanten Durchmarsch ins WM-Finale hingelegt, war dort aber Gastgeber Schweden klar mit 1:5 unterlegen. Nun steht man immerhin im Viertelfinale. Dass der Gegner am Donnerstag in Paris wieder Schweden heißt (20.15 Uhr) - die anderen Viertelfinalpartien lauten Russland gegen Tschechien sowie in Köln USA gegen Finnland und Kanada gegen Deutschland - lässt rein statistisch betrachtet keine große Hoffnung aufkommen, zumal auch insgesamt die Bilanz eine deutliche Sprache zugunsten der Skandinavier spricht.

Doch Hoffnung hat man nicht, Hoffnung macht man sich. Und der seit 2015 im Amt befindliche Cheftrainer Patrick Fischer ist gut darin, stets das Positive zu betonen und die Motivation seiner Mannschaft, der vor der WM eine eher durchschnittliche Qualität nachgesagt worden war, hoch zu halten. "Wir haben immer gewusst, dass wir gut sind", sagte er nach dem 3:1-Sieg über Tschechien zum Abschluss der Gruppenphase, der bei bereits festgestandener Viertelfinal-Qualifikation letztlich den zweiten Platz in Pool B hinter dem WM-Favoriten Kanada bedeutete. "Vielleicht haben es die Journalisten nicht gewusst, aber wir wussten es", sagte Fischer also fast trotzig. Tatsächlich hat seine Mannschaft viele nach dem holprigen WM-Start mit einem Steigerungslauf überrascht. Der 3:2-Sieg über Kanada nach 0:2-Rückstand hatte die Wende in der öffentlichen Wahrnehmung gebracht und selbst dem Schweizer Tennis-Star Roger Federer Begeisterungsstürme abgerungen. Fischer reagierte erfreut, er baue Hinweise auf den berühmten Landsmann gerne in seine Kabinenansprachen ein, erzählte er danach in einem Interview. Doch der Chefcoach, der mit 41 Jahren noch als recht unerfahren gilt und darob sowie wegen des enttäuschenden elften WM-Rangs im Vorjahr nicht ganz unumstritten war, kann nicht nur Motivationsreden halten. Er genießt dabei auch - anders als Vorgänger Glen Hanlon, der mehrmals Versprechen gegenüber Spielern gebrochen hatte - das Vertrauen seines Teams.

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Konzept auf die
Heim-WM 2020 ausgerichtet

Mit ihm sowie dem im Jänner 2015 engagierten Nationalmannschafts-Direktor Raeto Raffainer wurden Umstrukturierungen vorgenommen, neben dem für die Defensive zuständigen Assistenten Tommy Albelin wurden weitere Spezialisten für die verschiedensten Aufgaben geholt. Dass die Bundesförderung von 3 Millionen Franken, die man als Vorschuss auf die Heim-WM 2020 bekommt, dabei nicht schadet, verhehlt man im Verband nicht. "Die Gelder erlauben es, eine Professionalisierung beim Staff vorzunehmen. Viele Posten sind bei anderen Verbänden längst Usus", sagte Raffainer am Rande der WM zur "NZZ".

Bei der Umsetzung all dieser Ideen gab es Konfrontationen, gewiss, aber immerhin gibt es Ideen - und eine Aufbruchsstimmung, die sich zuletzt in den Leistungen der Nationalmannschaft niederschlug. Auch deswegen beschwören sie ihn, den Geist von Stockholm 2013. Nun gibt es ein Wiedersehen mit Schweden im Viertelfinale und die Hoffnung auf weitere Heldentaten. Als aussichtslos sehen sich die Schweizer trotz der damaligen klaren Niederlage und der tristen Bilanz keineswegs. Wer Kanada schlägt, so der Tenor, könne auch Schweden schlagen. Und immerhin hat man auch positive Erinnerungen an damals: Vor der Finalniederlage gab’s das Duell auch in der Gruppenphase: Es endete 3:2 für die Schweiz.




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Dokument erstellt am 2017-05-17 16:57:06
Letzte ─nderung am 2017-05-17 17:00:04



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