• vom 01.06.2017, 20:33 Uhr

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Update: 01.06.2017, 21:21 Uhr

Volleyball

Viele Highlights und ein Streit




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Von Tamara Arthofer

  • Der Zwist um Volleyball-Präsident Peter Kleinmann geht vor der ersten World League mit österreichischer Beteiligung weiter.

Persona non grata, zumindest für einige - Peter Kleinmann.

Persona non grata, zumindest für einige - Peter Kleinmann.© Georg Hochmuth/apa Persona non grata, zumindest für einige - Peter Kleinmann.© Georg Hochmuth/apa

Wien/Frankfurt. Es ist Donnerstag Vormittag, der letzte Tag vor der geplanten Premiere des österreichischen Herren-Nationalteams in der prestigeträchtigen World League, eigentlich ein Feiertag also für den heimischen Volleyballsport. Vier Vertreter von Landesverbänden haben zu einer Pressekonferenz in einen Wiener Golfklub geladen, vor dem Zimmer im Obergeschoß bewachen drei Security-Mitarbeiter den Eingang. Ihr Ziel: Peter Kleinmann, Präsident des österreichischen Volleyballverbandes. Ein Schild an der Tür mit seinem Konterfei und dem Hinweis "Bitte draußen bleiben" fehlt, hinein darf er trotzdem nicht.

Schließlich wollen die Anwesenden, Burgenlands Präsident Bernd Csar, Niederösterreichs Chef Thomas Mayer, Steiermarks Sportkoordinator Florian Stöckl und Karin Frühbauer für Kärnten, ihre Sicht der Dinge darlegen, warum sie vor zwei Wochen (gemeinsam mit Tirol) einen Misstrauensantrag gegen Kleinmann und den Rest des ÖVV-Vorstandes zur Abstimmung bringen wollten. Dies war abgeschmettert worden, weil der Vertreter des persönlich verhinderten Csar laut ÖVV-Jurist keine gültige Vollmacht vorweisen hatte können, vorerst aber fünf gültige Stimmen vonnöten gewesen wären. Csar und Co. verwiesen nun ihrerseits auf ein von ihnen in Auftrag gegebenes Gutachten, wonach der Vertreter des Burgenlandes sehr wohl hätte abstimmen dürfen.

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Stein des Anstoßes für den Antrag hatte offiziell eine Ohrfeige eines Vorstandsmitglieds gegen einen Jugendspieler gegeben. Er war durch eine Geldstrafe sowie eine bedingte Sperre für 48 Spiele sanktioniert worden - für die Anwesenden zu wenig. Später wird sich Kleinmann rechtfertigen: "Es war die höchste Strafe, die je im Volleyballverband ausgesprochen wurde. Ich kann kein gewähltes Vorstandsmitglied einfach so hinausschmeißen. Aber er wird hundertprozentig nicht mehr kandidieren." Wie er selbst übrigens auch nicht, schon davor hatte er angekündigt, im September anlässlich seines 70.Geburtstags nicht mehr anzutreten. Er werde einen "Nachfolger vorschlagen, der großartig für den Volleyballsport ist", sagt Kleinmann dann.

Vorfreude auf Deutschland
Noch aber wartet er draußen auf der Holzbank vor der Tür, verfolgt den Termin per Handy am ORF-Livestream, hört, wie dem Verband "undemokratisches Verhalten" vorgeworfen wird. Auf die vor diesem Hintergrund auftauchende Frage, warum Kleinmann, der sich durchaus den Ruf eines Machtmenschen gemacht hat, nicht seine Sicht der Dinge ebenfalls schildern dürfe, sagt Csar: "Wir wollen Fakten präsentieren, keine Diskussion." Die gibt es freilich nachher dennoch, man bezichtigt einander gegenseitig der Lüge und eines "Affentheaters" (Kleinmann).

Es war jedenfalls ein Sittenbild des österreichischen Sports, das sich an diesem Tag zeigte, vor allem vor dem Hintergrund, dass sportlich gerade eine intensive Phase läuft: Am Freitag beginnt die Herren-World-League in Frankfurt mit österreichischer Beteiligung, die Damen spielen aktuell in der WM-Qualifikation in Kroatien, landeten dort am Nachmittag einen überraschenden 3:2-Sieg gegen Ungarn und bekommen es am Freitag (15 Uhr) mit Georgien zu tun, die Beachvolleyballer sind beim World-Tour-Turnier in Moskau im Einsatz, wo Clemens Doppler/Alex Horst nach zwei Erfolgen bereits im Achtelfinale stehen. Für sie steht außerdem Ende Juli noch die Heim-WM in Wien auf dem Programm.

Der nächste Höhepunkt in der Halle ist aber das Antreten der Herren in Frankfurt, noch nie war eine heimische Mannschaft in die prestigeträchtige Liga eingeladen worden. Einziger Wermutstropfen war, dass das für Freitag angesetzte Spiel gegen Venezuela aufgrund von Anreiseschwierigkeiten des Gegners abgesagt werden musste. Es wurde mit 3:0 für Österreich strafverifiziert. Sportlich startet das Team nun am Samstag (18 Uhr) in das Viererturnier der Gruppe3, und wenngleich man die Probleme Venezuelas trotz des Sieges am grünen Tisch mit Bedauern zur Kenntnis nahm, freut man sich nun auf das Spiel gegen Deutschland. ÖVV-Teamchef Michael Warm trifft dort nicht nur auf seine Landsleute, sondern auch auf viele Spieler, die er von seiner Klubtätigkeit bei den United Volleys Rhein/Main kennt. Deutschland ist zwar für Warm klarer Gruppenfavorit, "aber es gibt kein Spiel, in dem wir keine Chance hätten". Am Sonntag folgt das Match gegen Kasachstan, weiter geht die World League am Wochenende darauf auf heimischem Boden in Linz. Und die Diskussionen im Hintergrund? Die werden wohl auch weitergehen.




Schlagwörter

Volleyball, ÖVV, Peter Kleinmann

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Dokument erstellt am 2017-06-01 20:39:06
Letzte ─nderung am 2017-06-01 21:21:04



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