• vom 17.07.2017, 16:53 Uhr

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Update: 18.07.2017, 11:06 Uhr

Tennis

101 Minuten für die Ewigkeit




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  • Im Titelsammeln hat Roger Federer Erfahrung. Dennoch war sein achter Wimbledon-Sieg ein besonderer.



Wimbledon. (art) "Er hat die Zukunft in seinen Händen", titelte die "Daily Mail" an jenem 7. Juli 2003, "Ein Champion ist geboren", schrieb der "Tagesanzeiger". Doch wie recht die gewohnt überschwänglichen Kommentatoren an jenem Tag haben sollten, konnte man damals noch nicht wirklich erahnen. Heute, mehr als 14 Jahre später, kann man getrost sagen, dass die Lobeshymnen, die sich damals über einen 21-jährigen Schweizer namens Roger Federer ergossen, der damals in Wimbledon seinen ersten Grand-Slam-Sieg gefeiert hatte, nicht übertrieben waren.

Mittlerweile sind alle Superlative ausgereizt. Und dennoch war der 19. Grand-Slam-Titel, den Federer diesen Sonntag gewann, in mehrerer Hinsicht ein besonderer - nicht nur, weil er seinen eigenen Major-Rekord weiter in die Höhe schraubte und in Wimbledon mit seinem achten Titel auch Pete Sampras in der Bestenliste hinter sich ließ, sondern weil er sich heuer, fünf Jahre nach seinem bisher letzten Erfolg an der Church Road, während des gesamten Turniers stark wie selten zuvor präsentierte.

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Nach dem in nur 101 Minuten errungenen 6:3, 6:1, 6:4-Finalerfolg über einen durch eine schmerzende Blase am Fuß behinderten Marin Čilić ist nun amtlich, dass er der erste Spieler seit Björn Borg vor 41 Jahren ist, der auf seinem Durchmarsch zum Wimbledon-Titel keinen einzigen Satz abgeben musste. "Es fühlt sich großartig an. Das ist magisch", jubelte der bald 36-Jährige, der allerdings auch Worte des Mitgefühls und der Aufmunterung für den unterlegenen Kroaten parat hatte. "Es ist manchmal bitter, aber du bist ein Held. Gratuliere für ein tolles Turnier", sagte Federer.

"Wie ein Teenager"



Während Čilić ankündigte, wiederzukommen und erneut um den Titel kämpfen zu wollen, gab es diesbezüglich von Federer immerhin eine Absichtserklärung - aber es gebe keine Garantie, vor allem nicht in seinem Alter, fügte er hinzu. Die Pausen sind mittlerweile nicht nur erzwungen wie etwa jene im Herbst des vergangenen Jahres, als ihn eine Verletzung außer Gefecht setzte, ehe er mit dem Australian-Open-Gewinn triumphal zurückkehrte, sondern auch notwendig, um dem Körper Erholungsphasen zu geben. "Ich muss mich immer wieder erinnern, dass die Gesundheit vorgeht", erklärte der Schweizer, der wegen der Vorbereitung auf Rasen auch auf die kräfteraubende Sandplatzsaison verzichtet hatte.

Der Plan ist aufgegangen: Während die ewigen Konkurrenten Rafael Nadal, Andy Murray und Novak Djoković mit Problemen zu kämpfen hatten, wirkte Federer bei jedem Auftritt psychisch wie physisch voll auf der Höhe. "Roger Federer ist außergewöhnlich, ein großartiger Botschafter des Sports und der beste Tennisspieler der Erde. Er steht weniger als einen Monat vor seinem 36. Geburtstag, aber die letzten zwei Wochen tanzte er über die Plätze wie ein Teenager in der Disco", konstatierte "The Independent". Voraussagen, inwiefern er noch immer die Zukunft in seinen Händen hält, gibt es diesmal freilich keine. Doch der letzte Tanz war es für den Schweizer noch nicht.




Schlagwörter

Tennis, Wimbledon, Roger Federer

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Dokument erstellt am 2017-07-17 16:57:10
Letzte nderung am 2017-07-18 11:06:07



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