• vom 07.08.2017, 16:28 Uhr

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Update: 07.08.2017, 16:45 Uhr

Beachvolleyball

Ein Sieg in vielerlei Hinsicht




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  • Clemens Doppler/Alexander Horst krönen eine erfolgreiche Beachvolleyball-WM in Wien und ihre Zusammenarbeit mit der Silbermedaille - die Zukunft ist aber ungewiss.

Auch Kanzler Christian Kern gratulierte den Vizeweltmeistern Alexander Horst (l.) und Clemens Doppler. - © Sebastian Pucher/apa/expa

Auch Kanzler Christian Kern gratulierte den Vizeweltmeistern Alexander Horst (l.) und Clemens Doppler. © Sebastian Pucher/apa/expa

Wien. (art/apa) Am Anfang kämpften sie mit der Enttäuschung. Eine Siegerehrung, wenige Stunden und unzählige Erinnerungsfotos später konnten sie schon wieder feiern. "Wir haben Silber gewonnen, nicht Gold verloren", lautete der Tenor von Clemens Doppler und Alexander Horst nach der 0:2-Niederlage gegen die Brasilianer Evandro/Andre Loyola am Sonntagnachmittag im Finale der Beachvolleyball-WM auf der Wiener Donauinsel.

Tatsächlich glänzte die Medaille des heimischen Topduos aus mehreren Gründen wie Gold: Zum ersten, weil es die erste bei Welttitelkämpfen für Österreich überhaupt war, zum zweiten, weil sie bei einer Heim-WM, die noch dazu für die meisten Beteiligten als beste Weltmeisterschaft aller Zeiten gegolten hat, errungen wurde, und zum dritten, weil Doppler/Horst, im Schnitt um zehn Jahre älter als ihre Bezwinger im Finale, im Herbst ihrer Karriere niemals damit gerechnet hätten, wie sie selbst bei jeder Gelegenheit betonten. Noch im Vorjahr war nach Rang neun bei Olympia die Verlängerung ihrer Partnerschaft an der Kippe gestanden. Im Verband hatte es Umschichtungstendenzen gegeben, auch das Karriereende des bald 36-Jährigen Doppler stand im Raum. Die Aussicht auf die Heim-WM hatte die Entscheidung erleichtert, Unsicherheiten räumt der zweifache Europameister Doppler (2003 und 2007) aber nachträglich ein: "Wir wussten nicht, wo die Reise von Beachvolleyball in Österreich hingeht."


An einem ähnlichen Punkt stehen die neuen Vizeweltmeister auch aktuell, zumal die Krönung ihres gemeinsamen Weges im sechsten Jahr erfolgt und Olympia 2020 noch sehr weit weg ist. Prinzipiell stehen beide einer weiteren Zusammenarbeit positiv gegenüber, sagen sie. "Wir wollen schon gemeinsam weiterspielen, aber jetzt müssen wir den Erfolg erst einmal sacken lassen", meint Doppler und gibt zu bedenken: "Wir sind beide Familienväter, haben eine Familie zu ernähren. Da braucht es ein strukturiertes Umfeld, damit es auch wirtschaftlich Sinn hat." Gespräche mit Sponsoren und Fördergebern sollen nach der Saison, die für sie nun mit der EM in Lettland sowie dem World-Tour-Finale der besten acht Paarungen, für die sie sich mit WM-Silber auf den letzten Drücker qualifiziert haben, zu Ende geht, Klarheit über die Zukunft bringen.

Eine Frage des Standorts
In dieser Zeit soll auch entschieden werden, wie es mit Beachvolleyball in Österreich auf organisatorischer Ebene weitergeht. Mit der zehntägigen WM-Veranstaltung, bei der insgesamt 180.000 Zuschauer im Stadion gezählt wurden - das Finale hatte im TV einen Höchstwert von 440.000 Sehern -, hat Wien eine starke Empfehlung für die dauerhafte Ausrichtung eines World-Tour-Turniers gegeben. Verbandspräsident Peter Kleinmann, der bei einer außerordentlichen Generalversammlung im September aller Voraussicht nach von Gernot Leitner beerbt und nach der erfolgreichen Weltmeisterschaft quasi auf dem Höhepunkt seiner Karriere abtreten wird, hat sich bereits dafür ausgesprochen.

Doch auch Klagenfurt, das als Wiege des österreichischen Beachvolleyballsports galt, ehe zuletzt finanzielle Probleme die Ausrichtung des Turniers verhindert haben, ist noch nicht fix aus dem Rennen. Organisator Hannes Jagerhofer hat gemischte Gefühle: "Die Geschichte, von Klagenfurt wegzugehen, ist nicht leicht. Klagenfurt ist das Wimbledon des Beachvolleyballsports. Ohne Klagenfurt wäre ich nicht hier. Aber das ist eine andere Art von Veranstaltung. Dort hat man den See, die Motorboote, in Wien ist mehr Sport und Familie. Es ist sehr interessant, dass wir hier bleiben, aber man muss schauen, ob es die Möglichkeit gibt. Der Aufwand ist halt enorm." Zumindest für die vergangenen zwei Wochen hat sich dieser gelohnt.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-08-07 16:34:06
Letzte ńnderung am 2017-08-07 16:45:05



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