• vom 08.08.2017, 15:57 Uhr

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Leichtathletik-WM

WM-Goldmedaille platzt in den Bürgerkrieg




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  • Dreispringerin Yulimar Rojas versetzt ihre Heimat Venezuela in Freudentaumel. Präsident Nicolas Maduro nennt sie eine "glorreiche Athletin".

London. (rel/apa) Die Leichtathletik-WM in London im TV live mitzuverfolgen, steht angesichts der politischen und wirtschaftlichen Krise aktuell nicht auf der Prioritätenliste der Menschen in Venezuela. Und dennoch gab es für das südamerikanische Land am Montagabend etwas zu feiern. Der Jubel war so groß, dass sogar Präsident Nicolas Maduro den Goldmedaillengewinn von Dreispringerin Yulimar Rojas, die in London den ersten Titel in der WM-Geschichte Venezuelas eingefahren hatte, mit viel Pathos kommentierte. "Voller Stolz haben wir den Sieg unserer Yulimar Rojas gesehen. Sie ist eine glorreiche Athletin der goldenen Generation", schrieb Maduro auf Twitter und postete ein Video vom Gold-Satz der Athletin dazu.

In einem hochklassigen Duell mit Rio-Olympiasiegerin Caterine Ibargüen hatte sich die 1,92 Meter große von Ivan Pedroso - kubanischer Weitsprung-Olympiasieger von 2000 in Sydney und vierfacher Weltmeister - betreute Rojas mit 14,91 Meter um zwei Zentimeter vor der kolumbianischen Kontrahentin durchgesetzt. Davor hat auch Rojas Landsfrau Robeilys Peinado am Sonntag Geschichte geschrieben, handelt es sich doch bei der Stabhochsprung-Bronzemedaille (mit dem nationalen Rekord von 4,65 Meter) um das erste Edelmetall bei nun 16 Freiluft-Weltmeisterschaften überhaupt für Venezuela. Seit der WM 2011 im südkoreanischen Daegu war man nicht mehr über den achten Rang hinausgekommen.

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Beide Springerinnen haben für ihr Training den Weg ins Ausland gesucht. Die erst 19-jährige Peinado hat sich in Polen niedergelassen und wird von Wiaczeslaw Kaliniczenko betreut. Die 21-jährige Rojas beobachtet die Entwicklung in ihrer Heimat von Spanien aus. "Ich bin traurig wegen dem, was in meinem Land passiert", erklärte sie nach ihrem Sieg. "Es ist ein wundervolles Land. Ich weiß, dass wir das eines Tages alles beenden werden, diese Kämpfe und diesen Krieg zwischen Brüdern. Ich hoffe, ich habe mein Land stolz gemacht."

Den Riss, der derzeit durch Venezuela geht, wird auch WM-Gold nicht so rasch kitten können. Präsident Maduro hatte trotz internationalen Mahnungen an der Einsetzung der umstrittenen Verfassungsversammlung festgehalten und das Parlament de facto entmachtet. Seit Monaten gibt es blutige Proteste, bei denen über hundert Personen getötet wurden. Die Opposition macht den Staatschef für die wirtschaftliche Misere des ölreichen Landes und die zunehmende Verarmung verantwortlich und wirft ihm vor, die Demokratie abzuschaffen und eine Diktatur anzustreben.

Usain Bolt jagt erneut WM-Gold
Von solchen Zuständen ist der karibische Inselstaat Jamaika indessen weit entfernt. Dennoch werden die Straßen in der Hauptstadt Kingston am Samstag mit Tausenden Menschen gefüllt sein. Grund ist das Antreten des zuletzt über die 100 Meter entthronten Sprintstars Usain Bolt im Staffel-Vorlauf der WM in London. Der Jamaikaner, der seinem Team so zur Finalqualifikation verhelfen möchte, läuft das letzte Rennen seiner Karriere - und will diese mit dem zwölften WM-Gold beenden.

Physisch gehe es ihm gut, er verspüre leichte Schmerzen, aber das sei nichts, was eine Massage nicht auskurieren könne, betonte Bolt am Dienstag. Auf seine Bronzemedaille über 100 Meter angesprochen, sagte er: "Das ist schon enttäuschend, aber so ist das Leben. Ich kann jetzt kein schlechter Verlierer sein." Gold hatte sein Dauerrivale Justin Gatlin aus den USA abgestaubt, Silber ging an Landsmann Christian Coleman.

Am Mittwoch stehen der Kugelstoß-Bewerb der Damen sowie die 400 Meter Hürden am Programm. Der nächste Bewerb mit österreichischer Beteiligung (Zehnkampf mit Dominik Distelberger) findet ab Freitag statt (21.45 Uhr).




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Dokument erstellt am 2017-08-08 16:03:02



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