• vom 07.09.2017, 07:00 Uhr

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Wenn das Ei den Kater hat




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Von WZ-Korrespondent Klaus Stimeder

  • Die National Football League feiert Saisoneröffnung - und kämpft aus nur scheinbar heiterem Himmel mit Problemen, die samt und sonders hausgemacht sind.

Rund um die Super Bowl (im Bild Fans bei der Siegerparade der New England Patriots) herrscht Ausnahmezustand. Ansonsten hat die Strahlkraft der NFL aber deutlich nachgelassen.

Rund um die Super Bowl (im Bild Fans bei der Siegerparade der New England Patriots) herrscht Ausnahmezustand. Ansonsten hat die Strahlkraft der NFL aber deutlich nachgelassen.© Billy Weiss/Getty/afp Rund um die Super Bowl (im Bild Fans bei der Siegerparade der New England Patriots) herrscht Ausnahmezustand. Ansonsten hat die Strahlkraft der NFL aber deutlich nachgelassen.© Billy Weiss/Getty/afp

Los Angeles/New York. Jammern auf hohem Niveau, gewiss, aber so einfach ist die Sache nicht. Mit der Partie New England Patriots gegen die Kansas City Chiefs startet die National Football League (NFL) am Donnerstag Nachmittag (17.30 Ortszeit, 23.30 MESZ) in ihre neue Saison, und nicht wenig spricht dafür, dass es für das Unternehmen wie für den Sport an sich eine vorentscheidende sein wird. So komplex sich die Geschichte darstellt, die sie spiegeln: Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache, und sie besagen, dass die NFL in der abgelaufenen Saison im Vergleich zu der davor satte acht Prozent an Zuschauerzuspruch unter denen verloren hat, die sie im Fernsehen verfolgen. Ein in der jüngeren Geschichte der Liga beispielloser Einbruch.

Während nicht nur die Fachmedien die gesamte Sommerpause über Ursachenforschung betrieben, ergriff man in der NFL-Zentrale in Midtown Manhattan die Flucht nach vorn: Der Verlust sei ein "einmaliger" und stelle keinen Trend dar; man müsse sich ja nur vor Augen halten, was im Lauf der vergangenen Saison alles passiert sei: der Präsidentschaftswahlkampf, der alle Aufmerksamkeit auf sich zog, dann die von den Chicago Cubs eingeläutete Baseball-Renaissance, der Mangel an direkten Duellen von NFL-Superstars in den Play-offs und so weiter und so fort. Kein Wort vom offensichtlichen Imageverlust, den die Politisierung der NFL in der Trump-Ära gebracht hat. Nämlicher geht weit über den bekannten Fall Colin Kaepernick hinaus. (Der Ex-Quarterback der San Francisco 49ers hatte sich wiederholt geweigert, der Nationalhymne Respekt zu zollen, und landete nach dem Auslaufen seines Vertrags auf der schwarzen Liste der Teambesitzer.) Auch wenn Kaepernick mittlerweile zahlreiche Kollegen hat, die ihn nachahmen und öffentlich für ihn das Wort ergreifen, ist der Riss, der durch die gesamte amerikanische Gesellschaft geht, auch am Gridiron nicht mehr zu übersehen.


Zwei Teams in Los Angeles
Und auch wenn sich die NFL weigert, die normative Kraft des Faktischen anzuerkennen - weil sie weiß, dass zu viel Politik schlecht fürs Geschäft ist -, ändert das nichts an ihrer ganz realen Angst, dass ihre Werbekunden den Einbruch der vergangenen Saison im Fall einer Wiederholung wirklich als Trend ansehen und ihr Werbegeld in der Folge woanders investieren. Nicht, dass deshalb bis jetzt jemand am Hungertuch nagen würde: Mit rund 13 Milliarden Umsatz im Jahr 2016 stellt die Liga innerhalb der nordamerikanischen Sportlandschaft immer noch die Speerspitze in Sachen Popularität dar. Von dem von NFL-Commissioner Roger Goodell erklärten Ziel, diese Zahl bis 2025 auf 25 Milliarden hochzuschrauben, scheint sie sich indes beständig zu entfernen.

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Dokument erstellt am 2017-09-06 17:51:06



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