• vom 16.09.2017, 08:00 Uhr

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Update: 16.09.2017, 15:22 Uhr

Volleyball

"Freue mich auf meine Freiheit"




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Zurück zum Sportlichen: Sie haben die starken Legionäre in Topligen erwähnt. Bräuchte es nicht auch eine stärkere nationale Liga? Dass der österreichische Meister (Hypo Tirol, Anm.) in Deutschland spielt, gibt es in keiner anderen Sportart...

Das ist das, was in meinen Augen nicht wirklich funktioniert hat. Zu dem Zeitpunkt, als ich gesagt habe, ich gehe in den Verband, war der Klub-Volleyball wirklich stark; nicht nur die hotVolleys, auch Tirol und Aich/Dob. Jetzt ist der ÖVV der Vorreiter. Das mit Tirol jetzt tut mir weh, aber ich konnte es nicht verhindern. Wichtiger ist aber, dass die Österreicher bei starken Klubs spielen, für die Gesamtentwicklung ist es nicht das Entscheidende, wo das dann ist.

Sie haben vor drei Jahren den Profibetrieb mit den hotVolleys aufgegeben. Ihre größte Niederlage?



Das war keine Niederlage. Es wäre ja gegangen, wenn ich nur die hotVolleys gemacht hätte. Aber 90 Prozent meiner Zeit für den Verband und 10 Prozent für die hotVolleys - so geht’s halt nicht. Wenn ich dem Verband den Rücken gekehrt hätte und mich ausschließlich um die hotVolleys gekümmert hätte, wären wir jetzt wahrscheinlich wieder Meister. Aber es war nicht mein Ziel, ob ich jetzt ein 28., 29. oder 30. Mal Meister werde. Ich wollte mich um die Nationalteams und die Strukturen im Verband kümmern. Und auf dieser Basis kann man jetzt aufbauen. In der Liga sind wir halt jetzt in einer Situation, in der andere Sportarten auch sind: Dass Österreich keine Liga aufstellen kann, die gesamt gesehen international stark ist, und alles an Einzelpersonen hängt.

Andere Sportarten haben zumindest Profiklubs in der Bundeshauptstadt. Ist dieses Fehlen nicht ein trauriges Zeichen?

Natürlich, das stimmt schon. Aber es gibt seitens einer Gruppe von Geschäftsleuten Bestrebungen, die hotVolleys wieder aufleben zu lassen. Da hat es bei der Beachvolleyball-WM erste Kontakte gegeben, und jetzt reden wir darüber, wie das gehen könnte.

Ein Comeback von Peter Kleinmann bei den hotVolleys also?

Wenn mich wer fragt, berate ich ihn gerne, aber eine operative Tätigkeit werde ich dort sicher nicht mehr übernehmen.

Die Beachvolleyball-WM war sowohl sportlich als auch organisatorisch und vom Zuschauerzuspruch her ein Riesenerfolg. Besteht die Gefahr, dass Beachvolleyball den Hallenvolleyball immer weiter in den Hintergrund drängt?

Überhaupt nicht. Beachvolleyball kann man bei uns von Juni bis September spielen, in den anderen Jahreszeiten muss ja auch gespielt werden. Die Kinder lernen Volleyball in der Halle. Und es gibt kaum einen Weltklasse-Beachvolleyballer oder -Trainer, der nicht aus der Halle kommt. Hallenvolleyball wird immer die Basis bleiben.

Relativ neu hinzugekommen ist jetzt auch Snow-Volleyball, wo nächstes Jahr sogar in Österreich die erste EM ausgetragen wird. Das klingt ein bisschen nach einem Marketing-Gag.

Nein, da ist viel mehr dahinter, als es auf den ersten Blick zu sein scheint. Snow-Volleyball ist ein gutes Produkt, eine genauso schöne Sportart, aber natürlich muss es noch wachsen. Man muss auch die Politik dahinter verstehen: Die Politik des Weltvolleyball-Verbandes ist es, in die Kategorie 1 der olympischen Sportarten zu kommen. Dort sind bisher nur Leichtathletik, Schwimmen und Turnen. Volleyball ist in der Kategorie 2. Zwischen den Kategorien gibt es seitens des IOC einen Finanzierungsunterschied von insgesamt 30 Millionen Dollar. Ich habe zum Weltverbands-Präsidenten Ary Graça - einem Brasilianer, der bei seinem Besuch bei einem Snow-Volleyball-Spiel in Wagrain das erste Mal Schnee gesehen hat und begeistert war - gesagt: Wenn wir Snow-Volleyball weltweit promoten, könnten wir vielleicht auch versuchen, es olympisch zu machen. Und dann haben wir eine gute Chance, aufzusteigen. Er hat nur gelacht und gesagt: Good idea.

Das klingt sehr ambitioniert, manche würden es vielleicht utopisch nennen . . .

Mir haben schon so oft Leute gesagt, Peter, das geht nicht. Bis es dann gegangen ist. Und man darf ja auch nicht vergessen, dass das Potential des Volleyballs riesig ist. Man kann es auf jedem Untergrund betreiben - ob das jetzt Gras, Sand, Schnee oder Parkett ist, ist wurscht. Und es ist weltweit die einzige Sportart, die von mehr Frauen als Männern betrieben wird. Es passt auch ins ästhetische Bild der Frauen, es gibt keine Gewalt oder Aggression. Deswegen sind für mich eigentlich auch die Frauen das Kapital des Volleyballsports schlechthin.

Dennoch scheint es, als ob sich der Sport immer wieder ein bisschen neu erfinden müsste. Erschlägt das Event irgendwann das Sportliche?

Nein, das denke ich überhaupt nicht. Snow-Volleyball ist eine tolle Veranstaltung, ähnlich aufgezogen wie Beachvolleyball. Natürlich ist es lustig, wenn im Schnee ein Whirlpool ist und die Leute aus dem Skigewand raus und neben Gummipalmen dort reinhüpfen, aber letzten Endes ist das Entscheidende der Volleyball. Und ich glaube, nach dieser Beachvolleyball-WM kann niemand behaupten, dass das kein Sport sei.

Die Eventisierung, die Kommerzialisierung wird auch in anderen Sportarten gerade heftig diskutiert. Ein Symptom ist beispielsweise, dass Spitzenfußball immer mehr ins Pay-TV abwandert und gleichzeitig alles teurer wird. Was halten Sie von dieser Entwicklung?

Das sportliche Niveau von Fußball ist faszinierend. Ich habe in meiner Jugend ja auch gespielt. Und jetzt passen die so, wie damals geschossen haben. Und wenn er medial so stark ist, dass es heute Leute gibt, die 222 Millionen für einen Spieler zahlen, dann sollen sie’s zahlen, die Deppen. Dass alles ins Pay-TV geht, dazu kann ich nur sagen: Wenn die Leute bereit sind, für dieses Produkt zu zahlen, dann scheint dieses Produkt das wert zu sein.

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Dokument erstellt am 2017-09-12 17:33:02
Letzte Änderung am 2017-09-16 15:22:41



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