• vom 25.09.2017, 17:04 Uhr

Mehr Sport


US-Sport

Im Bannstrahl des Donald




  • Artikel
  • Lesenswert (6)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von WZ-Korrespondent Klaus Stimeder

  • Übers Wochenende rief US-Präsident Donald Trump zum Boykott der NFL auf. Ein in der Geschichte des US-Sports einmaliger Vorgang, den sich die Teambesitzer auch selber zuzuschreiben haben.

Der Protest gegen Rassendiskriminierung wird im US-Sport zur Massenbewegung. Donald Trump ist erbost. - © Rey del Rio/Getty/afp

Der Protest gegen Rassendiskriminierung wird im US-Sport zur Massenbewegung. Donald Trump ist erbost. © Rey del Rio/Getty/afp

Oakland/Washington D.C. Die geballte Aufmerksamkeit galt dem Geschehen am und rund um den Gridiron, aber Geschichte geschrieben wurde zunächst auf einem anderen Feld. Während am Samstagabend aus den Stadionlautsprechern die Klänge der amerikanischen Nationalhymne schallten, kniete sich Bruce Maxwell, seines Zeichens 26-jähriger Baseballspieler der Oakland Athletics, hin - und verharrte in dieser Stellung, bis der letzte Ton verklungen war. Dann stand der in einer Militärkaserne im deutschen Wiesbaden als Sohn eines afro-amerikanischen GIs geborene Catcher auf, umarmte einen weißen Mitspieler und nahm die Arbeit auf. Kleine Geste, große Wirkung: Mit seiner Aktion wurde Maxwell zum ersten Baseballprofi, der diese Form des politischen Protests gegen Rassendiskriminierung und Polizeibrutalität öffentlich zelebrierte. Während der vergangenen Saison hatte NFL-Quarterback Colin Kaepernick damit begonnen und, befeuert durch die rassistische Rhetorik des damaligen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump, eine kleine Lawine losgetreten.

Der Preis, den der mit 29 eigentlich im besten Football-Alter stehende Kaepernick dafür bis heute zahlt, ist hoch. Obwohl er nach nahezu einstimmiger Meinung aller Experten bei einem der 32 NFL-Teams mindestens einen Job als Ersatzmann haben sollte, ist der zuletzt bei den San Francisco 49ers Beschäftigte bis heute arbeitslos. Angesichts der Tatsache, dass es keinen einzigen afroamerikanischen oder hispanischen Teameigentümer in der NFL gibt, nicht mehr und nicht weniger Ausdruck einer modernen, freilich finanziell bestens abgegoltenen Form der Leibeigenschaft: Als professioneller Footballspieler seinem politischen Unmut Luft zu machen, und sei er noch so gerechtfertigt, galt bisher als verpönt.

Werbung

"Hurensöhne"
So lässt sich das, was sich am Wochenende in den Footballstadien zwischen Los Angeles und London abspielte (wo die NFL seit dem Jahr 2007 ein Spiel pro Saison austrägt), auch als Ironie der Geschichte interpretieren: Diejenigen aus der Liga, die mithalfen, den Ex-Reality-TV-Star ins Weiße Haus zu befördern, sind jetzt Teil derer, die seinen Zorn ausbaden müssen. Am Freitagabend hatte der Präsident der Vereinigten Staaten im Rahmen einer Wahlkampfveranstaltung für einen befreundeten Senatskandidaten in Huntsville, Alabama - im konservativsten aller konservativen Bundesstaaten - eine Rede gehalten. Darin nannte er jene NFL-Spieler, die sich in der vergangenen und in der gegenwärtigen Saison während des Abspielens der Nationalhymne als Zeichen des Protests hinknieten, wörtlich "Hurensöhne, die man sofort vom Feld holen sollte". Die Verantwortung dafür würden die Teameigentümer tragen.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-09-25 17:09:05



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Italien kämpft gegen Schweden um WM-Ticket
  2. Schock nach Olympia-Aus sitzt tief
  3. Zum Siegen verdammt
  4. Schlagerspiel mit Personaldiskussion
  5. Tiroler Absage an Olympia
Meistkommentiert
  1. Peter Schöttel wird neuer ÖFB-Sportdirektor
  2. Abschiedsgeschenk für Koller
  3. "Wunderschöne Jahre"
  4. Tiroler Absage an Olympia
  5. Schock nach Olympia-Aus sitzt tief

Werbung



Werbung



Werbung