• vom 07.10.2017, 07:00 Uhr

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Von Tamara Arthofer

  • Der Abschiedskampf in ihrer Heimat am Samstag ist der letzte Höhepunkt in der Kickbox-Karriere von Nicole Trimmel.

Akribisch hat sich Nicole Trimmel auf ihren letzten Kampf vorbereitet. - © Wolf Gottfried

Akribisch hat sich Nicole Trimmel auf ihren letzten Kampf vorbereitet. © Wolf Gottfried

Oslip. Die burgenländische Gemeinde Oslip ist nicht gerade als Epizentrum der heimischen Sport- und Partyszene bekannt. In der alten Cselley-Mühle finden zwar regelmäßig Kulturveranstaltungen statt, abgesehen davon wünschen einander rund um den in der Wulkaebene nahe Eisenstadt gelegenen 1250-Einwohner-Ort, der mit seinen alten Bauernhäusern anachronistisch anmutende Gemütlichkeit ausstrahlt, aber meist Fuchs, Hase und gelegentlich ein Storch gute Nacht. Am Samstagabend wird das freilich anders sein, wird es in der umfunktionierten Tennishalle wieder einmal so richtig krachen - im wahrsten Sinne des Wortes: Ein letztes Mal noch lässt Nicole Trimmel, nicht nur eine Lokalheroin, sondern mit acht Weltmeisterschafts- und fünf Europameisterschaftstiteln eine der erfolgreichsten Kickboxerinnen der vergangenen eineinhalb Jahrzehnte, hier Fäuste und Beine fliegen.

Dass die Globetrotterin, die in ihrer langen Karriere insgesamt 407 Kämpfe auf der ganzen Welt bestritten hat, ausgerechnet hier ihren Abschied vom Profisport begeht, ist alles andere als ein Zufall, dass es gegen ihre russische Dauerrivalin Ksenia Miroshnichenko in dem Fünf-Runden-Vollkontakt-Kampf (ab 21 Uhr/Rahmenprogramm und Vorkampf ab 18 Uhr) um keinen großen Titel mehr geht, macht die Sache nicht weniger emotionsgeladen. Trimmel kommt selbst aus Oslip, "und es war immer mein Herzenswunsch, Kickboxen auf höchstem Niveau in meiner Heimat zu präsentieren und so auch meinen Freunden und Wegbegleitern etwas zurückzugeben", sagt die 34-Jährige.

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Voller Terminplan
Freilich bringt eine solche Veranstaltung auch einige Belastungen mit sich. Neben ihrem 30-Stunden-Job im Sportressort der burgenländischen Landesregierung, wo sie unter anderem ein Bewegungsprojekt für Volksschulkinder leitet, und dem Training müssen gemeinsam mit ihrem Team auch behördliche Dinge geklärt, organisatorische Aufgaben erledigt werden. "Je näher das Event rückt, desto länger wird meine To-Do-Liste", sagte Trimmel kürzlich. Zeit für Wehmut oder gar Zweifel am immer näherkommenden Rücktritt ist da keine, ohnedies ist die Burgenländerin niemand, der sich allzu lange mit der Vergangenheit aufhält. Die Zukunft ist mit ihrem Hauptberuf ("Es macht irrsinnig Spaß, mit Kindern zu arbeiten und sie für Sport zu begeistern"), mit ihrer geplanten Tätigkeit als Trainerin sowie mit Vorträgen für Sport- und Wirtschaftstreibende vollgepackt genug. "Der Zeitpunkt des Rücktritts war reiflich überlegt", sagt Trimmel. Erstmals sind die Gedanken während ihrer schweren Knieverletzung aufgekommen, ehe sie im Vorjahr noch einmal zurückkehrte, "um ihn selbst bestimmen zu können".

Darüber hinaus weitermachen zu wollen, sei aber keine Option. "Ohne überheblich sein zu wollen, aber ich habe alles erreicht - und das sogar mehrfach. Warum sollte ich diesen Aufwand, den es braucht, um an der absoluten Spitze mitzumischen, weiterhin so intensiv betreiben?", sagt sie. "Ich werde sicher nicht in die Sportler-Pensions-Depression verfallen." Der Kampf in Oslip ist damit definitiv der finale sportliche Höhepunkt - ehe die Tennishalle in dem beschaulichen Ort zur Partyzone erklärt wird.




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Dokument erstellt am 2017-10-06 15:54:05
Letzte nderung am 2017-10-06 19:30:04



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