• vom 12.10.2017, 17:11 Uhr

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Symptome des Niedergangs




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  • Österreichs Damentennis ist in Linz nach dem Ausscheiden von Barbara Haas nicht mehr vertreten. Die Krise hat sich abgezeichnet.

Barbara Haas musste sich trotz ansprechender Leistung aus dem Bewerb in Linz verabschieden.

Barbara Haas musste sich trotz ansprechender Leistung aus dem Bewerb in Linz verabschieden.© Barbara Gindl/apa Barbara Haas musste sich trotz ansprechender Leistung aus dem Bewerb in Linz verabschieden.© Barbara Gindl/apa

Linz. (art/apa) Vier Mal probiert, vier Mal ist nichts passiert: Wie schon in den vergangenen Jahren war für Barbara Haas auch diesmal beim 250.000-Dollar-Turnier in Linz in der ersten Runde Endstation - womit Österreichs Tennis beim einzigen WTA-Turnier auf heimischem Boden nicht mehr vertreten ist. Für die Veranstalter des unter dem neuen Namen Upper Austria Ladies firmierenden Turniers ist das nach den Absagen der Topspielerinnen Jelena Ostapenko und Dominika Cibulková ein weiterer herber Schlag, für Österreichs Damentennis ein Offenbarungseid. Wobei freilich nicht die Leistung Haas’ das Problem ist - beim 3:6, 6:4, 4:6 gegen die in der Weltrangliste um knapp hundert Plätze vor ihr liegende Deutsche Carina Witthöft bot sie spielerisch keine schlechte Vorstellung, scheiterte aber an ungenützten Möglichkeiten und den eigenen Nerven -, sondern, dass es außer der 21-Jährigen derzeit keine Spielerin gibt, die auf WTA-Niveau überhaupt mithalten kann.

Die gleichaltrige Julia Grabher, die seit kurzem ebenso wie Haas im Leistungszentrum in der oberösterreichischen Hauptstadt unter Fed-Cup-Kapitän Jürgen Waber trainiert, ist in der Qualifikation gescheitert, Tamira Paszek mit einer schmerzhaften Nervenerkrankung außer Gefecht, ebenso Talent Mira Antonitsch mit einer Knöchelverletzung. Auch der Blick auf die Weltrangliste ergibt ein düsteres Bild: Haas als Nummer 171 und Grabher als Nummer 285 scheinen als einzige ÖTV-Spielerinnen in den Top 500 auf.

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Fehlende Breite
Während die Herren durch Dominic Thiem in der absoluten Weltspitze vertreten sind - auch wenn dieser beim Masters-1000-Turnier in Shanghai beim 3:6, 6:3, 6:7 gegen den Serben Viktor Troicki schon seine dritte Auftaktniederlage hintereinander erlitt -, auch der Mittelbau mittlerweile funktioniert und bei den Junioren vor allem von Jurij Rodionov einiges zu erwarten ist, ist die Lücke im Damentennis groß. Vor exakt zehn Jahren war das noch anders: Sybille Bammer führte zu ihren Hochzeiten als Weltranglisten-21. zwei weitere Top-100-Spielerinnen an, auch die viertbeste Österreicherin war noch besser gereiht als Grabher aktuell.

Für Waber ist dies eine logische Entwicklung: "Ich habe schon vor zehn Jahren vor der Lücke gewarnt, die entsteht", sagt er in Linz rückblickend zur Austria Presse Agentur. Eine Besserung der Situation sieht er in den kommenden Jahren nicht. "Wir haben null Breite", konstatiert er und nimmt diesbezüglich vor allem die Landesverbände in die Pflicht: "Dort muss im Alter von sieben bis 14 Jahren auf Teufel komm raus gearbeitet werden."

Erst dann kommen die Jugendlichen - wenn’s gut geht - wie nun die 14-jährige Daniela Glanzer in ein Leistungszentrum wie Linz, wo sie auf eine Profikarriere vorbereitet werden sollen. Ob es dann damit klappt, ist freilich von mehreren Faktoren abhängig. Auch bei Haas haben viele schon länger auf einen Durchbruch gewartet, Waber spricht allerdings von einer positiven Entwicklung. "Wer sie hier vor einem Jahr gesehen hat, sieht, wie sie sich spielerisch verbessert hat. Manche Dinge greifen noch nicht hundertprozentig, aber die Richtung stimmt", sagt der Coach. Im Winter soll an der Physis und der Aggressivität gearbeitet werden, das nächste Ziel sind die Top 100. Es wäre das erste Mal seit fast drei Jahren, dass eine Österreicherin in diesem Kreis stehen würde.




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Dokument erstellt am 2017-10-12 17:19:07



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