• vom 10.03.2016, 16:05 Uhr

Sport

Update: 11.03.2016, 13:47 Uhr

Brasilien

Alarmierende Signale




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Von WZ-Korrespondent Tobias Käufer

  • Olympische Spiele in Rio de Janeiro: Das Zika-Virus breitet sich weiter aus - Nervosität bei Organisatoren steigt.

Rio deJaneiro. Die Beruhigungsfloskeln der Olympia-Macher kamen offenbar zu früh. Rio de Janeiros Bürgermeister Eduardo Paes erklärte noch vor ein paar Tagen, das Zika-Virus sei kein Thema mehr für die Spiele. IOC-Präsident Thomas Bach setzte auf den brasilianischen Winter, der schon irgendwie dafür sorgen werde, dass die Ägyptische Tigermücke (Aedes aegypti) und mit ihr das Virus, das jetzt auch ganz offiziell von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu einer echten Bedrohung erklärt wurde, von der Themenliste verschwinde.

Doch die Anzeichen, dass sich das Internationale Olympische Komitee und die lokalen Organisatoren viel intensiver als gehofft mit dem Virus auseinandersetzen müssen, mehren sich. Und sie sorgen für Nervosität und Furcht. Rios Tageszeitung "O Globo" berichtete unter Berufung auf die Gesundheitsbehörden, dass die Zahl der registrierten Schädelmissbildungen bei Kindern allein in einer Woche um 16,2 Prozent zugenommen habe. Geht es in diesem Tempo weiter, werden zu Beginn der Spiele im August schon mehrere hundert Kinder mit den viel zu kleinen Köpfen auf die Welt gekommen sein.

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Zudem wurde nun festgestellt, dass das Zika-Virus nicht nur Gehirne von Ungeborenen schädigen, sondern auch jene von Erwachsenen beeinträchtigen kann. Französische Wissenschafter schilderten am Donnerstag den Fall eines 81-jährigen Manns, der nach einer Kreuzfahrt im Jänner in ein Krankenhaus nahe Paris eingeliefert worden sei. Der vor der Schifffahrt völlig gesunde Patient habe unter hohem Fieber und Lähmungserscheinungen gelitten und sei zwischenzeitlich ins Koma gefallen Bei ihm sei eine Hirn- und Hirnhautentzündung, diagnostiziert worden. In seiner Rückenmarksflüssigkeit sei das Virus gefunden worden. Laut den Forschern ist dies der erste Fall dieser Art.

Olympia findet außerdem nicht nur in Rio de Janeiro statt. Die Fußballturniere der Frauen und Männer, bei denen etwa die DFB-Auswahlteams am Start sind, führen auch in die besonders betroffenen Regionen in anderen Teilen des Landes, wo das Virus besonders hart zugeschlagen hat. Was das Problem so unkalkulierbar macht, ist das fehlende fundierte Wissen über die konkreten Auswirkungen. Wie lange muss beispielsweise eine Frau warten, bis sie nach einer Infizierung wieder ohne Sorge schwanger werden kann? Hinzu kommt, dass nicht nur Totgeburten und die Schädelfehlbildungen als Folgen zu beobachten sind, sondern auch das Guillain-Barré-Syndrom, eine Nervenentzündung, die zu Lähmungserscheinungen führt. Zurzeit kursieren unterschiedliche Meinungen und Hinweise, aber eben keine wirklich zuverlässigen Antworten.

Die Ungewissheit schafft Unsicherheit und Angst, auch unter den Touristen. Sven dos Santos, deutscher Inhaber der Agentur Heidelberg in Rio de Janeiro, die sich auf die Vermietung von temporären Wohnung in der Olympia-Stadt spezialisiert hat, berichtet über besorgte Mails aus Deutschland: "Wir haben zuletzt Anfragen von Kunden erhalten, die wegen der Nachrichten rund um das Zika-Virus besorgt sind. Stornierungen gibt es bislang keine, aber die Kunden, die nach Rio de Janeiro kommen wollen, verfolgen die Entwicklung schon sehr aufmerksam." Ob die Berichterstattung um das Zika-Virus dafür verantwortlich ist, dass der Kartenvorverkauf für die Spiele nur schleppend verläuft, ist ungewiss.

Wie viele Menschen tatsächlich das Virus inzwischen in sich tragen und beispielsweise über sexuelle Kontakte übertragen, ist nicht bekannt. Mit Spannung erwarten die brasilianischen Behörden eine Veröffentlichung des Wissenschafters Pedro Vasconcelos, der sich mit er Erforschung des Virus beschäftigt: "Ich persönlich habe noch nie ein Virus gesehen, dass eine solche intensive Zerstörung verursacht", zitiert ihn "O Globo". Eine Entwarnung klingt anders.




Schlagwörter

Brasilien, Rio, Zika-Virus, Olympia

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-03-10 16:08:04
Letzte ─nderung am 2016-03-11 13:47:03



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