• vom 13.09.2017, 17:37 Uhr

Sport

Update: 13.09.2017, 21:24 Uhr

Olympia

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  • Paris soll den Olympischen Spielen wieder zu altem Glamour verhelfen. Doch die Vergangenheit war nicht nur glorreich.

Die fünf Ringe sollen wieder strahlen - so zumindest der Wunsch des IOC. - © afp/Martin Bernetti

Die fünf Ringe sollen wieder strahlen - so zumindest der Wunsch des IOC. © afp/Martin Bernetti

Lima. (art) Beachvolleyball vor der Kulisse des Eiffelturms, Radrennen auf der Champs-Élysées - hundert Jahre nach den zweiten und bisher letzten Olympischen Spielen in Paris soll Olympia wieder in die französische Hauptstadt zurückkehren - und Paris Olympia im Gegenzug etwas vom zuletzt angesichts von Geldvernichtungs- sowie Korruptionsvorwürfen und Dopingskandalen arg bröckelnden Glamour zurückgeben. Das ist der Wille des Internationalen Olympischen Komitees, das am Donnerstag die Sommerspiele 2024 an Paris und die 2028 an Los Angeles vergab.

Doch auch in Paris, Gastgeber 1900 und 1924, war freilich in der Geschichte der Olympischen Spiele der Neuzeit, als deren Erfinder der Franzose Pierre de Coubertin gilt, nicht immer alles Gold, was glänzte. Die Spiele 1900 gerieten gar zur sportlichen wie organisatorischen Farce. Als Begleitprogramm zur Weltausstellung zogen sich die Wettkämpfe über fünf Monate hin und gingen im Expo-Getöse als lästiges Anhängsel völlig unter.

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Stell dir vor, es ist Olympia, und keiner geht hin - auch das gab es damals. Und möglicherweise war das sogar gut so, zumal Zuschauer wie Sportler widrige Bedingungen vorfanden. Ein Athlet ragte allerdings aufgrund seiner Geschichte heraus: Raymond Clarence Ewry, der in seiner Jugend an Kinderlähmung litt, holte Olympia-Gold im Hoch-, Weit- und Dreisprung aus dem Stand und machte sich einen Namen als "Human Frog".

IOC verschafft sich Zeit
Solche Einzelleistungen konnten freilich nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Spiele für Coubertin, der die Organisation nolens volens den Veranstaltern der Weltausstellung überlassen musste, zur persönlichen Schmach wurden - die er mit der Rückkehr 1924 tilgen wollte. Und diesmal gelang, was davor so gründlich schiefgelaufen war. Die Wettkämpfe funktionierten nicht nur mehr oder minder reibungslos, sie waren auch die ersten Spiele, die wirkliche Superstars hervorbrachten.

Der finnische Läufer Paavo Nurmi schrieb sich mit fünf Goldmedaillen - zwei davon errungen binnen einer Stunde - in die Annalen des Sports ein, Johnny Weissmüller stieg mit drei Goldmedaillen im Schwimmen sowie einer Bronzenen im Wasserball zu einem der populärsten Sportler seiner Zeit auf, lange bevor die Drehbücher zu den Tarzan-Filmen, in denen er die Hauptrolle spielte, geschrieben waren. "Die Zuschauer verzeihen meine Schauspielerei, weil sie wissen, dass ich Athlet bin", sollte Weissmüller, der 1928 zwei weitere Olympiasiege feierte, später sagen.

Wer die Superstars der Spiele jeweils hundert Jahre danach, also 2024 und 2028, sein werden, steht indessen noch nicht fest, als Gewinner sieht sich jedenfalls Thomas Bach, der Chef des internationalen Komitees. Mit Paris und Los Angeles hat dieses nun zwei potente Gastgeber - und damit Zeit für eine Reformierung des Vergabeprozesses gewonnen. "Es ist eine goldene Chance", sagte Bach zuletzt immer wieder.




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Dokument erstellt am 2017-09-13 17:42:15
Letzte nderung am 2017-09-13 21:24:05




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