• vom 03.10.2017, 07:00 Uhr

Sport


Olympia

Leistungsschau einer Aufsteiger-Nation




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Von Klaus Huhold aus Pyeongchang

  • Südkorea will die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang dazu nutzen, um sich als Hightech-Hochburg zu präsentieren. Und um den Konflikt mit Nordkorea zu entschärfen.



Pyeongchang. Selbst der buddhistische Klerus gibt den Olympischen Spielen seinen Segen. "Die Türen stehen für Gäste aus aller Welt offen", sagt der Mönch Weon Heang. In seiner weißen Ordenstracht sitzt er vor einer goldenen Buddha-Statue. "Wir hoffen, dass wir damit zum globalen Frieden beitragen können."

Weon Heang ist einer der ranghöchsten Mönche des Woljeongsa-Tempel. Die Gebäude der Anlage mit ihren bunten Schnitzereien und den geschwungen Holzdächern liegen in einer Berglandschaft, die der südkoreanischen Provinz Gangwon-do ihr Gesicht gibt. Genau in dieser Provinz befindet sich Pyeongchang, der Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2018. Nicht nur Buddhas in verschieden Formen und Drachen zieren den Tempel, sondern am Eingang stehen als große Figuren nun auch ein Weißer Tiger und ein Asiatischer Schwarzbär - die Maskottchen von Pyeongchang.

Pyeongchang probte bereits im vergangenen Winter für Olympia.

Pyeongchang probte bereits im vergangenen Winter für Olympia.© reuters/Kim Hong-Ji Pyeongchang probte bereits im vergangenen Winter für Olympia.© reuters/Kim Hong-Ji

Südkorea mobilisiert für die Winterspiele, die am 9. Februar 2018 eröffnet werden. Auch an den Sportstätten selbst laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. So tummeln sich in Pyeongchang bereits Wochen vor der Eröffnung Diplomaten, internationale Reporter und südkoreanische Touristen auf der Aussichtsplattform der Skisprungschanze. Die Sportanlagen liegen dicht beieinander, die Besucher sehen von hier aus das Ziel und die Schießstände der Biathlonstrecke, die Hänge der Skiwettbewerbe und die Eisbahn für die Rodler und Bobfahrer, die genau 2018 Meter messen und damit die längste der Welt werden soll.


Bisher fanden in Pyeongchang kaum internationale Wettbewerbe statt. Deshalb mussten die Sportstätten neu errichtet werden oder die vorhandenen stark ausgebaut werden. Die Anlagen sind schon so gut wie fertig. Das entspricht dem Anspruch, den Südkorea an sich stellt. Der 50-Millionen-Einwohner-Staat will sein Vermögen unter Beweis stellen - als Veranstalter, als Anziehungspunkt für Touristen und auch als Hightech-Hochburg.

Pyeongchang 2018, das werden deshalb auch Smartphone- und Laptop-Spiele. Jeder Besucher vor Ort kann über Applikationen sein individuelles Event zusammenstellen. Bei den Bobwettbewerben können die Zuseher etwa den Lauf aus der Sicht des Fahrers erleben, an dessen Helm eine winzige Kamera angebracht ist. Beim Langlaufen und Biathlon können die Fans das ganze Rennen über ihr Handy mitverfolgen, wo sich ihr Lieblingsläufer gerade befindet.

Neue Spielwiese für
die Wintersport-Industrie

Eine riesige Datenmenge muss dafür übertragen werden, und daher will ein von der Korea Telecom angeführtes Konsortium in Pyeongchang erstmals die 5G-Technologie bei einem Massenevent in Anwendung bringen. Kurz gesagt, kann diese noch schneller noch viel mehr Daten übertragen. Sie gilt als nächste Generation des Mobilfunks. Die Olympischen Winterspiele werden somit auch ein Testlauf für Technologien, die künftig viel Geld einbringen können. "Wir wollen diese dann später exportieren", sagt Choi Jeong-ho, einer der Leiter des Teams, das für die Implementierung dieser technischen Neuerungen zuständig ist. Zudem sollen die Besucher der Spiele befragt werden, wie sie diese neuen Technologien erlebt haben.

Doch wie sehr werden diese überhaupt kommen? 1,18 Millionen Tickets sind aufgelegt, und die Preise sind teilweise teuer, für die Finalwettbewerbe des Skispringens etwa kostet ein Ticket umgerechnet fast 200 Euro. Die Veranstalter rechnen damit, dass 70 Prozent der Besucher Einheimische sein werden und 30 Prozent internationale Gäste. Eisschnelllaufen ist in Südkorea sehr populär, viele andere Sportarten sind für das koreanische Publikum aber Neuland. Wie sehr diese angenommen werden, wird sich daher erst während der Spiele zeigen. Solche Großveranstaltungen besitzen allerdings ein enormes Mobilisierungspotenzial.

Die Veranstalter rechnen jedenfalls damit, dass Pyeongchang zu einem Initialereignis wird, das über Olympia hinausreicht. "Die Spiele sind eine gute Basis dafür, dass der Wintersport in Südkorea populär wird", sagt eine Dame, die für das Organisationskomitee internationale Journalisten durch Pyeongchang führt. Auch später sollen hier internationale Wettkämpfe stattfinden, zudem sollen all die Skilifte, Eishallen und Hotels, die nun gebaut werden, danach dazu dienen, dass aus Pyeongchang ein großes Wintersport-Resort wird. Während in Europa die Märkte teils wegbröckeln (in Österreich fahren etwa mittlerweile weniger Menschen Ski als in den 1990er Jahren), könnte sich hier ein neuer Markt für die Wintersport-Industrie öffnen.

Südkoreas Bürger stehen
hinter Olympia

Klar ist: Die südkoreanische Bevölkerung steht, abgesehen von den Protesten einiger Umweltschutzgruppen, hinter den Spielen. Während mittlerweile etwa manche westliche Länder aufgrund der hohen Kosten und der Vorschriften des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) vor der Austragung solcher Spiele zurückschrecken, ist das in Südkorea in der öffentlichen Debatte kaum ein Thema.

Bei einer Blitzumfrage der "Wiener Zeitung" unter Passanten in Seoul ist zwar der eine oder andere wenig interessiert an der Veranstaltung, offen ablehnend äußert sich aber niemand. Und beim Großteil der Befragten überwiegt ein gewisser Stolz, dass die Spiele in Südkorea stattfinden, und mancher von ihnen meint auch, dass er sie besuchen will.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-10-02 15:42:07
Letzte ─nderung am 2017-10-02 17:12:06




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