• vom 03.10.2017, 07:00 Uhr

Sport


Olympia

Leistungsschau einer Aufsteiger-Nation




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Dieser Zugang zu den Olympischen Spielen hängt mit der Geschichte des Landes zusammen: Südkorea war nach der japanischen Kolonialzeit und dem Krieg mit Nordkorea, der von 1950 bis 1953 dauerte, ein bitterarmes Land. Ab Mitte der 1960er Jahre an legte das Land einen rasanten Aufschwung hin und wurde zur Hightech-Nation. Dass Südkorea nun nach den Sommerspielen (Seoul 1988) und einer Fußball-WM (2002) auch noch Winterspiele austrägt, ist somit auch eine Selbstvergewisserung und Leistungsschau einer Nation, die einen rasanten Aufstieg hingelegt hat.

Nordkorea ist der
große Unsicherheitsfaktor

Doch ausgerechnet der Nachbar könnte der Spielverderber der Party sein: Nach den Atom- und Raketentests Nordkoreas hat sich die Lage auf der koreanischen Halbinsel massiv verschärft. Manche Länder denken bereits laut darüber nach, ob sie ihre Athleten überhaupt nach Südkorea schicken wollen. Südkorea will dem beikommen, indem es genau über Olympia eine Brücke Richtung Nordkorea baut und die Lage wieder entschärft. Denn auf der politischen und militärischen Ebene sind derzeit keine Gespräche möglich. "Aber Olympia ist frei von Politik", sagt Seong-Hyon Lee, Politanalyst am Sejong-Institut, einer Denkfabrik in Seoul. "Deshalb will Präsident Moon Jae-in voraussichtlich die Spiele nutzen, um wieder eine versöhnlichere und friedlichere Atmosphäre zwischen den beiden Koreas herzustellen."

Moon Jae-in hat bereits im Sommer Nordkorea zu den Wettbewerben eingeladen. Am Freitag haben sich nun auch die ersten nordkoreanischen Sportler für Pyeongchang qualifiziert. Bei der Nebelhorn-Trophy im bayerischen Oberstdorf hat sich das Eiskunstlauf-Paar Ryom Tae-ok und Kim Ju-sik mit 180,09 Punkten und Rang sechs die Olympia-Teilnahme gesichert. Mit den Sportlern kommt nun auch eine Delegation.

Dass Nordkoreaner in Pyeongchang anwesend sein werden, entspannt die Lage. Zudem hat das nordkoreanische IOC-Mitglied Chang Ung gesagt, dass Olympia nichts mit Politik zu tun habe und er keine Probleme für die Spiele sehe. Fraglich ist aber, wie sich die geopolitische Lage die nächsten vier Monate entwickelt und ob die Führung in Pjöngjang das dann noch genauso sieht.

Die Winterspiele geben Nordkorea die Möglichkeit, sich einmal mit einem freundlichen Gesicht der Welt zu präsentieren. Gleichzeitig bieten sie dem kommunistischen Staat auch eine Kulisse, um Drohungen auszustoßen und sein militärisches Potenzial zu verdeutlichen - und sei es, indem er wieder eine Rakete ins Meer schießt. Auf alle Fälle wird Nordkoreas Verhalten Einfluss darauf nehmen, wie die Olympischen Spiele von Pyeongchang international wahrgenommen werden.

Die Reise erfolgte auf Einladung von Kocis (Korean Culture and Information Service).

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-10-02 15:42:07
Letzte ─nderung am 2017-10-02 17:12:06




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