• vom 12.10.2017, 08:00 Uhr

Sport

Update: 12.10.2017, 08:11 Uhr

Olympia 2026

Olympische Kostenaufstellung




  • Artikel
  • Lesenswert (2)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Matthias Nagl

  • Tirol entscheidet am Sonntag über eine Bewerbung für Olympische Winterspiele 2026. Ein Budgetüberblick.

Denkmal anlässlich der Olympischen Winterspiele 1964 bzw. 1976 am Bergisel. - © APAweb, Expa, Johann Groder

Denkmal anlässlich der Olympischen Winterspiele 1964 bzw. 1976 am Bergisel. © APAweb, Expa, Johann Groder

Dass viel Infrastruktur - wie hier der Bergisel - bereits vorhanden ist, soll die Kosten für die Spiele drücken.

Dass viel Infrastruktur - wie hier der Bergisel - bereits vorhanden ist, soll die Kosten für die Spiele drücken. Dass viel Infrastruktur - wie hier der Bergisel - bereits vorhanden ist, soll die Kosten für die Spiele drücken.

Innsbruck. Das liebe Geld wird eine Rolle spielen. Wenn die Tiroler am kommenden Sonntag nicht nur ihre Vertreter im Nationalrat wählen, sondern in einer Volksbefragung auch entscheiden, ob sich das Land und seine Hauptstadt um die Austragung der Olympischen Winterspiele 2026 bewerben sollen, werden nicht wenige Sportbegeisterte aus Sorge vor den Kosten ihr Kreuz beim "Nein" machen.

Denn Olympische Spiele - Sommer wie Winter - haben in den vergangenen Jahrzehnten, wenn es ums Geld ging, vor allem Negativschlagzeilen gemacht. Die Austragung des Hochamts des Sports hat sich für zahlreiche Städte und Länder als Milliardengrab entpuppt. Genau das will man in Innsbruck auch beim dritten Mal Olympia vermeiden. Die ersten beiden Winterspiele 1964 und 1976 fanden noch vor der neuzeitlichen Gigantomie statt. "Es wird kein Milliardengrab geben", sagte ÖOC-Generalsekretär Peter Mennel vor kurzem zur "Wiener Zeitung". Landespolitik und ÖOC versprechen einträchtig, dass es für die Spiele an sich keinen Cent Steuergeld brauchen soll. So steht es auch in der Machbarkeitsstudie, auf deren Basis sich Land und Stadt Innsbruck für die Vertiefung der Bewerbung und die Volksbefragung ausgesprochen haben.

Werbung

Die 300.000 Euro teure Studie von Pro Projekt, AS + P, dem Management Center Innsbruck (MCI) und der Firma Solid ist auch das einzige Dokument, das nähere Aufschlüsse über die geplanten Kosten der Spiele gibt. Die "Wiener Zeitung" hat sich das vorliegende Durchführungsbudget im Detail angesehen und es mit den Kostenvoranschlägen verglichen, die die Bewerber für die Winterspiele 2018 beim internationalen olympischen Komitee (IOC) abgeliefert hatten. Den Zuschlag bekam Pyeongchang in Südkorea, wo die Spiele im kommenden Februar stattfinden. Unterlegene Bewerber waren Annecy (Frankreich) und München. Das ist auch der Grund, warum die Bewerber von 2018 der Referenzwert sind. Es war das letzte Mal, dass europäische Bewerber Budgetzahlen beim IOC abliefern mussten.

Eines vorweg - ohne Steuergeld für das Durchführungsbudget wollte keiner der drei Bewerber für 2018 auskommen. Die Zuschüsse der öffentlichen Hand sollten sich auf 34 bis 113 Millionen Euro belaufen. Die 113 Millionen Euro gab Pyeongchang, der nunmehrige Ausrichter, an. Zur Erklärung: Die Beträge wurden in Euro gerechnet und in Sachen Inflation auf 2017 angepasst. Denn die Innsbrucker Machbarkeitsstudie rechnet mit Beträgen von 2026, die Bewerber für 2018 zogen Beträge von 2010 heran. Wie in der Machbarkeitsstudie sind die Prognosezahlen des internationalen Währungsfonds die Berechnungsbasis.

Die von der Innsbrucker Bewerbung angekündigten reduzierten Spiele schlagen sich auch im Budget nieder. Das Gesamtbudget von 1,175 Milliarden Euro wäre zu heutigen Preisen eine knappe Milliarde Euro. Damit wären die Bewerber für 2018 bei weitem nicht ausgekommen. München hatte 1,6 Milliarden Euro, Pyeongchang 1,7 Milliarden und Annecy gar knapp 2 Milliarden Euro geplant. Doch auch Pyeongchang wird mit dem ursprünglich geplanten Budget wohl nicht auskommen. In Südkorea rechnet man bereits jetzt mit einer Überschreitung um mehrere 100 Millionen Euro.

Das niedrigere Gesamtbudget begründen die Innsbrucker Olympiawerber mit der bereits existenten Infrastruktur. "Infrastrukturkosten fallen bei uns nicht an, weil wir alles haben", sagte Mennel. Dass die Angaben in etwa vergleichbar sind, zeigt sich beim IOC-Beitrag. Dieser Teil des Budgets, den das IOC trägt, schwankt bei allen vier Bewerbungsbudgets relativ konstant um 450 Millionen Euro. So auch bei Innsbruck. Dass die geplanten 153 Millionen Euro von nationalen Sponsoren ein klarer Ausreißer nach unten sind, ist angesichts des vergleichsweise kleinen österreichischen Marktes keine Überraschung.

Hohe Ticketeinnahmen
Besonders hohe Einnahmen erwarten die Studienautoren aus dem Bereich Tickets. Bei Innsbruck sind dafür 200 Millionen Euro veranschlagt, bei den Bewerbern für 2018 waren es 173 bis 184 Millionen Euro. Hubert Siller, Co-Studienautor und Leiter des Departments für Tourismus- und Freizeitwirtschaft am MCI, erklärt: "Wir haben die Ticketzahl in etwa bei den Spielen von Vancouver 2010 angesetzt, über jener von Turin 2006 und auch von Pyeongchang. Zudem haben wir eine breite Differenzierung der Preise. Manche Bewerbe gibt es schon um 26 Euro, die Eröffnungs- und Schlussfeier geht dagegen erst bei über 200 Euro los."

Dennoch sind diese hohen Einnahmen überraschend, schließlich wirbt Innsbruck beim IOC auch offen mit reduzierten Zuschauerkapazitäten, etwa beim Eishockey. Dazu sagt Siller: "Die Einschränkungen gibt es vor allem für die Finalspiele, wenn man nach Innsbruck zurückgeht. Beim Eishockey rechnen wir mit 2000 bis 4000 Zuschauern weniger, als man sie in Kanada hätte."

Dieses Minus könne man mit Leichtigkeit bei anderen Sportarten wieder hereinholen, meint Siller: "Dafür werden wir im alpinen Bereich, bei den Nordischen und beim Biathlon ganz andere Zuschauerzahlen erreichen, als es sie in Kanada gab oder Südkorea geben wird."

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-10-11 17:24:05
Letzte ─nderung am 2017-10-12 08:11:09




Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Zum Siegen verdammt
  2. Tiroler Absage an Olympia
  3. Schock nach Olympia-Aus sitzt tief
  4. Breite ÖSV-Phalanx gegen Vonn
  5. Grün-weißer Minimalismus
Meistkommentiert
  1. Peter Schöttel wird neuer ÖFB-Sportdirektor
  2. Tiroler Absage an Olympia
  3. Schock nach Olympia-Aus sitzt tief
  4. Abschiedsgeschenk für Koller
  5. "Wunderschöne Jahre"

Werbung



Werbung


Werbung