• vom 11.01.2018, 16:56 Uhr

Sport

Update: 11.01.2018, 20:16 Uhr

Eiskunstlauf

Ein nordkoreanisches Wintermärchen




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  • Ein Eiskunstlauf-Paar aus Pjöngjang sorgt bereits vor dem Start der Olympischen Winterspiele für Furore.

Ryom und Kim in Aktion.

Ryom und Kim in Aktion.© afp Ryom und Kim in Aktion.© afp

Pyeongchang. (rel) Am 14. Februar, Valentinstag, werden die Augen der Sportwelt auf ein Paar gerichtet sein, das bisher international kaum in Erscheinung getreten ist. Obwohl privat nicht liiert, hat die Geschichte der erst 18-jährigen Eiskunstläuferin Ryom Tae-ok und ihres um sieben Jahre älteren Partners Kim Ju-sik durchaus das Zeug, in die Annalen Olympischer Winterspiele einzugehen. Schließlich hatte damit, dass das nordkoreanische Paar doch noch bei den Spielen im Februar in Südkorea, also mehr oder weniger beim Erzfeind, teilnehmen könnte, kaum jemand mehr gerechnet. Das politische Tauwetter seit Anfang Jänner, als Machthaber Kim Jong-un in seiner Neujahrsansprache die Entsendung einer Olympia-Delegation nach Pyeongchang in Aussicht gestellt hatte, macht es möglich. Fehlt nur noch, nachdem es Nordkorea verabsäumt hat, Ryom und Kim rechtzeitig für die Winterspiele zu nominieren, die nachträgliche Zulassung durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) - und diese scheint gesichert, hat sich doch das Duo den Start bei Olympia sportlich längst verdient. Erst im September hatten sich die Eiskunstläufer bei der Nebelhorn-Trophy in Oberstdorf den Quotenplatz für die Spiele gesichert - und mit dieser Leistung einen ersten Medienrummel ausgelöst. Wegen des großen Interesses musste sogar, wohl auch sehr zur Überraschung von Aufpasser und Dolmetscher Ri Chol-un, eine Extra-Presserunde mit den beiden aus Pjöngjang anberaumt werden. Kritische Fragen nach der schwierigen Situation in ihrem isolierten Heimatland beispielsweise waren - wie immer - dennoch nicht zugelassen, Themen und Redezeit von vornherein begrenzt.

Ryom und Kim, die gemeinhin als ehrgeizig und zurückhaltend beschrieben werden, dürfte das vermutlich ganz recht gewesen sein, haben sie doch, wie sie öffentlich immer wieder betonen, mit Politik nichts am Hut. Das bestätigt auch ihr kanadischer Trainer, Bruno Marcotte. "Wir haben nie auch nur ein Wort über Politik gesprochen, das war von Anfang an so ausgemacht. Wir reden über Familie und Sport." Im Gegenzug dürfen die beiden Nordkoreaner - je nach politischer Großwetterlage - auch relativ ungehindert reisen und in Europa und Amerika trainieren. So hat Coach Marcotte zuletzt im Juli und August mehrere Programme mit Ryom und Kim in seiner Paarlaufschule in Montreal einstudiert. "Ich genieße es, mit ihnen zu arbeiten", sagte der 43-Jährige, der vom nordkoreanischen Regime immer "korrekt bezahlt" wird. "Ich will, dass sie eines Tages Medaillen holen."


Dass es dazu bereits in Pyeongchang kommen wird, ist unwahrscheinlich. Um besser zu werden, müsste das Paar mehr Wettkämpfe bestreiten. Das hat bisher nicht geklappt. Seit Herbst fand die Vorbereitung für die (damals noch) ungewisse Mission Olympia wieder in der Heimat statt, also nicht zu idealen Bedingungen. Konkurrenz in dem abgeschotteten Land haben die 1,51 Meter kleine Läuferin und ihr Gegenpart nicht, von Wettbewerben wie etwa nationalen Meisterschaften ist nichts bekannt. Immerhin sind die Nordkoreaner für den Bewerb "Four Continents" Ende Jänner in Taipeh gemeldet - bis dahin dürfte endgültig geklärt sein, ob sie olympisches Eis betreten dürfen.

Sollte das IOC die Teilnahme billigen, könnten ob des zu erwartenden Medieninteresses auch Österreichs Eiskunstlauf-Paar Miriam Ziegler und Severin Kiefer, die als einzige heimische Vertreter ihrer Sportart in Pyeongchang an den Start gehen werden, im Fokus stehen. Das Duo hat sich wie die Nordkoreaner in Oberstdorf für Olympia qualifiziert, viel Kontakt hatte man aber bisher nicht. "Wir kennen sie nicht gut", sagte Kiefer im Vorfeld der EM vom 17. bis 20. Jänner in Moskau. "Wenn sie bei Wettkämpfen sind, sind Trainer und Teamleader rund um die Uhr mit dabei. Small Talk gibt es da keinen." Der Salzburger weiß, dass sich die beiden in Kanada auf die Saison vorbereitet haben, seit Oberstdorf aber in der Heimat sind. In einem Duell mit den Nordkoreanern um die bessere Platzierung würde es in Pyeongchang dennoch eng werden. Ziegler und Kiefer kamen in Oberstdorf auf 180,60 Punkte, Ryom und Kim auf 180,09 Zähler.




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Dokument erstellt am 2018-01-11 16:59:06
Letzte nderung am 2018-01-11 20:16:15




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