
Schladming. Marcel Hirscher hat es geschafft. Der Salzburger holte sich den Weltcup-Gesamtsieg. Der Österreicher gewann den Riesentorlauf in Schladming und überholte in der Gesamtwertung den Schweizer Beat Feuz, der ohne Punkte blieb. Damit führte der Salzburger mit 25 Punkten vor dem letzten Saison-Rennen am Sonntag. Da der Schweizer beim Slalom nicht startete, ist Hirscher der Sieg nicht mehr zu nehmen.
Hirscher ist der fünfte Österreicher, der eine große Kristallkugel gewann. Vor ihm gelang dies Karl Schranz, Hermann Maier, Stephan Eberharter und zuletzt 2006 Benjamin Raich. Es ist die zehnte große Kugel für Österreichs Ski-Herren.
Hirscher holte sich auch die Riesentorlauf-Weltcup-Wertung. Da der US-Amerikaner Ted Ligety bereits im ersten Durchgang in Schladming schwer patzte, war dem Österreicher bereits nach dem ersten Lauf kleines Kristall sicher.
Hirscher, der seinen insgesamt zwölften Weltcup-Sieg und den sechsten im Riesentorlauf feierte, führte vor seinem engeren Landsmann Hannes Reichelt (+0,19 Sek.) und dem Vorarlberger Marcel Mathis (0,55) einen ÖSV-Dreifach-Erfolg an. Mit dem Tiroler Benjamin Raich (2,26) als Zehntem kam noch ein vierter Österreicher in die Top Ten.
Es war beeindruckend, wie nervenstark Hirscher im tagelangen Wechselbad der Finalwoche und WM-Generalprobe blieb und im Riesentorlauf nichts anbrennen ließ. Was half war, dass ihm die Riesentorlauf-Wertung und damit seine erste Karriere-Kugel nach einem Riesenfehler von Weltmeister Ted Ligety (USA) schon nach Lauf eins gehört hatte.
"Das war extrem wichtig. Anderenfalls wäre es eine echte Zusatzbelastung gewesen", bestätigte Hirscher, dass er so befreiter zum Sieg fahren konnte. "Ich hatte drei Kugel-Chancen und als ich die eine verwertet hatte, war das schon ein Traum", jubelte er.
Nicht nur sein Vater Ferdinand und Freundin Laura waren in Schladming gerührt, auch Hirscher selbst musste sich erst fassen. "Ich kapier' noch gar nichts. Ich habe noch nie in meiner Karriere so viel riskiert wie heute im zweiten Durchgang", unterstrich Hirscher, wie sehr er um diesen Sieg gekämpft hatte. Die Erleichterung war ihm anzusehen. "Es war brutal, was sich da seit Jänner abgespielt hat. Wir haben ja nur noch von dem depperten Glasbecher gesprochen. Egal mit wem oder wo. Wenn man es dann wirklich schafft, dann bedeutet das sehr viel."
Nach der Bekanntgabe des Start-Verzicht des Schweizers, trat der Österreicher nochmals vor die Presse. "Es ist noch total unreal. Ich werde das erst wirklich überreißen, wenn ich die Kugel in meinen Händen halte und sie meins ist", sagte der neue Weltcup-Gesamtsieger am Samstag Abend.
Hirscher hatte die Nachricht von seinem Gesamtsieg im Laufe des Nachmittags aus dem Radio erfahren. "Für mich haben sich die Ereignisse heute überschlagen. Deshalb fällt es mir schwer, so schnell Emotionen zu finden", suchte er zunächst noch nach Worten. Der leidenschaftliche Motocrosser verglich die Situation mit einer Führerscheinprüfung. "Da bekommt man zunächst auch nur einen Zettel wo draufsteht, dass du Auto fahren darfst. Es ist ein ähnlich komisches Gefühl."
Dass sich am Ende alles so ausgegangen ist, sei unfassbar. "Und ist irgendwo auch ein ganz neues Lebensgefühl. Wenn etwas so auf der Kippe steht und du das Risiko in den Vordergrund stellst, dann ist das ein Poker, bei dem du alles gewinnst oder alles verlierst. Gott sei Dank hatte ich ein Fullhouse."
Ihm sei klar, dass die Zukunft auch wieder zähe Zeiten bringen werde. In einem Atemzug mit großen Namen wie Karl Schranz, Hermann Maier, Stephan Eberharter und Benjamin Raich genannt zu werden, ist für Hirscher eine "extreme Ehre." "Das sind solche Heroes. Es ist daher irgendwo schon komplett schräg, wenn man unter diesen Namen selber vorkommt und es als Jüngster geschafft hat. Sportlich gesehen habe ich es nun so weit geschafft, dass mein Name in Österreich so schnell nicht mehr zu vergessen ist."
Mit Bernhard Russi hatte ihn ein weiterer Weltcupsieger aus der Schweiz an diesem Tag sogar als "Jahrtausend-Talent" bezeichnet. "Das ehrt mich natürlich, wenn der Bernhard das so sagt. Aber ich selbst würde das so nie sagen", schwächte Hirscher ab. "Kleine Worte, große Taten, das ist irgendwo cooler. Ein Talent habe ich sicher, aber es gibt tausend andere gute Sportler mit einem Haufen Talente."