• vom 17.03.2017, 16:15 Uhr

Ski

Update: 17.03.2017, 19:36 Uhr

Ski-Weltcup

Marcel der Große




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Von Christian Mayr

  • Marcel Hirscher nimmt am Sonntag seine sechste große Kristallkugel in Empfang - Zeit für eine Würdigung.



Aspen/Wien. Zuerst war es ein "depperter Glasbecher", mittlerweile sind es sechs große Kugeln: Wenn Marcel Hirscher am Sonntagabend (20.15 Uhr/live ORF-Sport+) zum Abschluss des Weltcupfinales in Aspen seine sechste große Kristallkugel für den Gesamtweltcupsieg stemmen darf, wird man sich vielleicht zurückerinnern, wie es damals in den Märztagen des Jahres 2012 war, als das einst drahtige Bürscherl mit den Gummiknien in Schladming zum ersten Mal die sportlich bedeutendste Trophäe für einen Skifahrer in Empfang nahm. "Total unreal" war dieser Coup für den damals 23-jährigen Salzburger, zumal Hirscher gerade seine Comeback-Saison bestritt (nach überstandenem Kahnbeinbruch), nur zwei Disziplinen fuhr und trotzdem zum Saisonbesten avancierte. Und jetzt? Total unreal. So dominant Hirscher seither auch war, so logisch seine Gesamtsiege im Rückblick auch erscheinen mögen, im modernen Ski-Rennsport ist eine solche Serie eigentlich als utopisch anzusehen. Vielleicht eine Marke für die Ewigkeit, vielleicht unerreicht, solange es den Skisport in den Alpen in der derzeitigen Form gibt. Der Mann, der Hirscher diesen Rekord streitig macht, muss wahrscheinlich erst geboren werden.

Wenn man sich dem Phänomen Hirscher nähern will, muss man weit, weit zurückgehen - weiter als Schladming 2012 und Schladming 2013, als er bekanntlich die Probe seines Lebens mit Slalom-WM-Gold vor 50.000 Fans bestand. 20 Kilometer Luftlinie von der Planai entfernt befindet sich auf 1467 Metern Seehöhe die Stuhlalm. Diese wurde einst von einem Annaberger Skilehrer namens Ferdinand Hirscher gepachtet, der dort oben jeden Sommer mit seinem Sohn verbrachte. Dort oben, erzählt der berühmteste Schnauzbartträger des Ski-Zirkus’ gerne, habe der kleine Marcel die Basis seiner Karriere gelegt, indem er permanent über Stock und Stein gesprungen sei und so seinen Gleichgewichtssinn erlangt habe, um den ihn heute die gesamte Rennfahrerzunft beneidet.


Und dann wäre da natürlich noch Hirschers unbändiger Ehrgeiz. Ob Sieger-Gen, Rennfahrer-Typus oder Gewinner-Mentalität - es reicht ein Blick in das Gesicht des 28-Jährigen, wenn er im Ziel einen zweiten Platz schulterzuckend quittiert. Um wenig später dem Reporter mit strengem Blick weiszumachen, wie wichtig doch diese 80 Punkte wieder für den Gesamtweltcup wären. 80 Punkte schön und gut - aber wenn Hirscher nicht gewinnt, ist er nicht zufrieden. Und heuer war er so oft Zweiter wie nie zuvor in einer Saison, nämlich inklusive der WM in St. Moritz elf Mal. Dass der "Glasbecher im Schädel" ihn heuer nicht immer volles Risiko nehmen (und so auch kein einziges Mal ausscheiden) ließ, schien ihm innerlich enorm gegen den Strich zu gehen. Als Kristall bereits vor der WM in trockenen Tüchern war, blühte Hirscher wieder voll auf. Resultat: Doppelgold in St. Moritz.

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-03-17 16:21:04
Letzte nderung am 2017-03-17 19:36:05



Ski-WM in St. Moritz

Medaillenspiegel

Nation G S B Gesamt
1. Österreich 3 4 2 9
2. Schweiz 3 2 2 7
3. Frankreich 2 0 0 2
4. Kanada 1 1 1 3
4. USA 1 1 1 3
6. Slowenien 1 0 0 1
7. Norwegen 0 1 1 2
8. Liechtenstein 0 1 0 1
8. Slowakei 0 1 0 1
10. Schweden 0 0 2 2
11. Deutschland 0 0 1 1
11. Italien 0 0 1 1


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