• vom 14.11.2017, 17:47 Uhr

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David Poisson 1982 - 2017




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  • Der tödliche Sturz des französischen Skifahrers lässt die Sicherheitsdebatte erneut aufflammen.

2013 jubelte David Poisson über Bronze in der WM-Abfahrt von Schladming.

2013 jubelte David Poisson über Bronze in der WM-Abfahrt von Schladming.© Olivier Morin/afp 2013 jubelte David Poisson über Bronze in der WM-Abfahrt von Schladming.© Olivier Morin/afp

Nakiska. (art/apa) Schock und Trauer in der Ski-Welt: Keine zwei Wochen vor dem Auftakt der Speed-Bewerbe hat der tödliche Sturz von David Poisson die Szene erschüttert. Poisson starb am Montag bei einer Trainingsfahrt im kanadischen Nakiska, wo er sich mit dem französischen Team auf Abfahrt und Super G in Lake Louise vorbereitete. Details zum Unfallhergang wurden von offizieller Seite zunächst nicht genannt, laut Medienberichten soll er aber zwei sogenannte B-Fangnetze durchschlagen haben, in den angrenzenden Wald gestürzt und dort gegen einen Baum geprallt sein. "Als wir hingekommen sind, mussten wir seinen Tod feststellen", sagte Adam Loria, der Sprecher des lokalen medizinischen Diensts. Und während die Teams und Fahrer, die sich gerade ebenfalls in Nakiska befinden wie etwa die ÖSV-Trainingsgruppe Speed 3 von Florian Raich, sich nicht zuviel öffentlich äußern und sich stattdessen dem Verarbeiten des Geschehens widmen wollten, tauchen schon die ersten Vorwürfe auf: Demnach sei die Strecke angesichts der Nähe zum Wald ungenügend gesichert gewesen. Laut einem Offiziellen der kanadischen Gebietsleitung seien die Franzosen jedoch selbst für das Training verantwortlich gewesen.

David Poisson ist jedenfalls bei Weitem nicht der erste Fahrer, der bei oder an den Folgen eines Unfalls bei einem Ski-Rennen oder Training gestorben ist und schon der vierte Franzose. 1970 brach sich Michel Bozon in der Weltcup-Abfahrt von Megève das Genick. Michel Dujon kollidierte 1975 in Val d’Isère mit einem Mast und zog sich ebenfalls tödliche Verletzungen zu. 2001 kam Régine Cavagnoud ums Leben. Die damalige Super-G-Weltmeisterin erlag in der Universitätsklinik Innsbruck ihren Verletzungen, die sie sich während eines Trainings bei einer Kollision mit einem deutschen Nachwuchstrainer auf dem Pitztaler Gletscher zugezogen hatte. Österreichs Skisport trauerte zuletzt 1991 und 1994 um Gernot Reinstadler beziehungsweise Ulrike Maier. Allerdings hat die Erhöhung der Sicherheitsmaßnahmen dazu geführt, dass seit dem Schweizer Werner Elmer 2002 niemand tödlich verunglückt ist.


Stars zeigen
sich erschüttert

Der 35-jährige Poisson, der einen eineinhalbjährigen Sohn hinterlässt und für dessen Familie es nach dem erst zwei Wochen zurückliegenden Tod seines eigenen Vaters der nächste schwere Schlag ist, galt als routinierter Fahrer: 2004 stieg er in den Weltcup ein, 2010 holte er mit dem siebenten Platz in Vancouver sein bestes Olympia-Ergebnis, 2013 gewann er Bronze in der WM-Abfahrt von Schladming. Sein bestes Weltcup-Ergebnis war ebenfalls ein dritter Platz in Santa Caterina 2015. Wenngleich die ganz großen Erfolge ansonsten ausblieben, war Poisson eine anerkannte Persönlichkeit im Weltcup, für seinen kraftvollen Stil ebenso bekannt wie für seine gewinnende, freundliche Art. Das bezeugen auch die zahlreichen Beileidsbekundungen. Der Internationale Skiverband FIS betonte, dass Poisson stets ein "respektierter und kompletter Athlet" gewesen sei. In einer Mitteilung des französischen Verbandes sagte dessen Präsident Michel Vion: "Niedergeschmettert von dieser Nachricht. Wir nehmen am Schmerz seiner Angehörigen in diesem speziell schwierigen Moment teil."

Auch der ÖSV zeigte sich "zutiefst erschüttert", wie es in einer auf Französisch verfassten Mitteilung heißt: "Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind bei der Familie und der französischen Equipe." Zahlreiche Skifahrer äußerten sich auf Twitter und Co. ähnlich. "Gedanken und Liebe an seine Familie. So traurig", schrieb Anna Veith. Lara Gut betonte: "Dein Lächeln wird vermisst."

Wie die einzelnen Teams, die in Nakiska trainieren - die österreichische Gruppe wollte ursprünglich bis Montag dort bleiben -, ihre Vorbereitung fortsetzen, ist noch unklar. Fest steht jedenfalls, dass die Debatte um die Sicherheit mit dem tragischen Unfall zum Saisonstart neu entflammt ist.




Schlagwörter

Ski alpin, David Poisson

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Dokumenten Information
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Dokument erstellt am 2017-11-14 17:50:10



Ski-WM in St. Moritz

Medaillenspiegel

Nation G S B Gesamt
1. Österreich 3 4 2 9
2. Schweiz 3 2 2 7
3. Frankreich 2 0 0 2
4. Kanada 1 1 1 3
4. USA 1 1 1 3
6. Slowenien 1 0 0 1
7. Norwegen 0 1 1 2
8. Liechtenstein 0 1 0 1
8. Slowakei 0 1 0 1
10. Schweden 0 0 2 2
11. Deutschland 0 0 1 1
11. Italien 0 0 1 1


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