• vom 12.01.2018, 16:33 Uhr

Ski

Update: 12.01.2018, 16:53 Uhr

Ski-Weltcup

Einer fehlt noch




  • Artikel
  • Lesenswert (3)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Christian Mayr

  • Im elften Anlauf soll es mit Marcel Hirschers erstem Slalom-Sieg in Wengen endlich klappen.

Am Fuße des Lauberhorns gab es für Marcel Hirscher bisher maximal den kleinen Pokal.

Am Fuße des Lauberhorns gab es für Marcel Hirscher bisher maximal den kleinen Pokal.© afp Am Fuße des Lauberhorns gab es für Marcel Hirscher bisher maximal den kleinen Pokal.© afp

Wengen. Marcel Hirscher hat alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Dieser Satz ist natürlich falsch - denn trotz sechs WM-Titeln, neun WM-Medaillen, sechs großen und acht kleinen Kristallkugeln fehlt ihm bekanntlich das obligatorische Olympiagold. Dass er dieses im Februar in Pyeongchang nachholen will, ist kein großes Geheimnis. Doch selbst, wenn man in den Eingangssatz das Wort "im Weltcup" einfügen würde, wäre er nicht richtig. Denn der 28-jährige Salzburger hat zwar 52 Mal im Weltcup triumphiert, und zwar in vier Disziplinen und an 19 verschiedenen Schauplätzen - von A wie Adelboden bis Z wie Zagreb -, doch bei einem der großen Slalom-Klassiker ging der Siegerkelch bisher immer an Hirscher vorbei: in Wengen.

Am Sonntag (10.15/13.15 Uhr/
ORFeins) unternimmt der Annaberger seinen bereits elften Versuch, endlich auch einmal im traditionsreichsten Schweizer Skiort zu gewinnen. Während frühere Slalom-Asse wie Ivica Kostelic (vier Siege) und Benjamin Raich (drei Siege) den engen, steilen und extrem kupierten Hang liebten, ist die Bilanz für den siegverwöhnten Hirscher ebendort beinahe peinlich - mit "nur" drei zweiten Plätzen (2011, 2013, 2017) und einem dritten Rang (2014). Zumal Hirscher, der sonst praktisch immer durchkommt, in Wengen gleich vier Mal ausfiel. Dass ihn der Hang nicht sonderlich mag, quittierte er einmal salopp, indem er das urige Markenzeichen der Slalompiste zum "depperten Heustadl" machte, wo er sich wieder "eingeparkt" hätte.


Warum es just in Wengen nicht mit einem Sieg klappte, wiewohl das Gelände dem wendigen Kraftpaket entgegenkommen müsste, konnte er sich bis dato selbst nicht recht erklären: "Vielleicht weil die Schneebedingungen bisher alles andere als normal waren. Meistens war es eine Gatschhupferei", meinte Hirscher einmal. Der "Gatsch" droht nach den Wetterkapriolen der vergangenen Tage diesmal tatsächlich wieder, allerdings störte den Sieger der jüngsten vier Slaloms das zuletzt auch nicht. Und im Vorjahr war Hirscher schon knapp dran am Sieg - lediglich 15 Hundertstel fehlten auf Henrik Kristoffersen.

Wenn sich die knappen Hundertstelentscheidungen wie zuletzt in Madonna, Zagreb und Adelboden fortsetzen und Hirscher weiter begünstigen, wäre sein Premierensieg heuer fällig. "Der Sieg ist natürlich das große Ziel, aber da liegen noch 120 Tore dazwischen und 60 oder 70 Konkurrenten, die etwas dagegen haben", meinte Hirscher, der die Woche mit Physiotherapie und Stangentraining auf der Reiteralm verbrachte.

Kombination an Muffat-JeandetDie Tücken des Slalomhangs bekamen am Freitag bereits die Kombinierer zu spüren - und da vor allem die Abfahrer. Auf immer weicher und schwieriger werdender Piste hatten die Speedfahrer keine Siegchancen mehr, wiewohl Vincent Kriechmayr ein Fahrfehler auf dem Weg zum Sieg zum Verhängnis wurde. So nutzten dem Ersten der Abfahrt 2,55 Sekunden Vorsprung auf den Sieger Victor Muffat-Jeandet nichts - der Franzose, 27. nach der Abfahrt, feierte im Berner Oberland seinen ersten Weltcupsieg. Peter Fill reichte Rang drei, um nach zwei Bewerben Kombinationskristall zu holen; bester Österreicher wurde Matthias Mayer als Achter.

Der Olympiasieger zählt auch beim Abfahrtsklassiker am Samstag (12.30 Uhr/ORFeins) zu den heißen Eisen der ÖSV-Truppe. Insbesondere die Länge wird für ihn zum entscheidenden Kriterium: "2:30 Minuten ist lang, das geht extrem auf die Kraft. Am Samstag brauchen wir jede Sekunde alle Kraft, die wir haben. Aber ich weiß, was ich zu tun habe", meinte der Kärntner.

Wie es sich anfühlt, den Klassiker zu gewinnen, weiß von der aktuellen Generation nur Hannes Reichelt. Der Salzburger hat am Lauberhorn eine sagenhafte Erfolgsserie hingelegt - fünf Mal in Serie stand er auf dem Stockerl, 2015 siegte er. Bei ihm regiert naturgemäß die Vorfreude: "Ich stehe oben und denke mir, das ist wie Achterbahnfahren. Du freust dich drauf, weil keine Kurve gleich ist wie die davor. Das macht es so speziell", meinte der Super-G-Weltmeister von 2015 Sein Erfolgsgeheimnis? "Die Abfahrt ist lange, ich kann meinen physischen Vorteil ausspielen und habe am Schluss noch die Kraft für das Ziel-S und kann richtig Gas geben. Hier runter ist es sehr wichtig, dass du mit Gefühl fährst. Das sind Faktoren, die mir entgegenkommen."

Herren-Kombination in Wengen:

1. Victor Muffat-Jeandet (Fr) 2:35,29

2. Pawel Trichischew (Rus) +0,96

3. Peter Fill (It) +1,15

Weiters:

8. Matthias Mayer (Ö) +1,37

Abfahrt Samstag, 12.30 Uhr

Slalom Sonntag, 10.15/13.15 Uhr

Damen in Bad Kleinkirchheim:

Super G Samstag, 10.45 Uhr

Abfahrt Sonntag, 11.15 Uhr




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-01-12 16:38:13
Letzte ─nderung am 2018-01-12 16:53:05



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Letzte Chance Schladming
  2. Über Nacht ein Star
  3. 105 Athleten reisen nach Pyeongchang
  4. Sensationssieg von Dreßen auf der Streif
  5. Die perfekte Inszenierung
Meistkommentiert
  1. Ich will Hass, ich geb Gas
  2. Sensationssieg von Dreßen auf der Streif
  3. EM-Titel für Österreichs Herren

Werbung



Werbung



Werbung


Werbung