
Der Fußball würde sich für solche Ausbrüche des Nationalstolzes auch noch eignen, blöderweise ist die jüngere Geschichte dieser Sportart hierzulande überwiegend eine von peinlichen Niederlagen und glücklichen Unentschieden. Die Schweiz kann zwar auf Achtungserfolge verweisen und qualifizierte sich zuletzt fast immer für die Großereignisse, ist dort dann aber doch nur ein kleines Licht. Da eignet sich der Skisport mit seinen unzähligen Weltcup-Rennen und einer Fülle an Kristallkugeln wesentlich besser als Identitätsstifter.
Amtssprache Deutsch
Das wird auch vom offiziellen Österreich akzeptiert. So tauchte Bundeskanzler Werner Faymann am Mittwochvormittag, mitten in einer gewöhnlichen Arbeitswoche, in Schladming auf, um mit tausenden Zuschauern den unscheinbaren Klaus Kröll als Abfahrtsweltcup-Sieger zu feiern. Der alljährliche Höhepunkt des Weltcups in Kitzbühel wird im Jänner stets von der Staatsspitze und Promis jeder Preisklasse heimgesucht.
Dieser geballte Nationalstolz macht auch vor den Ausländern im Ski-Zirkus nicht halt. Stets werden die zwangsläufig existierenden Verbindungen zu Österreich hervorgestrichen. So wird etwa Damen-Dominatorin Lindsey Vonn aus den USA mit Vorliebe eingemeindet, schließlich lebt sie im Winter in Österreich, hat einen österreichischen Sponsor und einen österreichischen Trainer, ihre Interviews gibt sie in hervorragendem Deutsch. Klaus Kröll dagegen wollte bei der Pressekonferenz lieber nicht auf Englisch antworten.
Diese Sprache braucht er auch nicht oft, schließlich ist Deutsch die heimliche Amtssprache des Weltcups. Für die wenigen internationalen Reporter ist das ein Pech. Denn bei kaum einem internationalen Sport-Event werden die Pressekonferenzen derart schlecht und schludrig ins Englische übersetzt wie bei diesem Weltcup-Finale. Doch wozu auch Internationalität vorgaukeln? Schließlich ist der Mittelpunkt der Ski-Welt auch so hier.