Glasgow.

Einen Tag vor dem Derby werden die Rangers-Fans durch Glasgow marschieren. Sie demonstrieren gegen die Sanktionen des schottischen Verbandes, der den Rangers wegen der Missachtung von Statuten eine hohe Geldstrafe (160.000 Pfund) und eine einjährige Transfersperre auferlegt hat. Die Strafen könnten nur auf eine Art interpretiert werden, sagt Mark Dingwall, ein Sprecher der Fanvereinigung: "Man will vorsätzlich die Chancen einer Rettung der Rangers sabotieren."
Auch Mehrheitsaktionär Craig Whyte wurde vom Verband sanktioniert. Er wurde auf Lebenszeit von allen Fußballaktivitäten ausgeschlossen und muss 50.000 Pfund Strafe zahlen. "Es kümmert mich nicht. Und viel Vergnügen beim Einsammeln des Geldes", ließ Whyte via BBC verlauten.
Das Vorgehen des Verbandes erzürnte aber nicht nur die Fans, auch die Konkursverwalter zeigten sich "schockiert" und kündigten an, in Berufung zu gehen. Denn egal, ob der Verein übernommen oder durch ein Ausgleichsverfahren gerettet wird, ist ein Kaderumbau im Sommer notwendig, um die Kosten zu senken. Die hohen Personalausgaben lassen die Rangers seit Jahren rote Zahlen schreiben, auf Druck der Konkursverwalter hatten die Spieler zuletzt auf bis zu 75 Prozent ihrer Bezüge verzichtet. Allerdings nur bis zum Sommer, und als Gegenleistung erhielten sie die Erlaubnis, zu niedrigen Ablösesummen wechseln zu können.
Rätselhafter US-Investor
Doch der Kader lässt sich nicht umbauen, wenn der Verein keine neuen, billigeren Spieler verpflichten kann. Bleibt die Sperre bestehen, droht die Liquidation der Rangers. Ein potenzieller neuer Eigner, der US-amerikanische Geschäftsmann Bill Miller, hatte bereits angekündigt, dass sein Angebot nur gültig sei, wenn es keinerlei Sanktionen für die neue Saison gebe. Doch Miller ist den Fans ohnehin nicht geheuer. Denn bisher ist der Produzent von Trucks und Abschleppfahrzeugen im Sport noch nirgendwo aufgetaucht. Was also will Miller mit den Rangers?
Interessenten aus Singapur und offenbar auch aus Deutschland haben sich mittlerweile wieder zurückgezogen. Bleibt nur Miller und die von den Fans favorisierte Gruppe Blue Knights, die mit Ex-Klubdirektor Paul Murray an der Spitze den Verein durch ein Ausgleichsverfahren retten will. Millers Plan sieht dagegen die Ausgliederung von Teilen der Rangers in eine Auffanggesellschaft vor, die er mit 13,5 Millionen Euro dotieren will. Die Fans sehen dies als Versuch einer "Liquidation durch die Hintertüre".
Auch die Konkursverwalter sehen in den Blue Knights die bessere Lösung, doch haben sich diese vorübergehend als Bieter zurückgezogen. Doch das dürfte taktische Gründe haben. Denn Craig Whyte hat angekündigt, seine Aktien unter keinen Umständen an dieses Gremium verkaufen zu wollen. Er müsste wohl gerichtlich dazu gezwungen werden, doch das wäre eine langwierige Angelegenheit.
Die Situation der Rangers ist überaus verzwickt. Es sind auch noch viele Fragen offen. Ein Steuerverfahren gegen die Rangers ist nicht abgeschlossen, die Transfersperre nicht in letzter Instanz ausgesprochen, und die Interessenten taktieren. Zu Beginn der neuen Saison sollen die Rangers schon einen neuen Eigentümer haben, so sieht es der Zeitplan der Konkursverwalter vor.
Doch wenn Bill Miller jetzt aussteigt, dann stehen die Insolvenzprofis ohne offizielles Angebot da. Dann müssten sie wohl die Liquidation in die Wege leiten. Irgendwer würde die Rangers schon neugründen, vielleicht eh Murray und seine Blue Knights. Doch es wären andere Rangers. Und es wäre ein anderes Old Firm.