• vom 24.04.2012, 17:21 Uhr

Sport & Wirtschaft

Update: 25.04.2012, 10:46 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Eine vom schottischen Fußballverband verhängte Transfersperre gefährdet die Rettung der Glasgow Rangers

Kurz vor dem Abpfiff


Von Simon Rosner

  • Das Old Firm Derby gegen Celtic am Wochenende könnte das letzte sein.

Glasgow.

Trübe Aussichten für die Glasgow Rangers. Der Klub ist in Konkurs, doch die Rettung wird vom schottischen Verband torpediert.

Trübe Aussichten für die Glasgow Rangers. Der Klub ist in Konkurs, doch die Rettung wird vom schottischen Verband torpediert.Foto: reuters Trübe Aussichten für die Glasgow Rangers. Der Klub ist in Konkurs, doch die Rettung wird vom schottischen Verband torpediert.Foto: reuters

Die Eintrittskarte zu diesem Fußballspiel gleicht einer Parte. Am Sonntag trifft Celtic Glasgow auf den großen Rivalen, die Rangers. Es ist das 399. Old Firm Derby, und vielleicht wird es für immer das letzte sein. Irgendwie wird es schon weitergehen für die Rangers, die im Februar Konkurs anmelden mussten. Nur wie? Denn wenn der Klub einmal liquidiert und neugegründet wird, verschwindet mit ihm auch seine Geschichte. Das Old Firm wäre nie mehr das, was es einmal war.

Einen Tag vor dem Derby werden die Rangers-Fans durch Glasgow marschieren. Sie demonstrieren gegen die Sanktionen des schottischen Verbandes, der den Rangers wegen der Missachtung von Statuten eine hohe Geldstrafe (160.000 Pfund) und eine einjährige Transfersperre auferlegt hat. Die Strafen könnten nur auf eine Art interpretiert werden, sagt Mark Dingwall, ein Sprecher der Fanvereinigung: "Man will vorsätzlich die Chancen einer Rettung der Rangers sabotieren."

Auch Mehrheitsaktionär Craig Whyte wurde vom Verband sanktioniert. Er wurde auf Lebenszeit von allen Fußballaktivitäten ausgeschlossen und muss 50.000 Pfund Strafe zahlen. "Es kümmert mich nicht. Und viel Vergnügen beim Einsammeln des Geldes", ließ Whyte via BBC verlauten.

Das Vorgehen des Verbandes erzürnte aber nicht nur die Fans, auch die Konkursverwalter zeigten sich "schockiert" und kündigten an, in Berufung zu gehen. Denn egal, ob der Verein übernommen oder durch ein Ausgleichsverfahren gerettet wird, ist ein Kaderumbau im Sommer notwendig, um die Kosten zu senken. Die hohen Personalausgaben lassen die Rangers seit Jahren rote Zahlen schreiben, auf Druck der Konkursverwalter hatten die Spieler zuletzt auf bis zu 75 Prozent ihrer Bezüge verzichtet. Allerdings nur bis zum Sommer, und als Gegenleistung erhielten sie die Erlaubnis, zu niedrigen Ablösesummen wechseln zu können.

Rätselhafter US-Investor
Doch der Kader lässt sich nicht umbauen, wenn der Verein keine neuen, billigeren Spieler verpflichten kann. Bleibt die Sperre bestehen, droht die Liquidation der Rangers. Ein potenzieller neuer Eigner, der US-amerikanische Geschäftsmann Bill Miller, hatte bereits angekündigt, dass sein Angebot nur gültig sei, wenn es keinerlei Sanktionen für die neue Saison gebe. Doch Miller ist den Fans ohnehin nicht geheuer. Denn bisher ist der Produzent von Trucks und Abschleppfahrzeugen im Sport noch nirgendwo aufgetaucht. Was also will Miller mit den Rangers?

Interessenten aus Singapur und offenbar auch aus Deutschland haben sich mittlerweile wieder zurückgezogen. Bleibt nur Miller und die von den Fans favorisierte Gruppe Blue Knights, die mit Ex-Klubdirektor Paul Murray an der Spitze den Verein durch ein Ausgleichsverfahren retten will. Millers Plan sieht dagegen die Ausgliederung von Teilen der Rangers in eine Auffanggesellschaft vor, die er mit 13,5 Millionen Euro dotieren will. Die Fans sehen dies als Versuch einer "Liquidation durch die Hintertüre".

Auch die Konkursverwalter sehen in den Blue Knights die bessere Lösung, doch haben sich diese vorübergehend als Bieter zurückgezogen. Doch das dürfte taktische Gründe haben. Denn Craig Whyte hat angekündigt, seine Aktien unter keinen Umständen an dieses Gremium verkaufen zu wollen. Er müsste wohl gerichtlich dazu gezwungen werden, doch das wäre eine langwierige Angelegenheit.

Die Situation der Rangers ist überaus verzwickt. Es sind auch noch viele Fragen offen. Ein Steuerverfahren gegen die Rangers ist nicht abgeschlossen, die Transfersperre nicht in letzter Instanz ausgesprochen, und die Interessenten taktieren. Zu Beginn der neuen Saison sollen die Rangers schon einen neuen Eigentümer haben, so sieht es der Zeitplan der Konkursverwalter vor.

Doch wenn Bill Miller jetzt aussteigt, dann stehen die Insolvenzprofis ohne offizielles Angebot da. Dann müssten sie wohl die Liquidation in die Wege leiten. Irgendwer würde die Rangers schon neugründen, vielleicht eh Murray und seine Blue Knights. Doch es wären andere Rangers. Und es wäre ein anderes Old Firm.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-24 17:26:11
Letzte Änderung am 2012-04-25 10:46:22


Beliebte Inhalte



Eine feucht-fröhliche Meisterparty erlebten Trainer Peter Stöger und die Austria-Spieler. - apa
  • Austria war ein Meister der Konstanz, Finale im Abstiegskampf am Sonntag.
  • weiter

Jubel in Violett: Alexander Gorgon, Manuel Ortlechner und James Holland. - apa/Hochmuth
  • Stöger-Truppe blieb mit 4:0 auch im Saisonfinale ihren Qualitäten treu.
  • weiter

  • 1. FC Kaiserslautern will gegen Hoffenheim Sprung nach oben schaffen.
  • weiter

  • Der Italiener führt vor den entscheidenden Etappen des Giro d’Italia.
  • weiter

Austrias Meistermacher soll bei Werder Bremen Interesse ausgelöst haben, Peter Stöger dementiert. - APAweb/HERBERT NEUBAUER
  • Austrias Erfolgscoach dementiert, fühlt sich aber höchst geehrt.
  • weiter

Baumgartners Sprung war hoch angesetzt, aber kein Sport - zumindest nicht im steuerrechtlichen Sinn. - APAweb /  EPA / Red Bull Stratos
  • Lopatka dementiert Eingriff in Felix Baumgartners Steuerverfahren.
  • weiter

Austrias Meistermacher soll bei Werder Bremen Interesse ausgelöst haben, Peter Stöger dementiert. - APAweb/HERBERT NEUBAUER
  • Austrias Erfolgscoach dementiert, fühlt sich aber höchst geehrt.
  • weiter




Werbung




Chondrocladia lyra, ein fleischfressender Schwamm, lebt über drei Kilometer tief im Pazifik vor der Küste von Kalifornien. Die Art wurde von der Universität von Arizona in Tempe (USA) für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt.

Nach 28 Jahren stießen Biologen auf eine unbekannte Affenart in Afrika: die Lesula-Affen. Sie leben versteckt in der Lomami-Region in der Dem. Rep. Kongo und wurden nun von der Universität von Arizona für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt. Nach Sony (PlayStaion 4) und Nintendo (WiiU) hat nun auch Microsoft seine Vision der zukünftigen Spielkonsolenwelt vorgestellt. Kinect Group Program Manager Scott Evans demonstrierte bei der Präsentation der "Xbox One" gleich einmal den neuen Kinect-Sensor, der nun nicht mehr als Zubehör erhältlich sein wird, sondern fix im Lieferumfang enthalten sein wird.

Mailands "neubabylonischer" Hauptbahhnhof Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Werbung