• vom 18.07.2017, 19:00 Uhr

Sport & Wirtschaft


Basketball

Raketen und Rekorde




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Tamara Arthofer

  • Der geplante Besitzerwechsel bei den Houston Rockets ist das Ende einer Ära - und zugleich der Beginn eines der größten Wettbieten in der Geschichte des US-Sports.

James Harden ist einer der Topstars der Houston Rockets.

James Harden ist einer der Topstars der Houston Rockets.© Ronald Martinez/Getty Images/afp James Harden ist einer der Topstars der Houston Rockets.© Ronald Martinez/Getty Images/afp

Houston. Als Basketball-Superstar James Harden vor wenigen Tagen seine Vertragsverlängerung bei den Houston Rockets, die ihn zum Rekordverdiener der nordamerikanischen Basketball-Liga NBA macht, mit den Worten "Alles wird hier in Houston passieren, deshalb bleibe ich hier für immer" kommentierte, wusste er selbst wohl nicht, wie recht er behalten würde. Alles, alles kann in Houston passieren - ein Verkauf des Teams durch Leslie Alexander war damit aber nicht gemeint. Seit 24 Jahren besitzt Alexander das Team, in seine Ära fallen die zwei NBA-Titel 1994 und 1995, er gilt als einer der aktivsten und beliebtesten Team-Eigentümer der Liga. Doch jetzt will der 74-jährige Unternehmer nicht mehr. Völlig überraschend ließ er die NBA und die Welt über seinen Geschäftsführer Tad Brown in der Nacht auf Dienstag wissen, dass das Team zum Verkauf stehe. Damit dürfte ein Wettbieten um eines der schillerndsten NBA-Franchises beginnen, das am Ende in einen neuen Rekordwert münden könnte und Alexander rund um die zwei Milliarden Dollar, wenn nicht mehr, einbringen könnte. Zum Vergleich: Gekauft hat er das Team 1993 für 85 Millionen Dollar.

Doch seitdem hat sich viel getan in der NBA, sie hat den Anschluss an die finanzstärksten Ligen, die Football-Liga NFL und die Baseball-Liga MLB, zwar nicht ganz geschafft, aber aufgeholt - und nebst immer lukrativeren Sponsoren- und vor allem TV- und Medienrechten ein bei weitem größeres Potenzial auf dem globalen Markt. Dieses hat auch der frühere Microsoft-Chef Steve Ballmer erkannt, als er 2014 für die Los Angeles Clippers, die sich auf Druck der Liga ihres nach einem Rassismus-Skandal untragbar gewordenen Ex-Eigentümers Donald Sterling entledigten, zwei Milliarden Dollar auf den Tisch legte. Der Wert des Teams war wenige Monate zuvor vom Wirtschaftsmagazin "Forbes" noch auf 575 Millionen Dollar geschätzt worden. "Im Vergleich zu großen, öffentlich gehaltenen Unternehmen gibt es weniger Risiko bei einem NBA-Team", sagte Ballmer damals. Später legte er nach: "Es gibt wirklich viel zu verdienen."


Tatsächlich sind die Einnahmen, Gewinne und Umsätze der Teams in den vergangenen Jahren rasant gestiegen - und sie werden es weiter tun. Alleine der neue Vertrag mit ESPN und Turner Sports bringt der Liga jährlich 2,66 Milliarden Dollar ein - rund das Dreifache der bisherigen Vereinbarung. Der durchschnittliche Wert der Teams stieg binnen der vergangenen fünf Jahre laut "Forbes" um das Dreieinhalbfache auf 1,36 Milliarden Dollar; die Rockets liegen mit 1,66 Milliarden über diesem Mittel und werden in der entsprechenden Rangliste an achter Stelle der wertvollsten Basketball-Teams geführt.

In der Regel liegen die Kaufpreise aber deutlich über diesem von "Forbes" errechneten Wert - vor allem dank der prosperierenden Aussichten. Diese sind im Fall der Rockets besonders gut. Sie sind nicht nur eines der über die Jahre konstantesten Teams, sie haben sich neben der langfristigen Vertragsverlängerung mit Harden für die Zukunft auch Chris Paul gesichert, sind Platzhirsch in einem der größten Einzugsgebiete und vor allem Vorreiter auf dem asiatischen Markt, der für den Basketballsport zunehmend an Bedeutung gewinnt. In China kennt jedes sportinteressierte Kind die Marke, seit 2002 der (mittlerweile zurückgetretene) Yao Ming hier anheuerte. Dies alles könnte dazu führen, dass nicht nur der bisherige Rekordpreis für ein Basketball-Team purzeln könnte, sondern auch die 2,15 Milliarden Dollar übertroffen werden könnten, die ein Konsortium rund um Magic Johnson 2012 für das Baseball-Franchise Los Angeles Dodgers zahlte. Und dann hätte James Harden retrospektiv tatsächlich recht behalten: In Houston kann derzeit alles passieren.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-07-18 17:54:07



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Hirscher triumphiert im Riesentorlauf
  2. Anna Veith gewinnt in Val d'Isere
  3. Dortmund-Sieg bei Stögers Heimdebüt
  4. ÖSV-Pleite in Engelberg
  5. ÖSV-Adler auf der Suche nach Konstanz
Meistkommentiert
  1. "Frischfleisch" für die Trainer
  2. "Reagieren wie Panzer"
  3. Werdenigg vier Stunden als Zeugin befragt
  4. Von Köln nach Dortmund
  5. Hoffnungsschimmer hinter Stacheldraht

Werbung



Werbung



Werbung