

Die Zimmerpreise bewegen sich zwischen 150 und 550 Euro pro Nacht, wie die PR-Managerin Margarita Iwlewa sagt. Für den Zeitraum der EM sei man zu 95 Prozent ausgelastet, danach hoffe man auf finanzkräftige Manager und Touristen, die durch die EM auf Charkiw aufmerksam geworden seien. Damit diese auch landen können, hat Jaroslawskyjs DCH-Gruppe weitere 81,5 Millionen Euro in den neuen Flughafen gesteckt. Die neun Millionen, die der 52-Jährige als Vereinspräsident in die Jugendakademie seines Klubs investierte, nehmen sich dagegen genauso bescheiden aus wie die Aufwendungen von 22 Millionen Euro für das EM-Stadion in Charkiw, dessen Neubau zu 70 Prozent von der öffentlichen Hand getragen wurde.
Prestige vor Nachhaltigkeit
Dass die Euro-Investitionen in der Ukraine in erster Linie in Prestigeobjekte geflossen sind, zeigt sich in Charkiw deutlicher als in den Spielorten im Westen des Landes. Gleich hinter den renovierten Fassaden der Häuser auf den Hauptstraßen sieht es aus wie eh und je: dem Verfall preisgegebene Hinterhöfe. Gehsteige, die diese Bezeichnung nicht verdienen. Holprige Straßen, auf denen selbst ukrainische Taxifahrer nur Schritttempo fahren.
Billige Unterkünfte sind Mangelware, weshalb man im Sommer kurzfristig Studentenheime zu Drei-Stern-Hotels umwandeln will. "Die Vorbereitungen für die EM haben nur kosmetische Auswirkungen auf unsere Stadt gehabt", sagt der Schriftsteller Serhij Zhadan, der seit den 1990er Jahren in Charkiw lebt. "Die EM wurde nicht dafür genutzt, etwas Systematisches zu verändern. Sie wird vorbeigehen, aber unsere Probleme werden bleiben. Da helfen uns keine Politiker und Oligarchen. Dagegen müssen wir selbst etwas unternehmen."