• vom 21.07.2010, 17:08 Uhr

Sportpolitik

Update: 22.07.2010, 14:07 Uhr
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Olympia-Bewerbung Münchens könnte am Veto hartnäckiger Bauern in Garmisch-Partenkirchen scheitern

Großer Frust, geringes Vertrauen



  • Verhandlungen über Grundstücke bisher ergebnislos.
  • Fehler in der Kommunikation sollen passé sein.
  • München. (art) Vielleicht denkt Thomas Bach in manch ruhiger Stunde an seine Worte von November zurück. Thomas Bach ist ein mächtiger Mann in Deutschland, er ist Vizepräsident des internationalen olympischen Komitees (IOC), Präsident des nationalen olympischen Sportbundes (DOSB) und als solcher der eigentliche Herr über die Münchner Bewerbung für die Winterspiele 2018. Sein Wort zählt etwas. Und jetzt tritt mehr und mehr ein, was er anlässlich der Ernennung Willy Bogners zum Chef der Bewerbungsgesellschaft gesagt hat.
  • Wintersport gegen die Hitze

Die neue Kandahar gilt als eine der spektakulärsten Skipisten. Ob dort Olympia-Rennen über die Bühne gehen können, ist aber alles andere als gesichert. Foto: epa

Die neue Kandahar gilt als eine der spektakulärsten Skipisten. Ob dort Olympia-Rennen über die Bühne gehen können, ist aber alles andere als gesichert. Foto: epa Die neue Kandahar gilt als eine der spektakulärsten Skipisten. Ob dort Olympia-Rennen über die Bühne gehen können, ist aber alles andere als gesichert. Foto: epa

Es sei wichtig, meinte er damals im November, "dass die Spiele emotional rübergebracht werden". Und an Emotionen mangelt es in Deutschland bezüglich der Bewerbung nicht. Freilich spielen sie sich auf einer anderen Ebene ab, als Bach das ursprünglich geplant hatte. Denn nachdem sich die Aufregung um eine von Bogner geforderte und letztlich auch durchgeführte Budgetaufstockung sowie seine kolportierte und danach dementierte Rücktrittsdrohung gelegt hat, proben nun die Bauern den Widerstand. Und mit ihrem Veto könnten sie die Kandidatur, die Bundeskanzlerin Angela Merkel nach den teilweise blamablen Niederlagen der Bewerbungen Berlins 2000 und Leipzigs 2012 schon zur "nationalen Angelegenheit" erklärt hat, durchaus noch kippen. Die Möchtegern-Organisatoren brauchen die Flächen von 78 Landwirten in Garmisch-Partenkirchen, wo die Skibewerbe stattfinden und ein Athletendorf sowie ein Medienzentrum entstehen sollen.

Neuer Austragungsort

Doch die Grundeigentümer sind - gelinde gesagt - skeptisch. Bisher haben sie sich trotz stattlicher Entlohnungsversprechen beharrlich geweigert, Pachtverträge zu unterschreiben, auch die avisierten Vermittlungsgespräche haben die meisten ausgelassen. Auftrieb haben sie erst kürzlich erhalten, als die geplante Ansetzung der Biathlon- und Langlaufbewerbe in Oberammergau aufgrund einer Bürgerinitiative gescheitert ist. Sie konnten vorerst immerhin an den neuen Austragungsort Schwaiganger übersiedelt werden. Mit den Skibewerben wäre das allerdings weitaus schwieriger, wenn nicht unmöglich.

Doch die Furcht der Landwirte vor wirtschaftlichen Einbußen aufgrund ausgebeuteter Wiesen und zu großen Eingriffen in die Natur ist ebenso groß wie der Frust nach den ohnehin schon für die Skirennen vorgenommenen Pistenbauten, das Vertrauen in die Bewerbungsgesellschafter dagegen minimal.

Ganz geschickt sind sie es auch nicht angegangen, findet sogar der ehemalige Skirennfahrer und deklarierte Olympia-Befürworter Christian Neureuther. Man habe die Bauern zu wenig ernst genommen, meint er gegenüber der "Süddeutschen Zeitung". Gestützt wird diese These durch die patscherten Aussagen Willy Bogners und seiner Kollegen. "Wenn ihr die Spiele nicht wollt, kriegt ihr keine", hat Bogner gesagt. Und die Bemerkung von Karl-Heinz Rummenigge, dem Vorstandschef des FC Bayern, der anlässlich der Fußball-Saisoneröffnung am 8. August ein Benefizspiel zugunsten der Bewerbung austragen lässt, ihm gehen "diese Quertreiber in den Alpen gegen den Strich", hat auch nicht gerade viel zur Kalmierung der Lage beigetragen. Die Fronten haben sich verhärtet, dennoch hoffen Neureuther, Rummenigge und Co. noch auf eine Lösung. Doch die Zeit drängt.

Bis Anfang des kommenden Jahres muss dem IOC das offizielle Konzept vorgelegt werden. Um eine Einigung zu erzielen, werden seitens der Bewerbungsgesellschaft nun moderatere Töne angeschlagen. "Wir wollen und können niemanden unter Druck setzen, aber je schneller wir zu einer Einigung kommen, desto besser", sagt Bernhard Schwank, doch für viele klingt das schon ein bisschen hilflos.

18 Thesen

Nicht viel aussagekräftiger ist das Papier, das er und seine Kollegen am Dienstag vorgelegt haben. In diesem sollen "unsere Antworten" auf "18 Irrtümer über die Olympia-Bewerbung" gegeben werden, zu lesen sind dann Passagen wie folgende: "Die Olympischen Spiele sind eine rein kommerzielle Veranstaltung - Falsch. Grundlegendes Prinzip des Olympismus ist, (...) den Sport in den Dienst der harmonischen Entwicklung des Menschen zu stellen, um eine friedliche Gesellschaft zu fördern, die der Wahrung der Menschenwürde verpflichtet ist." Freilich sind noch andere Punkte in dem insgesamt elf Seiten langen Dossier angeführt, in denen ausführlich - und teilweise auch nachvollziehbar - auf Befürchtungen finanzieller, infrastruktureller und stimmungsmäßiger Natur eingegangen wird. Aber ob die schönen Worte ausreichen, um die Bauern von ihrem Widerstand abzubringen? Das kann derzeit niemand seriös beantworten. Die Emotionen dürften jedenfalls noch länger nicht abflauen.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2010-07-21 17:08:38
Letzte Änderung am 2010-07-22 14:07:00

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