• vom 12.01.2012, 22:35 Uhr

Sportpolitik


Innsbruck

Die unbekannten Spiele




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Von Matthias Nagl

  • Innsbruck veranstaltet ab Freitag die ersten Olympischen Jugend-Winterspiele
  • Was die Spiele sind oder sein sollen, ist bei der ersten Ausgabe noch nicht sicher.

Die Nordkette und Innsbruck warten auf etwas mehr als 1000 Nachwuchssportler.

Die Nordkette und Innsbruck warten auf etwas mehr als 1000 Nachwuchssportler.© APA/BARBARA GINDL Die Nordkette und Innsbruck warten auf etwas mehr als 1000 Nachwuchssportler.© APA/BARBARA GINDL

Innsbruck. So offen wie ÖOC-Präsident Karl Stoss hat es noch kaum jemand gesagt. "Die Jugendspiele sind eine Riesenchance, das jugendliche Publikum ist die Kundenbasis der Zukunft", erklärte er im Interview mit der APA. Das ist der wesentliche Gedanke des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) hinter der Kreation der Olympischen Jugendspiele. Die erste Winterausgabe dieser Spiele wird am Freitag (18.30 Uhr/live ORF Sport+) im Innsbrucker Bergisel-Stadion eröffnet. Dieses Sportfest, bei dem in der kommenden Woche 1059 Nachwuchssportler aus 70 Ländern zwischen 15 und 18 Jahren in 63 Bewerben aller olympischen Wintersportverbände um Medaillen kämpfen werden, soll erfüllt vom olympischen Geist und doch ganz anders als die Olympischen Spiele der Großen sein.

Ihre Premiere feierten die Jugendspiele 2010 mit Sommerspielen in Singapur. Sie sind geistige Kinder von IOC-Präsident Jacques Rogge und eines der wichtigsten Projekte seiner Amtszeit. Ein entscheidender Impuls kam aber auch vom Österreicher Johann Rosenzopf. Er hatte dem IOC bereits 1998 die Schaffung von Jugendspielen vorgeschlagen, nach einem langen Rechtsstreit bekam der Kärntner 2010 vom IOC die Erlaubnis, sich als maßgeblicher und bedeutsamer Impulsgeber der Veranstaltung zu bezeichnen.


Ein Schwerpunkt liegt auf nicht-sportlichen Inhalten
Der vom IOC erwünschte besondere Unterschied ist das mit den Spielen verbundene pädagogische Kulturprogramm. "Bei den traditionellen Spielen haben sie Druck von den Athleten, von den Medien, von den Veranstaltern. Das alles macht ein pädagogisches Programm schwer. Bei den Jugendspielen sind die Teilnehmer zwischen 14 und 18 Jahren alt. Sie sind noch aufnahmefähig", sagte Rogge in einem Interview mit dem Berliner "Tagesspiegel".

Neben Spaß und Kultur will das IOC den jungen Aktiven auch seine Werte mitgeben. Rogge nennt Werte wie "Respekt vor dem anderen, friedliche Verständigung, Anerkennung von Regeln, Streben nach Exzellenz". In sechs Themenbereichen will das IOC den Jugendlichen etwa Nachhaltigkeit und den richtigen Umgang mit Medien näherbringen und sie vor Doping warnen. Die Jugendspiele sollen sich nicht einzig um den sportlichen Wettbewerb drehen. Auch wenn Rogge sagt: "Er ist sehr wichtig."

Daneben liegen hinter der Einführung der Jugendspiele aber auch ganz pragmatische Gründe. Mit Sorge hat das IOC das schwindende Interesse von Jugendlichen an seinen traditionellen Spielen beobachtet. Die TV-Übertragungen der Spiele mit ihren althergebrachten Disziplinen erreichen vor allem jene Altersgruppe, die weder sportlich aktiv noch in der Zielgruppe der Sponsoren ist. Das soll sich mit den Jugendspielen wieder ändern. Dazu greift das IOC auch den Veranstaltern und Teilnehmern der geringer dimensionierten Spiele unter die Arme. So übernimmt das IOC 6,5 Millionen des Innsbrucker Gesamtbudgets von 23,7 Millionen Euro, zusätzlich finanziert das Komitee noch die Anreise der Delegationen und die TV-Produktion.

Die Aktiven selbst sind noch nicht ganz beseelt vom kulturellen Zugang der Macher der Spiele. Ihre Erwartungen unterscheiden sich nicht besonders von jenen der Aktiven bei herkömmlichen Spielen. "Ich erhoffe mir schon eine Medaille", sagt Nina Prock, österreichische Rodlerin und Tochter des mehrfachen Olympia-Medaillengewinners Markus Prock. Und auch Karl Stoss ist der sportliche Gedanke nicht ganz abhanden gekommen: "Jeder macht sich natürlich Hoffnungen auf Medaillen", sagt der ÖOC-Präsident.




Schlagwörter

Innsbruck, Jugend-Olympia, ÖOC, IOC

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2012-01-12 16:38:06
Letzte Änderung am 2012-01-12 22:33:54



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