Libreville.

Gabun, das mit dem winzigen und ebenso ölreichen Nachbarland Äquatorialguinea den Coupe dAfrique des Nations, kurz CAN, organisiert, die Fußballafrikameisterschaft, geht nach 30 Minuten in Führung. Hätte das Stadion ein Dach, der frenetische Jubel würde es vermutlich ein paar Zentimeter anheben. Die La-Ola-Welle geht durchs Rund, am Ende gewinnt Gabun sein erstes Gruppenspiel 2:0. Die hupenden Autocorso auf der palmengesäumten Croisette sind noch bis spätnachts zu hören. Zwei weitere Siege später steht Gabun im Viertelfinale, wo der Gastgeber am Sonntag auf Mali trifft.
Arbeiten bis zum Anpfiff

Auch abseits des Rasens macht Gabun bisher gute Figur. Am Flughafen in Libreville erhalte ich das Einreisevisum fast problemlos, die Ausstellung der Medienakkreditierung verläuft ebenso flott - keine Selbstverständlichkeit bei früheren Ausgaben der Afrikameisterschaft. Auch das neue Stadion im Norden der Hauptstadt ist noch rechtzeitig fertig geworden. Mehr oder weniger. Denn am Tag vor dem ersten Anpfiff wurden noch die Parkplätze geteert, Palmen eingesetzt und Sitze montiert. Gebaut wurde der Koloss aus Beton und Stahl von einer Firma aus Shanghai, er hört auf den Namen "Stadion der chinesisch-gabunischen Freundschaft".
Auch beim professionellen Branding lässt man sich nicht lumpen. Flughafen, Stadion-Zufahrtstraßen und das moderne Zentrum der 600.000-Einwohner-Stadt Libreville sind zugepflastert mit Transparenten, Flaggen und riesigen Plakatwänden. Gabun inszeniert seine Gastgeberrolle.
Fußball zur Imagepflege
Die Austragung der traditionsreichen Afrikameisterschaft, dem bedeutendsten pan-afrikanischen Event, hat viel mit Prestige und politischer Symbolik zu tun. Das Turnier des kontinentalen Verbandes CAF ist sogar etwas älter als die Europameisterschaft der Uefa, wobei der CAF in der Phase der Dekolonisierung nur unabhängige Staaten beitreten durften. Beim ersten Afrika-Cup 1957 in Khartum waren daher nur Gastgeber Sudan, Ghana, Ägypten und Südafrika dabei, und Südafrika musste gleich wieder die Koffer packen, da es sich geweigert hatte, ein ethnisch gemischtes Team zu nominieren.