Paris. Es ist beileibe nicht so, dass der französische Fußball unbewegte Zeiten durchmachen würde. Dabei geht es am grünen Rasen allerdings noch am ruhigsten zu. Die Meisterschaft biegt gerade in die Zielgerade ein und Paris Saint-Germain (PSG) versucht nach Spielereinkäufen um rund 100 Millionen Euro den ersten Titel seit 18 Jahren in die Hauptstadt zu holen. PSG wurde vor knapp einem Jahr von einem katarischen Staatsfonds mehrheitlich übernommen, der den Klub nun im Schnellverfahren an die französische und europäische Spitze bringen soll. Bisher gestaltet sich das Unterfangen aber schon im Heimatland als schwierig, aktuell liegt man mit drei Punkten Rückstand auf den Provinzklub Montpellier auf Rang zwei. Am langfristigen Erfolg wollen die Kataris aber keine Zweifel aufkommen lassen, in den ersten fünf Jahren des Engagements sind Gesamtinvestitionen von 500 Millionen Euro veranschlagt.
Das ist aber nicht der einzige Geldregen, der aus dem Wüstenstaat kommend über dem französischen Fußball hereinbricht. Der katarische TV-Sender Al-Jazeera hat sich um 150 Millionen Euro jährlich Übertragungsrechte für die Meisterschaft gesichert, die dafür notwendigen französischen TV-Sender sind gerade im Aufbau.
Dieses Geld können die Klubs vielleicht bald gut gebrauchen. Denn die emotionalste Diskussion im französischen Fußball dreht sich ebenfalls um - wenn auch deutlich weniger - Geld, hat ihren Ursprung aber einzig und allein in Frankreich.
Der französische Präsidentschaftskandidat Francois Hollande hat angekündigt, im Fall seiner Wahl einen Steuersatz von 75 Prozent für Super-Reiche einzuführen. Für Hollande beginnt diese Kategorie bei einem Jahreseinkommen von mindestens einer Million Euro - sie würde damit zahlreiche Fußball-Profis treffen. Frédéric Thiriez, Präsident der französischen Fußball-Liga, schätzt ihre Zahl auf rund 150, das ist rund ein Viertel aller Erstliga-Kicker. Er fürchtet "den Tod des französischen Fußballs". Seine Vermutung ist, dass es nicht nur zu einem Exodus talentierter Spieler in Länder mit günstigeren Steuersätzen kommen würde, sondern auch kaum mehr talentierte Spieler in die französische Liga wechseln würden.
Hollande entgegnet, dass die Sportler als Beispiele vorangehen müssten, und stellt eine Frage, die wohl so alt ist wie der professionelle Fußball: "Rechtfertigt das Niveau unserer Meisterschaft solche Gehälter?" Großartige Einnahmen erwartet er sich von der Reichen-Steuer ohnehin nicht, Hollande sieht die Abgabe eher als pädagogische Maßnahme.
"Wenn ich zahlen muss,
werde ich zahlen"
Einer, der erst vor kurzem von den katarischen Millionen nach Frankreich gelockt wurde, gibt Hollande recht: Javier Pastore, argentinischer Stürmerstar des PSG, wechselte vergangenen Sommer aus Italien nach Paris und gilt mit einem geschätzten Monatseinkommen von 350.000 Euro als bestbezahlter Spieler in Frankreich. Er bezeichnete die Steuer in einem Interview mit "Le Monde" als "Wahnsinn. Aber wenn ich sie zahlen muss, dann werde ich zahlen."