Sakhir.

Während das öffentliche Bahrain das Rennen, das im vergangenen Jahr wegen politischer Unruhen abgesagt wurde, nützen will, um der Welt das Bild eines friedlichen und offenen Landes zu präsentieren, werden diese Bemühungen nach den Eindrücken der vergangenen Tage zunehmend zur Farce. Seit der Bestätigung des Rennens in der Vorwoche haben die Unruhen und Sicherheitsbedenken zugenommen. Vier Lotus-Mechaniker wurden am Mittwoch Zeugen einer Detonation eines Molotow-Cocktails auf der Strecke zwischen dem Kurs und dem Hotel, einer durfte daraufhin die Heimreise antreten. Und am Abend stürmten Demonstranten eine Ausstellung in der Hauptstadt Manama, die zum Rahmenprogramm des Grand Prix gehörte. Viel eindeutiger hätte die Botschaft kaum ausfallen können, dass die Formel 1 von den schiitischen Oppositionellen, die seit dem vergangenen Jahr gegen die Unterdrückung durch das sunnitische Königshaus auf die Straße gehen, nicht willkommen ist.
"Nichts gegen Formel 1, aber"
Dabei befinden sich viele Bahrainer in einem Dilemma: Viele sind selbst Fans des Motorengeheuls und haben es begrüßt, als die Formel 1 vor acht Jahren erstmals hier auf der um 150 Millionen Dollar aus dem Wüstenboden gestampften High-Tech-Strecke Station machte. Man erhoffte sich wirtschaftlichen und infrastrukturellen Aufschwung. Doch profitiert hat hauptsächlich das Königshaus, für das die Formel 1 ein willkommenes Propagandainstrument darstellt. "Wegen der Verbrechen, die im Vorjahr hier verübt wurden, war Bahrain international isoliert. Jetzt wird die Formel 1 als PR-Tool genützt, um aus dieser Isolation herauszukommen", sagt Menschenrechtsaktivist Nabeel Rajab zum "Guardian". "Das ist kein Protest gegen die Formel 1, sondern gegen das Regime, das damit so tun will, als wäre alles in Ordnung. Aber es gibt keinen Frieden", sagt ein anderer Protestierender.
Die Ehefrau eines in Hungerstreik getretenen Häftlings, Khadija al-Mousawi, wiederum begrüßt sogar dezidiert die Austragung des Rennens, allerdings hätte sie sich ein Statement gegen die Menschenrechtsverletzungen erhofft, wie sie zu Reuters sagt. "Ich weiß, sie sagen, das ist nicht unsere Aufgabe, wir sind nur Rennfahrer. Ja. Aber ihr seid Rennfahrer aus Ländern, in denen Demokratie und Frieden herrschen. Was mich wirklich traurig und wütend macht, sind Menschen wie Bernie Ecclestone, die sagen, wir kommen hierher, weil alle glücklich und zufrieden sind. Ich kann ihnen versichern: Ich bin nicht glücklich."
Und ganz so glücklich dürften nun längst auch nicht mehr alle im Tross sein. Sky Deutschland sendet keine Kommentatoren nach Bahrain und sendet nur aus dem Studio in München, das deutsche MRS-Team hat seine Teilnahme am Porsche-Supercup im Rahmenprogramm abgesagt. Alles normal? Davon kann an diesem Wochenende keine Rede sein.