Wien. Ex-ÖOC-Präsident Leo Wallner hat am Dienstag im Untreue-Prozess gegen seinen langjährigen Generalsekretär Heinz Jungwirth dessen Aussagen bestritten, dass er von einem "Schwarzgeldkonto" gewusst habe. Das von Jungwirth für mutmaßliche Malversationen in Millionenhöhe verwendete ÖOC-Konto sei ein "ganz normales Konto, wie viele andere gewesen". Auch von der Verwendung von ÖOC-Geldern für private Zwecke durch Jungwirth habe er keine Kenntnis gehabt, sagte der Langzeitpräsident des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC) im Wiener Straflandesgericht.
Von Jungwirth behauptete Zusatzbonifikationen in beträchtlicher Höhe stellte Wallner in seiner Zeugenaussage ebenfalls in Abrede. Jungwirth soll laut Anklage zwischen Anfang 2003 und Februar 2009 von ÖOC-Konten persönlich mit Hilfe seiner langjährigen Stellvertreterin, der mitangeklagten Manuela K., und des abgesondert verfolgten ehemaligen ÖOC-Kassiers Lothar Scheer 2,78 Mio. bar behoben bzw. auf seine Konten transferiert und für private Zwecke verwendet haben.
Wallner belastet Jungwirth
Wallner, gegen den in Salzburg ein separates Strafverfahren läuft, hätte sich mit dem Hinweis darauf ohne weitere Begründung seiner Zeugenaussage entschlagen können. Er machte davon aber keinen Gebrauch und belastete im Zeugenstand seinen ehemaligen Generalsekretär, der ihn zum ÖOC gebracht hatte, massiv. Wallner hatte nach 19 Jahren an der Spitze des ÖOC im Jahr 2009 ein halbes Jahr nach Jungwirth seinen Hut genommen.
In seiner Amtszeit habe er sich nie in finanzielle Detailangelegenheiten eingemischt, führte der 76-Jährige aus. Er habe Jungwirth, den Kassieren und Rechnungsprüfern vertraut. "Die Finanzen waren immer positiv, es gab keine Reklamationen", sagte Wallner.
"Es gibt keine Schwarzgeldkonten", insistierte der langjährige ÖOC-Präsident. Dass ein im Jahr 2001 ursprünglich von ihm eröffnetes Konto in der offiziellen Buchhaltung nicht aufschien, "habe ich nicht gewusst. Im Prüfbericht ist diesbezüglich nichts drinnen gestanden". Er habe "die Buchhaltung deswegen nicht geprüft", so Wallner.
Er wisse nicht, welche Transaktionen über dieses Konto gelaufen seien. Wallner stellte entschieden die Behauptung Jungwirths in Abrede, das Konto sei mit seinem, Wallners, Wissen für Aktivitäten eröffnet worden, die nicht öffentlich bekanntwerden sollten wie eine Einladung des weißrussischen Präsidenten Lukaschenko.
Wie Wallner erläuterte, habe er die Übertragung der Zeichnungsberechtigung für die ÖOC-Konten an Jungwirth von seinem Vorgänger übernommen. Schriftlich festgehalten sei das allerdings nie worden. Eine schriftliche ÖOC-Geschäftsordnung wurde erst nach dem Auftauchen der Ungereimtheiten im Jahr 2009 fixiert.
Die Existenz eines ÖOC-Sparbuches sei ihm zwar bekanntgewesen, allerdings habe er keine Kenntnis von Kontobewegungen und schon gar nicht von der Verwendung von Geldern für private Zwecke durch Jungwirth gehabt. "Für die private Verwendung hatte er keine Ermächtigung."
Der wie Wallner gesondert verfolgte ehemalige ÖOC-Kassier Scheer entschlug sich der Aussage. Ein Zeuge fehlte krankheitsbedingt. Am Mittwoch (ab 9.00 Uhr) stehen weitere Zeugenaussagen auf dem Programm. Ob es danach zu Urteilen kommen wird, ist fraglich. Vermutlich wird das Gericht die Behauptungen Jungwirths, die abgezweigten Beträge in Form von Gegenverrechnungen bzw. Rücküberweisungen rückgeführt zu haben, von einem Sachverständigen überprüfen lassen.